TürkeiHunderte Festnahmen bei Mai-Protesten in Istanbul

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Ein Demonstrant bei seiner Festnahme im europäischen Zentrum von Istanbul.
Ein Demonstrant bei seiner Festnahme im europäischen Zentrum von Istanbul. (Foto: KEMAL ASLAN/AFP)

Im ganzen Land gehen Tausende auf die Straße um für Arbeitnehmerrechte zu protestieren. In Istanbul werden die Demonstrationen zu Kundgebungen gegen Präsident Erdoğan.

In der türkischen Metropole Istanbul sind bei Protesten zum 1. Mai Hunderte Menschen festgenommen worden. 407 Personen seien wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz in Gewahrsam genommen worden, teilte Innenminister Ali Yerlikaya auf der Plattform X mit.

In Ankara versammelten sich derweil Tausende Menschen zu weitgehend friedlichen Märschen. Präsident Recep Tayyip Erdoğan empfing in der Hauptstadt Vertreter von Gewerkschaften und verschiedenen Berufsgruppen. Er verwies auf Errungenschaften seiner Regierung für die Arbeiter. Auch in anderen türkischen Städten fanden Kundgebungen statt.

Demonstrationen zum 1. Mai sind in der Türkei und auch in Istanbul üblich. Wegen der Verhaftung des türkischen Oppositionsführers und designierten Präsidentschaftskandidaten Ekrem İmamoğlu waren die Proteste diesmal allerdings deutlich größer als in den vergangenen Jahren. Das Land kommt seither nicht zur Ruhe, jede Woche hält die Opposition zwei Protestveranstaltungen ab, dazu kommen Demos von Schülerinnen und Schülern und Studierenden.

Auf Anweisung des Gouverneursamtes von Istanbul waren in der Stadt etliche Barrikaden aufgebaut worden, das gesamte Zentrum auf der europäischen Seite war nur noch zu Fuß zu erreichen – auch das Ausmaß der Sperren war weitaus größer als in den Jahren zuvor. Viele Demonstranten hatten beabsichtigt, zum symbolträchtigen Takismplatz zu gelangen. Auf der Straße dorthin nahm die Polizei besonders viele Menschen fest. Seit Jahren sind auf dem Taksim sämtliche Demonstrationen untersagt.

Özgür Özel, Vorsitzender der Oppositionspartei CHP, hob die Bedeutung des Platzes hervor. „Sind die Plätze eines Landes frei, herrscht Demokratie. Sind die Plätze wie der Taksim-Platz blockiert und abgeriegelt, herrscht Autokratie.“ Auf dem Platz und im angrenzenden Gezipark fanden im Jahr 2013 die bisher größten Proteste statt, seit Erdoğan regiert. Sie richteten sich anfangs gegen ein Bauvorhaben, weiteten sich aber auf das ganze Land aus und wurden zum Aufstand gegen Erdoğan. Der Satz „Taksim ist überall“ gehörte auch an diesem 1. Mai wieder zu den beliebtesten Sprechchören in der Türkei.

An genehmigten Kundgebungen am Tag der Arbeit, teilte das Gouverneursamt mit, hätten mehr als 60 000 Menschen teilgenommen. In der Stadt seien mehr als 50 000 Polizisten im Einsatz gewesen.

© SZ/dpa/rtr/zaa - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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