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Israel und die EU:Gespanntes Verhältnis

Dem neuen Außenminister begegnen alte Probleme.

Von Peter Münch

Diplomatie lebt vom persönlichen Kontakt. Deshalb dürften sich alle Beteiligten gefreut haben, dass der inmitten der Corona-Krise ernannte neue israelische Außenminister Gabi Aschkenasi nun bei seiner ersten Auslandsreise gleich nach Berlin kam. Neben einem Treffen mit dem deutschen Kollegen Heiko Maas war noch ein Abendessen im Kreis der versammelten EU-Außenminister organisiert worden. Im Mittelpunkt steht die Suche nach Gemeinsamkeiten. Leicht ist das bei aller Wiedersehens- und Kennenlernfreude nicht.

Denn das Verhältnis zwischen Israel und der Europäischen Union ist seit Langem angespannt. Die Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu hält es ohnehin lieber mit den USA von Präsident Donald Trump. Die EU gilt im nahöstlichen Gelände als schwache Kraft - und wird von Netanjahu gezielt noch weiter geschwächt. Er setzt auf Spaltung, um der Kritik an seiner Politik die Spitze zu nehmen. Helfer dafür hat er bereits von Wien über Budapest bis nach Prag gefunden.

Deutschland kommt in diesem Spannungsfeld die Rolle des Vermittlers zu. Mit Aschkenasi vom noch jungen Bündnis Blau-Weiß ist nun ein Vertreter des moderaten Flügels der Regierung nach Berlin gekommen. Mit ihm mag man gewiss gut reden können. Doch in Jerusalem hat er wenig zu sagen.

© SZ vom 28.08.2020

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