Italien Der Leuchtturm und der Duce

Mussolinis renovierte Residenz soll zur Touristenattraktion werden.

Von Oliver Meiler

Auf einer sanften Anhöhe zwischen Imola und Rimini, in der norditalienischen Romagna, steht ein Schloss umgeben von Pinien und Zypressen. Es heißt Rocca delle Caminate und gehört zur Gemeinde Meldola. Früher war es mal eine Festung gewesen, hohe Mauern und ein Wachturm zeugen davon. Bekannt wurde es in den Dreißigern, als Benito Mussolini, der aus der Gegend stammte, dort residierte. Das Castello war ein Geschenk seiner Partei.

Der Faschistenführer kam meist im Sommer, für die Frische. Manchmal empfing er da Staatsgäste. In den Kellern, so erfuhr man später, wurden Partisanen gefoltert. Der mächtige Wachturm war auch ein Leuchtturm. Sein Strahlenbündel sonderte er ab, wenn der Duce im Haus war - und zwar in den Farben des Landes, grün-weiss-rot, so stark wie 8000 Kerzen. Man sah es aus sechzig Kilometern Entfernung. Mit dem Tod des Diktators im Jahr 1945 erlosch auch sein Leuchtturm.

Nun aber soll er bald wieder strahlen, hell und weit. Der rechtsbürgerliche Bürgermeister von Meldola, Gianluca Zattini, hat die Genehmigung der Provinzverwaltung eingeholt, der das Schloss gehört. Er rechnet sich aus, dass mehr Touristen in seine kleine Stadt kommen, wenn er nur den Leuchtturm wieder anwirft. Das Schloss wurde erst kürzlich renoviert, hübsch ist es geworden. Ein Restaurant soll künftig all jene zum Verweilen einladen, die sich anlocken lassen vom Strahlenbündel aus der Vergangenheit. Als man den Bürgermeister fragte, ob es ihn denn nicht störe, dass er mit seiner Initiative wohl vor allem "Schwarzhemden" anziehe, also Nostalgiker des Faschismus, sagte er: "Schwarz, rot, weiß - für mich ist die Farbenfrage nachrangig." Wer auch immer Meldola besuchen wolle, der sei ihm herzlich willkommen.

Der "Faro di Mussolini", der Leuchtturm Mussolinis, wird dann ganz gut in ein größeres Reiseprogramm passen, eine Thementour. Hauptdestination bleibt die Nachbargemeinde Predappio. Dort, in einer Krypta am Dorfausgang, liegt der Duce begraben. Er wird ständig bewacht von Freiwilligen in langen schwarzen Mänteln, die zum Dienstantritt römisch salutieren, also faschistisch. 40 000 Wehmütige pilgern jedes Jahr hin und kaufen in den Souvenirläden von Predappio Büsten von Mussolini, Weine mit einschlägigen Etiketten und T-Shirts mit nicht minder einschlägigen Sprüchen darauf.

Natürlich will man auch in Predappio nicht, dass der Eindruck entsteht, man biete den Faschisten einen Wallfahrtsort und bewirtschafte ihn. Doch obschon es dann und wann auch Ausstellungen gibt, die sich nachdenklich mit dem Nachlass der Diktatur beschäftigen, lässt sich dieser Eindruck nur leidlich entkräften.

Den antifaschistischen Vereinigungen und der jüdischen Gemeinde geht die historische und intellektuelle Leichtherzigkeit längst viel zu weit. Carlo Smuraglia, Präsident der nationalen Vereinigung italienischer Widerstandskämpfer, 94 Jahre alt, schreibt in einer Stellungnahme in der Zeitung La Stampa: "Der Leuchtturm würde nicht etwa ein Schlaglicht auf die Tragödie des Faschismus werfen, sondern diesen am Ende nur verherrlichen." Etwa so, als wäre der kleine Mann mit dem kantigen Kinn wieder da, im Schloss zwischen Pinien und Zypressen. Oder sein Gespenst.