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Italien:Der Mythos vom Opfer

Matteo Salvini hat sich selbst gestürzt. Jetzt sucht er Schuldige.

Matteo Salvini hat jetzt eine neue Rolle, sie ist ihm gar nicht so unbekannt, vielleicht ist sie ohnehin seine genialste: Oppositionsführer. Gesucht hat er sie allerdings nicht, sie ist die Folge eines politischen Fehlers von schier komischem Ausmaß. Salvini wollte mit einem Sommercoup, dem überraschenden Bruch mit seinen Regierungskollegen der Cinque Stelle mitten im August, sofortige Neuwahlen erzwingen, und dachte, nicht ohne Recht, diese wohl hoch zu gewinnen. Es kam alles anders.

Premier Giuseppe Conte, den Salvini ein Jahr lang vor sich hergetrieben hatte wie ein Hündchen, rächte sich und führt nun eine neue Koalition aus Fünf Sternen und Sozialdemokraten an. Selbst die rechte Presse wirft dem "Capitano" Salvini vor, er habe alles leichtfertig verspielt: die Aussicht auf die ganze Macht.

Doch Salvini hat schon umgeschaltet. Er gibt jetzt den alleinigen Kämpfer gegen die "Eliten" und gegen Brüssel-Berlin-Paris - das geografische und politische Dreigestirn dessen, was er als "dunkle Macht" beschreibt. Er sieht sich als Opfer eines Komplotts. Natürlich ist das eine sonderbare Deutung der Ereignisse. Aber vielleicht funktioniert die Geschichte als neues Narrativ. Er wird sie laut vortragen, immer wieder, sie in die Köpfe der Italiener hämmern. Viele sind empfänglich dafür, immer noch.

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