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David Elhajani:Der Siedler-Chef macht Netanjahu Ärger

Jan 8 2014 West Bank DAVID ELCHIANI Jordan Valley Regional Council Director briefs journalis

David Elhajani vertritt die israelischen Siedler.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Einst galt David Elhajani als größter Verbündeter des Ministerpräsidenten. Dann hat er gewagt, was Netanjahu für Majestätsbeleidigung hält: Er hat US-Präsident Trump öffentlich kritisiert.

Die Kür von David Elhajani verkündete die Times of Israel mit der Schlagzeile: "Netanjahu-Verbündeter als Chef der Siedler-Dachorganisation gewählt". Das war vergangenen November. Jetzt gilt der Chef des einflussreichen Jescha-Rats als größter Widersacher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, ihr Streit hat sogar eine Debatte über die Meinungsfreiheit in Israel ausgelöst. Präsident Reuven Rivlin schaltete sich ein und ergriff Partei für Elhajani.

Der 60-jährige Mann mit dem markanten Glatzkopf und der stets griffbereiten Sonnenbrille hat gewagt, was Netanjahu für eine Majestätsbeleidigung hält: Er hat US-Präsident Donald Trump öffentlich kritisiert. Dessen "Deal des Jahrhunderts" für den Nahen Osten zeige, dass Trump "kein Freund Israels ist", sagte Elhajani und legte wenige Tage später nach: Trump präsentiere "einen Plan, der die Existenz Israels gefährdet".

Das Zerwürfnis zwischen Israels Regierungschef und dem wichtigsten Siedlervertreter, der zudem Mitglied in Netanjahus rechtsnationaler Likud-Partei ist, begann Ende Januar in Washington. Netanjahu hatte Elhajani und vier weitere Bürgermeister von Gemeinden im Westjordanland eingeladen, mit ihm im Weißen Haus die Präsentation des Nahostplans durch Trump zu verfolgen. "Wir waren gekommen, um Bibi zu unterstützen", sagt Elhajani, er nennt Netanjahu bei seinem Spitznamen. "Und dann das!"

Unmittelbar vor dem Termin im Weißen Haus habe ihnen Netanjahu angekündigt: "Wir bekommen Souveränität." Die Siedlungen im Westjordanland sollten Teil von Israels Staatsgebiet werden. Netanjahu habe versichert: Es werde für die Palästinenser keinen eigenen Staat geben, sondern einen geringeren Status, denn eine Armee dürften sie nicht haben. "Da habe ich zum ersten Mal kapiert, was los ist, und Bibi gesagt: Ein Staat ist ein Staat." Verraten habe er sich gefühlt.

In seiner Rede nach der Präsentation des Plans habe Netanjahu den palästinensischen Staat nicht erwähnt, sondern nur von der Ausdehnung des israelischen Staatsgebiets auf rund 30 Prozent des Westjordanlands gesprochen. "Aber Trump hat x-mal von Frieden und immer wieder von einem palästinensischen Staat gesprochen." In seinem Büro mit Blick auf das Jordantal redet sich Elhajani in Rage. Die Ausdehnung von Israels Staatsgebiet sei immer sein Ziel gewesen. "Aber wenn der Preis dafür ist, dass auf 70 Prozent des Westjordanlandes ein palästinensischer Staat entstehen kann, dann sagen wir: Nein, danke!" Und mit Furor fügt er hinzu: "Ich glaube, Trump hat keine Ahnung von den Details." Am meisten ärgert ihn, dass 15 israelische Siedlungen als Enklaven in einem palästinensischen Staat bleiben sollten - einem "Terrorstaat", wie er ihn nennt. Denn Terror werde von diesem Staat ausgehen, davon ist er überzeugt.

In Tiberias am See Genezareth wurde der stets hemdsärmelig auftretende David Elhajani geboren. 1983 kam er ins Jordantal und gründete in der Siedlung Argaman eine Familie. Zwei seiner drei Kinder und die meisten der fünf Enkel leben noch dort, ein Sohn wohnt in der Siedlung Maale Adumim nahe Jerusalem.

Seinen Lebensunterhalt verdiente Elhajani in dem fruchtbaren Jordantal mit dem Anbau von Kräutern, ehe er die Vertretung der Siedler zu seinem Beruf machte. Bei den Verhandlungen, die Anfang der Neunzigerjahre zum Oslo-Friedensabkommen führten, war er als Repräsentant der Bürgermeister dabei. 2009, einen Monat vor Netanjahus Wahl zum Premier, wurde Elhajani zum Chef der Regionalverwaltung des Jordantals bestellt. Dort leben laut seinen Angaben 50 000 Palästinenser und 9000 Israelis. An die Umsetzung des Trump-Plans, der als großformatige Landkarte auf seinem Schreibtisch liegt, glaubt er nicht. "Das ist unser Land. Das wird nie geschehen." Warum? "Weil wir dagegen sind. Und wir haben Einfluss."

© SZ vom 01.07.2020/jsa
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