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Italien:Anwohner protestieren gewaltsam gegen Migranten

  • In mehreren italienischen Städten haben Anwohner und rechtsextreme Gruppen gegen die Unterbringung von Flüchtlingen protestiert.
  • Medienberichten zufolge schleppten die Einwohner der Ortschaft Quinto di Treviso Betten und Matratzen aus einem Gebäude und setzten sie in Brand.
  • Der Protest in Casale San Nicola wurde von einer rechtsextremen Gruppierung unterstützt.

Verwüstete Unterkunft

In Italien haben die Einwohner von zwei Ortschaften gegen die Unterbringung von Flüchtlingen protestiert und eine noch leerstehende Unterkunft verwüstet. Im norditalienischen Quinto di Treviso schleppten die Einwohner laut Medienberichten Betten, Matratzen und Fernsehgeräte aus einer leerstehenden Flüchtlingsunterkunft und setzten sie in Brand. Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, Dutzende wurden festgenommen.

Demonstranten in Quinto di Treviso bauten vor der Flüchtlingsunterkunft Zelte auf. "Wir gehen nicht nach Hause, bis sie abhauen - das ist eine Invasion", sagte ein Teilnehmer der Tageszeitung Corriere della Sera mit Blick auf die Migranten.

Der Präsident der Region Venezien, Luca Zaia, von der rechten Lega Nord, sagte im Fernsehen, er sei mit den Protestierenden der Meinung, dass die Region "afrikanisiert" werde. Die Präfektin von Treviso, Maria Augusta Marrosu, sagte hingegen, die Flüchtlinge sollen bleiben, denn sie hätten "keine andere Wahl".

Demonstranten blockieren Zufahrt

Im Römer Vorort Casale San Nicola protestierten etwa hundert Menschen gegen die Ankunft von 20 Flüchtlingen. Die Demonstranten hatten die Zufahrt zu einer ehemaligen Schule blockiert, die zu einem Heim für etwa 100 Migranten werden soll.

Der Protest wurde von einer rechtsextremen Gruppierung unterstützt. "Hier können sie nicht hin!", riefen die Demonstranten. "Wir haben Angst um unsere Mädchen!" Frauen versuchten durch eine Sitzblockade die Durchfahrt des Busses mit 20 Flüchtlingen zu verhindern. Trotz der Proteste und Blockaden erreichte der Bus das Gebäude.

Hassparolen und Beleidigungen

Die Demonstranten schrien den Menschen Hassparolen und Beleidigungen entgegen, warfen mit Steinen Stühlen und Flaschen. Nach Polizeiangaben wurden zwei Randalierer festgenommen, 15 weitere identifiziert. Die Stadt erklärte, sie werde die Straßenblockade auflösen. Die Migranten sollten weiterhin in der ehemaligen Schule untergebracht werden. "Wir machen keinen Schritt zurück", sagte der Präfekt Franco Gabrielli.

Bei den Protesten wurden 14 Polizisten leicht verletzt, zwei Randalierer wurden festgenommen. In Italien halten sich etwa 80 000 Einwanderer auf, die über das Mittelmeer ins Land kamen. Die meisten kommen aus afrikanischen Staaten, vor allem aus Eritrea, sowie aus Syrien. In Norditalien trifft nur ein kleiner Teil der Flüchtlinge ein, in Venezien sind es etwa vier Prozent, in Ligurien zwei Prozent.

© SZ.de/AFP/dpa/fie
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