Israel weist deutsche Aktivisten aus "Der Ton war vorwiegend rau"

Forberg: Eine durchaus höfliche Dame hat meinen Pass einbehalten, gemeinsam mit anderen wurde ich in einen Warteraum begleitet, vor dem drei Polizisten Stellung bezogen. Es verging etwa eine Stunde, dann wurden wir aus dem Wartesaal in einen anderen Teil des Flughafens geführt. Mein Eindruck war, dass es nun eine weitere Befragung geben werde - tatsächlich aber wartete ein Gefangenentransporter auf uns.

sueddeutsche.de: Sind Sie verhört worden?

Forberg: Zunächst nicht. Erst mal ging es in den Transporter, genauer gesagt in eine Zelle im Inneren. Etwa 3,50 Meter lang, 65 Zentimeter breit, 1,85 Meter hoch. Umgeben von einem feinmaschigen Gitter. Es war stickig und heiß. Es waren noch fünf andere Männer darin untergebracht. Die Frauen waren in einer anderen Zelle, die offenbar etwas geräumiger war.

sueddeutsche.de: Hatten Sie Angst?

Forberg: Es überwog die Empörung über diese Behandlung. Es war in jedem Fall eine unangenehme Situation. Wir haben gemeinsam nach Anwälten gerufen, Kontakt zur deutschen Botschaft verlangt und die Möglichkeit zu telefonieren gefordert. Die Frauen haben versucht, die Stimmung durch lustige Lieder aufzulockern. Ein Polizist, der uns begleitete, drohte ihnen daraufhin, Tränengas in die Zelle zu sprühen, sollten sie nicht sofort aufhören. Der Ton war vorwiegend rau, in einer Situation hätten Polizisten beinahe massiv Gewalt ausgeübt. Die Forderung, zur Toilette gehen zu können, wurde über eine längere Zeit nicht erfüllt. Telefonate, Anwälte, Konsulat - das war gar nicht drin. Es wurden lediglich auf unser Verlangen hin recht bald Wasserflaschen in die Zellen geschoben.

sueddeutsche.de: Wie lange dauerte die Fahrt in dem Transporter?

Forberg: Wir sind zunächst gar nicht gefahren. Wir standen vier Stunden auf dem Flughafen. Irgendwann sagte ein Beamter, dass Israel uns die Einreise verweigere. Dann sollte es losgehen, aber der Wagen sprang nicht an. Schließlich ging es ins Gefängnis in Beer Scheva, südlich von Tel Aviv. Dort wurden wir für zwei Stunden in enge Zellen gebracht. 16 Leute auf acht bis zehn Quadratmetern, an der Wand ein Klo. Dort wurden wir erneut abgetastet und wurden fotografiert. Dann ging es in einen moderneren Trakt des Gebäudes.

sueddeutsche.de: Ihr Aufenthaltsort bis zur Abreise am Sonntag?

Forberg: Ja. Das Gebäude war heller und größer, auch der Ton der Beamten wurde deutlich freundlicher. Wir waren in Vierbettzimmern untergebracht, in der Mitte ein Tisch. Die Zellentüren waren von neun bis 21 Uhr geöffnet. Es gab Duschen und etwas zu Essen, wir wurden von Ärzten betreut. Außerdem wurde uns in einem Vortrag erklärt, wir sollten das Gebäude nicht als Gefängnis begreifen, sondern als "unser Haus für die nächsten Stunden oder Tage". Hier fand aber durchaus eine subtilere Kontrolle statt. Zur Mittagszeit besuchten uns zwei Vertreterinnen der deutschen Botschaft. Sie fragten uns, wie es uns ginge, welche Bedürfnisse wir hätten. Wir sprachen darüber, wie es weitergehen solle. Allerdings wurden Einzelgespräche vorgeschrieben, Gruppengespräche verhindert. Auch der Austausch mit unseren Kolleginnen, die wir anschließend wiedertrafen, wurde geschmeidig abgeblockt.

sueddeutsche.de: Haben Sie an Ihrem Plan festgehalten, die palästinensischen Gebiete zu besuchen?

Forberg: Ja, wobei zunächst noch unklar war, wie dies zu erreichen wäre. Am Nachmittag sprachen Beamte der israelischen Immigrationsbehörde mit uns und legten uns jeweils unterschiedliche Bedingungen vor, unter denen wir einreisen könnten - jeweils in verschiedene Gebiete. Einige hätten nur nach Israel reisen können, andere auch in die Westbank. Bei mir war die Bedingung, dass ich mich nicht in "Unruhebereichen" aufhalten dürfe. Ich habe dies abgelehnt. Zwei andere deutsche Teilnehmer haben zugestimmt, was ich vollkommen in Ordnung finde.