Benny Gantz Netanjahus schärfster Rivale

Benny Gantz will eine weitere Amtszeit von Premier Netanjahu verhindern.

(Foto: Getty Images)

Benny Gantz ist der Senkrechtstarter im Wahlkampf. Sein Motto: Israel über alles. Aber wo er politisch genau steht, lässt der ehemalige höchste Soldat des Landes bewusst offen.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Seinen lang erwarteten Auftritt hatte Benny Gantz am Dienstagabend im Stil amerikanischer Parteiveranstaltungen angelegt - Bad in der Menge, Konfettiregen und Singen der Hymne inklusive. Weder um links noch rechts, sondern um "Israel über allem" gehe es bei der Wahl am 9. April, erklärte Benny Gantz bei seiner ersten Rede als Politiker. Der ehemalige Generalstabschef gilt als der Senkrechtstarter in diesem Wahlkampf. Der 59-Jährige ist der schärfste Herausforderer des rechtsnationalen Premierministers Benjamin Netanjahu. Im Gegensatz zu Netanjahu habe er saubere Hände, verkündete Gantz mit Verweis auf die Netanjahu drohenden Anklagen wegen Korruption.

Auch nach seiner Präsentation lässt sich seine neu gegründete Partei "Widerstandskraft für Israel" im politischen Spektrum aber nicht genau verorten. Einerseits verkündet Gantz, sich für eine Friedenslösung mit den Palästinensern einzusetzen, andererseits verspricht er, die jüdischen Siedlungsblöcke im Westjordanland zu verstärken, die annektierten Golanhöhen nie zu verlassen, und: "Das vereinte Jerusalem wird für immer die Hauptstadt des Staates Israel sein."

Gantz spricht bewusst rechte und linke Wähler an

Mit seinen Hardliner-Positionen in der Sicherheitspolitik will der ehemalige Generalleutnant, der 38 Jahre lang Dienst in der israelischen Armee geleistet hat, Wähler im rechten Spektrum ansprechen. Er präsentierte als Mitstreiter Mosche Yaloon, den noch weiter rechts positionierten Ex-Verteidigungsminister. Mit seiner Forderung nach Friedensverhandlungen und seinem Versprechen, gegen Ungleichheit und steigende Lebenshaltungskosten vorgehen zu wollen, bedient Gantz eine eher linke Klientel.

Sein Vater und seine Schwester waren in der Arbeitspartei aktiv. Aufgewachsen ist er als Kind zusammen mit einer älteren und einer jüngeren Schwester in Kfar Ahim. Diesen Ort hatten seine Eltern Malka und Nahum zusammen mit anderen Holocaust-Überlebenden aus Ungarn und Rumänien im Süden des Landes auf den Ruinen des palästinensischen Dorfes Kastina 1949 gegründet. Seine Eltern waren nicht religiös - wie auch ihr Sohn.

Seine Mutter hatte das Konzentrationslager Bergen-Belsen überlebt. Sie erklärte ihrem Sohn während des Gaza-Kriegs 2014, sie gehe nicht in die Schutzbunker, denn sie habe in ihrem Leben schon Schlimmeres erlebt. Gleichzeitig ermahnte sie ihn, dass seine Truppen weiterkämpfen, aber auch Lebensmittel in den Gazastreifen schicken sollten.

In einem Video, das vergangene Woche veröffentlicht wurde, werden - aus israelischer Sicht - Gantz' militärische Erfolge im Gazastreifen gepriesen: die Ermordung des Hamasführers Ahmed Jabari und weiterer 1364 "Terroristen". Viel Zeit verbrachte Gantz, der bereits mit 28 Jahren ein Fallschirmjäger-Bataillon kommandierte, in Libanon. Sein Kalender ist voll mit Todestagen von Soldaten, er meldet sich dann bei Familienangehörigen.

Vielen gilt er als ideale Führungsfigur

Der große, asketisch wirkende Gantz verkörpert für viele Israelis das Ideal einer Führungsperson. Dass er entscheiden und in brenzligen Situationen besonnen reagieren kann, hat er während seiner Militärzeit häufiger unter Beweis gestellt. Angelastet wird ihm sein Verhalten als Kommandant der israelischen Einheiten im Westjordanland während der zweiten Intifada 2000 in Nablus. Ein von einem Scharfschützen getroffener drusischer Soldat, Madhat Yusuf, verblutete nach mehreren Stunden ohne Hilfe. Dessen Eltern wollten Gantz' Ernennung zum Oberbefehlshaber vor Gericht verhindern.

Generalstabschef ist der verheiratete Vater dreier Kinder vor allem deshalb geworden, weil sein Vorgänger und der damalige Verteidigungsminister Ehud Barak ihren jeweiligen Favoriten nicht durchbringen konnten. In dieser Funktion, die er vier Jahre lang bis 2015 innehatte und ohne größere Schnitzer übergeben konnte, erlangte er als Soldat jene öffentliche Bekanntheit, die ihm nun als Politiker nutzt.

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