bedeckt München

Kongo:Italiens Botschafter in einem Hinterhalt getötet

Blauhelme im Kongo

Blauhelme der Vereinten Nationen in der Nähe des Ortes, wo der italienische Botschafter getötet wurde.

(Foto: AP)

Unterwegs zu einem Projekt des World Food Programmes ist der italienische Botschafter Luca Attanasio bei einem Entführungsversuch einer Miliz im Osten des Kongo umgekommen.

Von Oliver Meiler, Rom

Im Osten des zentralafrikanischen Landes Kongo sind bei einem Überfall der italienische Botschafter, ein Carabiniere und ihr Fahrer getötet worden. Der Diplomat Luca Attanasio, 43, war unterwegs zu einem Projekt des World Food Programme im Nationalpark Virunga im Länderdreieck zwischen Kongo, Uganda und Ruanda, etwa 2500 Kilometer entfernt von Kinshasa, als eine bewaffnete Miliz den Konvoi angriff. Ranger des Nationalparks, der berühmt ist für seine Berggorillas, lieferten sich einen Schusswechsel mit den Angreifern. Mehrere Passagiere wurden verletzt. Attanasio erlitt Bauchschüsse, er starb im Krankenhaus in der nahen Grenzstadt Goma.

Die kongolesischen Behörden nehmen an, dass es sich bei dem Überfallkommando um eine ruandische Gruppe gehandelt haben könnte, die den Botschafter kidnappen wollte. Offenbar wussten sie von der Mission und hatten es gezielt auf Attanasio abgesehen. Immer wieder kommt es vor, dass Milizen die Grenzen überqueren und Menschen entführen. Allein in den vergangenen drei Jahren sind in der Gegend mehr als 170 Menschen entführt worden, wie Human Rights Watch berichtet. Meistens sind die Opfer Frauen, sie werden geschlagen, gefoltert und vergewaltigt, bis sie gegen Lösegeld freigelassen werden.

"Die Mission ist manchmal gefährlich", sagte der Botschafter

Die italienischen Medien veröffentlichten Fotos, die den Botschafter vor der Reise in den Nationalpark zeigen: locker im T-Shirt, Sonnenbrille im Gesicht, das Handy schaut aus der Hosentasche. Attanasio war einer der jüngsten Botschafter Italiens. Seine drei Töchter sind noch klein. Eine kam auf die Welt, als die Familie schon im Kongo stationiert war. Vor seiner Entsendung nach Kinshasa 2017 war der studierte Betriebswirt auf Posten in Nigeria. Begonnen hatte er seine Laufbahn als Handelsbeauftragter in der Botschaft in Bern, danach war er Generalkonsul in Casablanca. Dort lernte er seine Frau kennen: Zakia Seddiki leitet die humanitäre Organisation "Mama Sofia", die sich um das Schicksal von Frauen und Kindern in Afrika kümmert, etwa mit ambulanten Kliniken.

Für seinen Einsatz hatte das Paar im Herbst einen Friedenspreis erhalten, der in Italien vergeben wird. Attanasio sagte damals: "Die Mission eines Botschafters ist manchmal eine gefährliche, doch wir stehen in der Pflicht, beispielhaft zu sein."

Die Nachricht von der Ermordung des Botschafters, von dessen 30-jährigem Leibwächter und dem Fahrer schockt Italien. Staatspräsident Sergio Mattarella sprach von einem feigen Angriff, das Land sei in Trauer um die drei Männer.

© SZ/nien
Zur SZ-Startseite

Schiffsunglück im Kongo
:Nachtfahrt in den Tod

Mindestens 60 Menschen sterben bei einem Bootsunglück, Hunderte werden noch vermisst. Warum Reisen auf dem Kongofluss, der Hauptverkehrsader des Landes, so gefährlich sind.

Von Bernd Dörries

Lesen Sie mehr zum Thema