Israel weist deutsche Aktivisten aus Was die israelische Botschaft zu der Aktion sagt

sueddeutsche.de: Warum haben Sie nicht zugestimmt?

Forberg: Ich hatte nicht den Eindruck, dass ich angesichts dieser Bedingung noch an den Veranstaltungen von "Willkommen in Palästina" hätte teilnehmen können. Und wenn mehr von uns auf die Bedingungen eingegangen wären, hätte leicht der Eindruck entstehen können, dass wir unser eigenes Vorhaben nicht ernst nehmen. Als ich erwähnte, das ich es für legitim hielte an gewaltfreien Demonstrationen teilzunehmen, war die Angelegenheit für die Gesprächspartner ohnehin erledigt. Sie haben allerdings noch zweimal nachgefragt. Am nächsten Tag ging es aus dem Gefängnis hinaus, in den Bus, und zurück zum Flughafen, wo wir in einem abgetrennten Kontrollbereich untersucht wurden.

sueddeutsche.de: Hatten die Israelis aus dem Sicherheitsbereich, die Ihnen begegnet sind, Verständnis für Ihr Anliegen?

Forberg: Nun ja, dem einen oder anderen wird klar geworden sein, dass wir einfach Präsenz zeigen und auf die Situation der Palästinenser hinweisen wollten. Dass wir Friedensaktivisten sind, nicht in das von der israelischen Regierung produzierte Feindbild passen und dass bei den Sicherheitsbehörden in Israel eine abstruse Hysterie ausgebrochen war.

sueddeutsche.de: Ist es nicht Israels gutes Recht, 500 bis 600 Menschen davon abzuhalten, sich am Flughafen in Tel Aviv zu versammeln, um gegen die israelische Politik zu demonstrieren?

Forberg: Es ging ja nicht darum, am Flughafen zu demonstrieren. Natürlich hat Israel, wie jeder andere Staat, das Recht, zu bestimmen, wer einreist und wer nicht. Aber der einzige Weg nach Palästina führt eben über Israel. Und wenn dieser Transitkanal dichtgemacht wird, dann ist das ein Problem, auf das man hinweisen muss. Letztlich ist es das Problem der Besatzung und des Rechts auf Einreise für Palästinenser und für diejenigen, die sie besuchen wollen.

sueddeutsche.de: Würden Sie eine solche Solidaritätsreise noch einmal machen?

Forberg: Ich bin nicht frustriert, falls Sie darauf hinauswollen. Ganz im Gegenteil. Wir haben eine Menge Aufmerksamkeit erreicht, weltweit - und es kommen sehr positive Reaktionen aus Palästina und auch von Friedensgruppen in Israel. Das war es unbedingt wert.

Yinam Cohen, Pressesprecher der israelischen Botschaft in Berlin, sagte auf Anfrage von sueddeutsche.de, sein Land sei grundsätzlich offen für jeden Besucher. Jeden Tag würden Hunderttausende Menschen die Palästinensergebiete besuchen. Wie jeder andere souveräne Staat behalte sich Israel jedoch das Recht vor, Provokateuren die Einreise zu verweigern. In diesem Fall hätten israelische Sicherheitsbehörden "einige hundert" Provokateure aus mehreren Ländern identifiziert und daran gehindert, das Land zu betreten.

Linktipp: Die in Tel Aviv erscheinende Zeitung Haaretz plädiert in einem Kommentar für mehr Demonstrationsfreude in Israel.