Italien Für eine Handvoll Stimmen

Salvinis Agitation wird immer dreister.

Von Oliver Meiler

Matteo Salvini schafft es jeden Tag, die politische Agenda vorzugeben. Mit einem Tweet, einem Spontaninterview in einer römischen Gasse, einem Post auf Facebook. Seine Anhänger sagen, er verstehe den Bauch der Italiener so gut wie sonst niemand. Manchmal ist das wörtlich zu verstehen: Er postet Fotos von dem, was er isst. Noch lieber aber spricht er die niedersten Instinkte der Italiener an, rührt an ihre Eingeweide.

Zum Gedenk- und Feiertag der Befreiung vom faschistischen Regime, den die Italiener immer am 25. April begehen, sagt Salvini, das sei wie ein "Derby zwischen Roten und Schwarzen, zwischen Kommunisten und Faschisten". Er mache da nicht mit, das langweile ihn. Statt an einem Gedenken teilzunehmen, fahre er lieber nach Sizilien und weihe dort eine neue Polizeiwache ein.

Seine Gegner sind empört. Sie sagen, der Innenminister relativiere das historische Verdienst der Partisanen, der Befreier, die längst nicht alle Linke waren. Und er zwinkere den Faschisten zu, den Nostalgikern, die ihm salutieren wie einst. Die Kritik kümmert Salvini nicht, er steckt sie weg. Seine Gunst wächst. Das Zwinkern und Verniedlichen, Polarisieren und Spalten gehört zum Plan. Bald sind Europawahlen. Für ein paar Stimmen mehr rüttelt er schon mal an den Pfeilern der italienischen Republik.