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Westjordanland:Gantz liegt vorn, trotzdem könnte Netanjahu gewinnen

Denn in den meisten Umfragen liegt Gantz mit seinem blau-weißen Bündnis vorne. Allerdings wird einhellig prognostiziert, dass das rechte Lager mehr als die Hälfte der aus 120 Sitzen bestehenden Knesset besetzen kann und damit die besseren Chancen hat, eine Koalition zu bildet. Den Auftrag zur Regierungsbildung vergibt Präsident Reuven Rivlin. Bisher war es Tradition, zuerst jenen Politiker mit dem Auftrag zu betrauen, dessen Partei die meisten Stimmen hat. "Netanjahu ist paranoid, dass der Präsident ihn nicht als Ersten fragen wird, eine Koalition zu bilden.

Deshalb will er unbedingt mit seinem Likud vorne liegen", erklärt der Politikwissenschaftler Rynhold. Netanjahu ziele vor allem auf Wähler des früheren Verteidigungsministers Avigdor Lieberman, der mit seinem Rückzug aus der Koalition den vorgezogenen Wahltermin ausgelöst hat. Dessen nationalistische Partei "Unser Haus Israel" kämpft darum, die Hürde von 3,25 Prozent für den Wiedereinzug in die Knesset zu überspringen. "Wenn diese Partei es über die Schwelle schafft, dann bekommt sie vier Sitze mindestens. Wenn das nicht gelingt, dann landen diese Wählerstimmen im Mülleimer. Netanjahu will Wähler überzeugen, sicherheitshalber für ihn zu stimmen."

Auch der bisherige Bildungsminister Naftali Bennett, der mit der Partei Neue Rechte antritt, fordert die Annexion von Teilen des Westjordanlandes. Die Partei Identität von Mosche Feiglin will eine Einstaatenlösung und die Palästinenser zur Auswanderung drängen. Feiglins Partei, die sich alle Koalitionsoptionen offen hält, könnte bei der Regierungsbildung den Ausschlag geben. Auch die Partei von Finanzminister Mosche Kachlon kämpft um den Wiedereinzug ins Parlament.

Mit 47 Parteien treten so viele wie noch nie zur Wahl an. Laut den Umfragen könnten bis zu 14 den Sprung in die Knesset schaffen. Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Rynhold werden es "mindestens elf" sein. Ihre Anzahl wird über Koalitionsoptionen entscheiden. Rynhold prognostiziert, dass Netanjahu zum fünften Mal eine Regierung anführen wird. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Netanjahu am Ende gewinnt, ist groß, weil der Trend in seine Richtung zeigt. Es wird aber schwierig für ihn werden, länger als ein Jahr zu bleiben", erklärt Rynhold mit Blick auf drohende Anklagen in drei Korruptionsfällen. "Außer er ändert die Gesetzeslage, was nicht unmöglich ist." Eine der möglichen rechten Koalitionspartner hat bereits Unterstützung für den Plan angekündigt, Netanjahu Immunität zu verschaffen.

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