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Israels Geheimdienst:Mossad, ein Mythos mit Kratzern

Seine Losung: "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Der israelische Geheimdienst Mossad gilt als todbringend und effektiv - doch sein Ruf leidet unter Pannen.

Nach dem angeblich vom Geheimdienst Mossad begangenen Mord an einem Führer der Hamas in Dubai wächst der Druck auf Israel: Weil die mutmaßlichen Täter mit gefälschten ausländischen Pässen in das Emirat einreisten, bestellten die Regierungen in London und Dublin den israelischen Botschafter ein. Auch die Bundesregierung wurde aktiv: Auf Veranlassung von Außenminister Guido Westerwelle führte sein Nahost-Beauftragter Andreas Michaelis ein Gespräch mit dem israelischen Botschaftsgesandten in Berlin. Der Mossad ist der gefürchtetste Dienst der Welt - doch sein Ruf hat in den letzten Jahren gelitten.

Zwei mutmaßliche Angehörige des Killer-Kommandos wurden in Dubai von einer Hotel-Kamera gefilmt, als sie das Opfer Mahmud al-Mabhuh (im Vordergrund) ausspähten.

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Es gibt auf der Welt Hunderte Geheimdienste, aber keiner wird so bewundert und gefürchtet wie der israelische Auslandsnachrichtendienst Mossad. Dieser soll für das Attentat auf den Hamas-Führer Mahmud al-Mabhuh am 20. Januar in einem Hotel in Dubai verantwortlich sein. Mossad heißt in Langschrift "Institut für Nachrichten und Spezialoperationen" - und schon der Name ist eine arge Untertreibung.

Normalerweise handelt es sich bei Instituten um Forschungs- und Bildungsanstalten, aber welche andere Einrichtungen dieser Art handelt schon nach der Losung "Auge um Auge, Zahn um Zahn"? Dieses biblische Motto aber ist untrennbar mit der fast 60 Jahre alten Geschichte des Mossad verbunden. Dessen Agenten geben sich gern so, als wären sie das "Auge Davids" im Kampf gegen einen angeblich übermächtigen Feind.

"Operation Gotteszorn"

Der vergleichsweise kleine Dienst, der angeblich nur 1200 feste Mitarbeiter hat, setzte immer schon auf Einzelkämpfer und kleine Gruppen und wurde so zum Mythos. Mossad-Agenten entführten den Nazi-Organisator Adolf Eichmann in Südamerika und brachten ihn nach Israel, wo ihm der Prozess gemacht wurde. Auch wurden Staatsfeinde gezielt umgebracht.

Nach der Ermordung von elf israelischen Sportlern während der Olympischen Sommerspiele in München 1972 tötete der israelische Geheimdienst etwa zwanzig Mitglieder der Terrorgruppe Schwarzer September und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Die "Operation Gotteszorn" dauerte mehr als zwei Jahrzehnte; ihr fielen auch ein paar Unschuldige zum Opfer - etwa ein Marokkaner, der mit dem Terror nichts zu tun hatte, oder vier Passanten in Beirut. Die Kommandos des Mossad erwischten indes weder Abu Daud, der die Idee zum München-Attentat gehabt haben soll, noch Dschamal al-Gaschei, einen der Mörder von München. Der Regisseur Steven Spielberg hat mit dem Kinofilm "München" vor einigen Jahren diese Jagd beschrieben.

Vermutlich waren Mossad-Agenten auch für die Ermordung des Mitbegründers der Fatah, Abu Dschihad, und für die Ermordung von Ingenieuren verantwortlich, die Waffen für Saddam Hussein entworfen hatten. Während die viel größere amerikanische CIA sich dieser Tage beispielsweise schwer tut, Mitarbeiter zu finden, die man für Palästinenser, Paschtunen oder Pakistaner halten kann, fiel es dem israelischen Auslandsgeheimdienst - früher zumindest - viel leichter, unter Neueinwanderern Mitarbeiter aus aller Welt zu rekrutieren.

Mossad-Agenten spionierten Nuklearanlagen im Irak und in Syrien aus, die 1981 und 2007 von Israels Luftwaffe zerstört wurden. Haudegen des Dienstes befreiten in einer Blitzaktion mehr als hundert Passagiere aus der Hand palästinensischer Terroristen in Entebbe. Bei der Aktion starb Joni Netanjahu, der Bruder des heutigen israelischen Premiers Benjamin Netanjahu. Sein Name steht auf einem grauen Marmorstein in einem Garten in Tel Aviv, der ein Denkmal für die mehr als 400 Agenten ist, die bei Kommandounternehmen hinter feindlichen Linien ums Leben kamen.

Auf offener Straße vergiftet

Die Geschichte des Mossad ist also mit viel Blut und vielen Tränen verbunden. Doch der Mythos hat Kratzer bekommen. Denn die Geschichte des Dienstes ist auch eine Geschichte von Fehlschläge und Pannen. Vor knapp dreizehn Jahren hatten zwei Mossad-Agenten den damaligen Hamas-Führer Chaled Meshal auf offener Straße in Amman aufgehalten und ihm ein tödliches Gift in den Körper gespritzt. Sie wurden enttarnt, und Israel musste auf Druck des jordanischen Königs Hussein nicht nur ein Gegengift liefern, das Meshal das Leben rettete, sondern auch den Hamas-Gründer Scheich Yassin und weitere palästinensische Gefangene freilassen.

Der damalige Mossad-Chef Danny Jatom trat daraufhin zurück. Unter anderem in der Schweiz und in Neuseeland fielen in den vergangenen Jahren Mossad-Agenten durch stümperhafte Aktionen auf. Auch ist die Qualität der Informationen des Mossad nicht mehr so gut wie früher. Nach der Aktion von Dubai forderte nun die Zeitung Haaretz den Rücktritt des derzeitigen Mossad-Chefs Meir Dagan. Die Attentäter hatten dilettantisch gefälschte Pässe vorgelegt und die Vorbereitung des Anschlags unter den Objektiven von zahlreichen Überwachungskameras ausgeführt. Das alles klingt erneut nicht sehr professionell.

Wer Tötungen zum Instrument der Bekämpfung von Terrorismus mache, habe eine "archaische Ideologie", sagt ein deutscher Sicherheitsexperte. "Rache ist keine Prävention", und Vergeltung schrecke Terroristen nicht ab. Ein solcher Anschlag sei kontraproduktiv. Und: "Wie würden wir reagieren, wenn ein iranisches Kommando einen Israeli in einem Berliner Hotel umbringen würde?"