Italien:Handy am Steuer: 1000 Euro Strafe

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Die italienische Polizei behält die Autofahrer im Auge - auch die aus dem Ausland. (Foto: ALBERTO PIZZOLI/AFP)

Autofahren in Italien ist gefährlicher als in anderen Ländern. Jetzt greift der Staat durch und erhöht die Bußgelder drastisch.

Von Marc Beise, Rom

Dass Autofahren in Italien mit allerlei Risiken verbunden ist, hat der ausländische Besucher schon lange vermutet. Entgegen dem ersten Anschein ist dabei aber weniger die atemberaubende Stop-and-Go-Akrobatik in Großstädten wie Rom, Neapel und Palermo das Problem, sondern ganz allgemein eine überdurchschnittliche Unbekümmertheit der Verkehrsteilnehmer im ganzen Land. Die Folgen sind mehr als 3000 Verkehrstote im Jahr, umgerechnet auf die geringere Bevölkerung sind das deutlich mehr als beispielsweise in Deutschland.

Dabei sind die Verkehrsregeln in Italien so eindeutig wie anderswo, womöglich sogar strikter. Vor allem ist auch in Italien verboten, beim Autofahren das Handy in der Hand zu nutzen, nichts ist gefährlicher, das ist ja die Pest dieser Zeit. Auf Sizilien war vor einem Jahr ein Autofahrer mit 270 Sachen auf der Autobahn unterwegs, während er ein Video drehte, das er später bei Tiktok einstellte; Schlagzeilen machen auch Verkehrsunfälle, bei denen die Täter unachtsam waren, weil sie filmten, und Unbeteiligte getötet wurden. Natürlich sind auch Alkohol- und Drogenfahrten verboten, und zu schnelles Fahren ebenso. Die Koalition von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat den Bußgeldkatalog jetzt drastisch verschärft. Die Änderungen treten unverzüglich, an diesem Samstag, 14. Dezember, in Kraft.

Knöllchen zu ignorieren, ist keine gute Idee

Und das gilt, sicherheitshalber sei das hier erwähnt, auch für Ausländer, die beispielsweise von Norden kommend zum Gardasee unterwegs sind. Wer von der Polizei angehalten wird, ist ohnehin dran. Wer gefilmt wird, kann davon ausgehen, dass er Post bekommt. Die Phase, als wegen eines Behördenstreits die Versendung von Hunderttausenden Strafzetteln nach Deutschland unterbrochen war, ist seit dem Herbst vorbei, die Knöllchen kommen mit freundlicher Unterstützung deutscher Behörden wieder an. Wenn man nicht das Glück hat, dass der Vorgang mindestens ein Jahr zurückliegt, zahlt man besser. Zumal der Betrag gestaffelt ist und bei rascher Überweisung weniger anfällt, als wenn man auf Zeit spielt.

Ab sofort also kostet das Handy in der Hand während der Fahrt bis zu 1000 Euro, im Wiederholungsfall wird es noch teurer, und es kommt ein dreimonatiges Fahrverbot dazu. Die Alkoholgrenze liegt wie in Deutschland bei 0,5 Promille, der Verstoß kostet den Ersttäter oder die Ersttäterin bis zu 2000 Euro plus Fahrverbot. Am tückischsten sind Geschwindigkeitsüberschreitungen, schon zehn Stundenkilometer zu viel schlagen mit bis zu knapp 700 Euro zu Buche. Und es gibt nirgends so viele Blitzer wie in Italien. Zwar weiß man nicht, welche Gehäuse bestückt sind, aber es heißt: Ihre Zahl nimmt zu. Immerhin müssen die Blitzer ausgewiesen werden, und auch manches Navigationsgerät schlägt Alarm; da gibt es keine Entschuldigungen mehr. Und der berüchtigte „Fleximan“, der in diesem Jahr in Norditalien Blitzer absägte, ist auch längst gefasst.

Auch für die bei Touristen beliebten, aber bei Passanten heftig umstrittenen E-Scooter gelten Regeln: Ohne Helm zu fahren, kostet 50 Euro, auch Mängel an der Ausstattung schlagen für den Nutzer finanziell zu Buche, selbst wenn das Gerät nur gemietet ist.

Tückisch für Autofahrer sind die Verbotszonen in den Innenstädten. In eine zona traffico limitato (ZTL) darf man ohne Berechtigungsschein gar nicht oder nur zu bestimmten Stunden einfahren, entsprechende Schilder werden gerne übersehen ebenso wie die Kameras, die die Autokennzeichen scannen. Auch hier gilt: Post kommt, über kurz oder lang.

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