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Israel:Lernen über der Wüste

Deutsche und israelische Luftwaffen-Soldaten üben 70 Jahre nach der Shoah bei einem gemeinsamen Manöver. Der Nahost-Konflikt und seine jüngste Eskalation im Gazastreifen ist dabei allgegenwärtig.

Ganz selbstverständlich standen sie nebeneinander auf dem israelischen Militärflughafen Uvda in der Wüste Negev, ehe sie abhoben: Eurofighter mit dem Eisernen Kreuz der deutschen Bundeswehr und F-35-Jets der israelischen Luftwaffe mit dem Davidstern. Etwa 130 Soldaten aus dem Taktischen Luftwaffengeschwader 71 Richthofen in Wittmund nahmen mit sechs Eurofightern in den vergangenen zwei Wochen an der "Blue Flag" getauften Übung teil. Neben Deutschland beteiligten sich auch Soldaten und Kampfjets aus den USA, Italien und Griechenland - bis auf Israel sind alle Nato-Staaten.

Geübt wurde das Zusammenspiel verschiedener Flugzeug-Typen. Der Feind war in der Simulation als das russische Luftabwehrsystem S-400 zu erkennen. Dieses System hat der Nato-Partner Türkei von Russland gekauft, zum Ärger der USA. Bei den "Blue-Flag"-Übungen könne man viel voneinander lernen, meint Leutnant G. von der israelischen Luftwaffe, der nur mit abgekürztem Vornamen genannt werden darf. "Jede Luftwaffe hat ihre Spezialitäten und eigene Taktiken, die sie über Jahre entwickelt hat. Da fließen auch Erfahrungen ein. Es ist eine gute Möglichkeit, diese Erfahrungen auszutauschen." Was die israelische Luftwaffe von der deutschen lernen könne? "Zusammen mit zwei deutschen Kollegen hatte ich die beste Trefferquote bei einer Übung und wir haben den Abend zusammen verbracht. Wir können eine gute Kooperation aufbauen."

Auf die Frage, was die deutsche Bundeswehr von den israelischen Streitkräften lerne könne, antwortet Oberstleutnant Gordon Schnittger: "Die sind vielleicht etwas flexibler, was administrative Dinge anbelangt. Was Verfahren in der Luft betrifft, sind sie hochprofessionell." Übungsziele werden festgelegt, nach dem Manöver gibt es eine Auswertung mit Blick auf Verbesserungspotenzial. Außerdem finde die deutsche Luftwaffe in Israel ganz andere Bedingungen vor: "Hier ist ein Großteil Wüste. Wir können da Manöver üben, die man in Deutschland nicht üben kann, weil Deutschland dicht besiedelt ist. Das ist ein Riesenunterschied." Israel könne Luftverteidigungssysteme zu Übungszwecken anbieten, die in Deutschland nicht verfügbar seien. In der Negev-Wüste kann die Bundeswehr Tiefflugmanöver üben. "Und das in Kombination mit Gebirgszügen."

Für den israelischen Offizier spielt die Vergangenheit keine große Rolle mehr

Dass mehr als 70 Jahre nach der Shoah deutsche und israelische Soldaten in Israel militärisch zusammenarbeiten, sei etwas Besonderes, sagt Oberstleutnant Schnittger: "Der eine oder andere sagt auch, das ist eine tolle Sache, dass gerade unsere beiden Nationen hier üben können. Seite an Seite." Für den israelischen Leutnant spielt die Vergangenheit jedoch keine große Rolle mehr: "Was in der Vergangenheit war, gehört zur Vergangenheit. Man soll mehr in die Zukunft und nicht zurückschauen."

Für die Bundeswehr-Soldaten, die wegen zu geringer Kapazitäten im Militärquartier in Uvda im 60 Kilometer entfernten Badeort Eilat übernachten mussten, war überraschend, dass sie von der Bevölkerung positiv aufgenommen wurden. "Viele Israelis wissen, dass wir hier sind und sind dankbar. Es ist gut, wenn man auch die Möglichkeit hat, mit der Zivilbevölkerung in Kontakt zu kommen", sagt Schnittger.

In die letzten Tage der Übung fiel die gezielte Tötung eines Anführers des Islamischen Dschihad durch die israelische Luftwaffe im Gazastreifen, daraufhin feuerte die militante Organisation 450 Raketen auf Israel. "Von den Ereignissen in Gaza wurden wir deutsche Soldaten so wie alle Teilnehmer an der Übung überrascht", sagt Schnittger. Der Übungsraum sei daraufhin verkleinert worden. "Wir flogen nicht mehr in den Norden Israels. Aber die Übung wurde weitergeführt. Die Ereignisse waren natürlich Teil vieler Gespräche." Thema war auch in Israel, dass bei einem Angriff auf einen mutmaßlichen Dschihad-Führer acht Menschen starben, darunter fünf Kinder. Die israelische Armee sprach von einem Fehler und begann eine Untersuchung.