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Israel:Schlappe für Netanjahu

Israels Premier Benjamin Netanjahu hat zuletzt einige Dämpfer hinnehmen müssen - nun fiel er auch mit seinem Kandidaten für den Chefposten der Jewish Agency durch.

Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv

Außenpolitisch läuft es dank des US-Präsidenten Donald Trump ganz gut für Israels Premierminister Benjamin Netanjahu. Aber zu Hause musste Netanjahu in den vergangenen Tagen mehrere Dämpfer hinnehmen: die fortgesetzten Korruptionsermittlungen gegen ihn, dann die Anklage gegen seine Frau Sara wegen Betrugs und Veruntreuung staatlicher Gelder und jetzt noch die Brüskierung durch die Jewish Agency. Die halbstaatliche Organisation lehnte nicht nur Netanjahus Kandidaten für die Nachfolge des bisherigen Leiters Natan Sharansky ab. Statt Netanjahus Wunschkandidaten, Energieminister Yuval Steinitz, wurde am Sonntag der bisherige Oppositionsführer Jitzhak Herzog gewählt - und zwar einstimmig. Dass ein Premier seinen Kandidaten für die Jewish Agency nicht durchsetzen konnte, war letztmalig 1992 Jitzchak Rabin passiert.

Die Jewish Agency ist die offizielle Einwanderungsorganisation und die wichtigste Plattform, um Verbindungen zwischen Israel und den in der Diaspora lebenden Juden herzustellen. Für 12 000 Jugendliche werden jährlich Reisen nach Israel organisiert, 20 000 Juden ist sie jedes Jahr bei der Einwanderung behilflich. Die Agency ist auch ein starkes Bindeglied zu den in den USA lebenden Juden.

Das Votum zeigt, wie unzufrieden säkulare Juden mit Netanjahu sind, der Forderungen von Ultraorthodoxen in der Regierung wie die Wehrdienstbefreiung oder ein Schabbat-Arbeitsverbot immer wieder nachgibt. Er hat auch seine Entscheidung von 2016, an der Klagemauer eine nicht nach Geschlechtern getrennte Gebetszone einzurichten, bisher nicht umgesetzt.

Wer dem 57-jährigen Herzog als Oppositionsführer in der Knesset nachfolgt, ist noch offen. Herzog hatte 2015 als Spitzenkandidat des Mitte-links-Oppositionsbündnisses Zionistische Union gegen Netanjahu verloren. Den Vorsitz in der Arbeitspartei Awoda, den er zwischen 2013 und 2017 innehatte, gab er an Abi Gabbay ab, der aber kein Parlamentsmandat hat. Sein neues Amt soll Herzog, dessen Vater Chaim zwischen 1983 und 1993 Israels Präsident war, am 1. August antreten.

© SZ vom 25.06.2018

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