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Israels Angriffe in Syrien:Rote Linie überschritten

Israel wird das kalkuliert haben, als es die Kampfjets losschickte zum Einsatz in Syrien. Man kann der Regierung in Jerusalem also nicht vorwerfen, blind eine neue Kriegsgefahr heraufbeschworen zu haben. Im Gegenteil: Israel hat für seine Verhältnisse lange Zurückhaltung geübt angesichts des bedrohlichen Chaos, das sich im Nachbarland entwickelt und schwerwiegende Folgen für die eigene Sicherheit haben kann - zumal dann, wenn die syrischen Chemiewaffen in die falschen Hände geraten.

Doch nun war offenbar eine rote Linie überschritten mit der mutmaßlich geplanten Lieferung modernster Luftabwehr-Waffen an die Hisbollah. Es war eine Gelegenheit zu demonstrieren, dass Israel sehr genau beobachtet, was jenseits der Grenze passiert - und gegebenenfalls vor einem Eingreifen nicht zurückschreckt.

Gebannt ist mit der syrischen Abwehrschwäche die Gefahr einer regionalen Ausweitung allerdings noch nicht. Denn auch die Hisbollah in Libanon, die zuletzt 2006 mit Israel einen Krieg geführt hat, könnte mit Vergeltung für den Angriff neue Gewalt heraufbeschwören. Die Stationierung von zwei Raketenabwehr-Batterien in Israels Norden unmittelbar vor der Syrien-Aktion belegt entsprechende Sorgen der israelischen Führung. Doch die erste Antwort der Hisbollah, die eine internationale Verurteilung Israels fordert, zeigt wenig Kampfbereitschaft. Ohne Rückendeckung aus Syrien scheint sich die Schiiten-Miliz derzeit keinen Krieg mit Israel zuzutrauen.

Viel Rauch um nichts also? Leider nicht. Denn manches spricht dafür, dass dieser israelische Angriff nicht der letzte gewesen sein wird. Je näher das Ende des Schutzpatrons Assad rückt, desto mehr wird die Hisbollah bestrebt sein, ihre Waffenlager noch einmal mit allem zu füllen, was in Syrien zu holen ist - von einfachen Raketen bis schlimmstenfalls hin zu Massenvernichtungswaffen. Israel wird das genau beobachten und gewiss nicht zulassen, dass sich die ärgsten Feinde weiter aufrüsten. Dieser Kampf hat gerade erst begonnen.