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Geiselnahme von Entebbe:Wie der Tod seines Bruders die politische Karriere Netanjahus beeinflusste

Ist er als Premier gekommen - oder als Bruder? Israels Premierminister Benjamin Netanjahu spricht bei der Gedenkfeier 40 Jahre nach der Geiselnahme am Flughafen von Entebbe.

(Foto: AP)
  • Israels Premierminister Benjamin Netanjahu ist zum 40. Jahrestag der Befreiung von mehr als 100 Geiseln nach Uganda gereist.
  • In Entebbe hatte am 4. Juli 1976 eine israelische Spezialeinheit die Menschen aus der Gewalt einer palästinensisch-deutschen Terrorgruppe befreit.
  • Netanjahus Bruder kam bei der Aktion ums Leben. Mit seinem Andenken begann Netanjahus politische Karriere.

Von Peter Münch, Tel Aviv

In Entebbe ist sein Flugzeug gelandet, und natürlich ist das ein historisches Ereignis: Benjamin Netanjahu ist der erste israelische Regierungschef seit Jitzchak Schamir anno 1987 auf Besuch südlich der Sahara. Vier afrikanische Länder in fünf Tagen will er bereisen. Doch der Auftakt in Uganda ist historisch vor allem aus einem anderen Grund: Genau vor 40 Jahren, am 4. Juli 1976, befreiten israelische Spezialkräfte auf dem Flughafen von Entebbe mehr als 100 Geiseln aus der Hand eines palästinensisch-deutschen Terrorkommandos.

Angeführt wurden die Soldaten damals von Netanjahus Bruder Jonathan, der bei dieser Aktion ums Leben kam. Nun kehrt Benjamin Netanjahu an den Ort zurück, an dem sein Bruder starb - und an dem seine eigene politische Karriere ihren Anfang nahm.

Beim Tod des dreieinhalb Jahre älteren Bruders lebte Benjamin Netanjahu in Amerika. Mit 26 Jahren hatte er ein Studium in Architektur und Wirtschaft hinter sich und bei Boston Consulting angeheuert. Vieles deutete auf eine Karriere als Geschäftsmann in den USA hin. Entebbe aber änderte alles.

"Der Tod meines Bruders hat mein Leben in die jetzige Richtung gebracht", sagte Netanjahu vor einigen Jahren in einem Interview. Zunächst gründete er zur Erinnerung an den Bruder 1978 das "Jonathan-Institut", das sich dem Anti-Terror-Kampf widmete und Netanjahu die erste öffentliche Aufmerksamkeit sicherte. Bald danach fing er im diplomatischen Dienst Israels an, wo er schnell zum UN-Botschafter in New York aufstieg. 20 Jahre nach Entebbe schließlich wurde Netanjahu 1996 zum israelischen Premier gewählt.

Israel vergisst seine Helden nicht

Die Popularität des toten Bruders hat dabei stets den Aufstieg begleitet. Israel vergisst seine Helden nicht und auch nicht die trauernden Angehörigen. Die Befreiungsaktion von Entebbe wurde sogar offiziell umgetauft in "Operation Jonathan", Filme und Bücher erschienen dazu.

Entebbe hatte schließlich alles, was zum Mythos taugt: Es war eine heldenhafte Befreiungsaktion, die in Israel eine neue Zeit des Stolzes einläute - nach dem fast verlorenen Jom-Kippur-Krieg von 1973 und dem Trauma von 1972, als das Land hilflos zusehen musste, wie bei den Olympischen Spielen in München israelische Sportler als Geiseln genommen und getötet wurden.

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