Krieg in Nahost:US-Regierung ruft zum friedlichen Protest an Unis auf

Bei propalästinensischen Protesten an Dutzenden US-Hochschulen gibt es inzwischen Hunderte Festnahmen. Die Regierung in Washington versucht zu beschwichtigen. Die Hilfsorganisation World Central Kitchen nimmt ihre Arbeit im Gazastreifen wieder auf.

Alle Entwicklungen im Liveblog

Dieser Liveblog ist archiviert und wird nicht mehr aktualisiert. Die aktuelle Berichterstattung finden Sie auf unserer Themenseite zum Nahost-Krieg.

Wichtige Updates

Israel und Iran warnen sich gegenseitig, Gefahr eines Flächenbrands wächst

Israel greift Hafenstadt in Jemen an - Huthi-Miliz droht mit Vergeltung

Palästinenser berichten von mindestens 30 Toten bei israelischen Angriffen

Hisbollah schießt vermehrt auf Israel

EU zahlt wieder Geld an Autonomiebehörde

Katja Guttmann
Katja Guttmann

Huthi-Anführer ist glücklich über "direkten Kampf mit dem israelischen Feind“ 

Der tödliche Angriff der Miliz auf Tel Aviv sei eine „neue Stufe der Eskalation“ gewesen, sagte Anführer Abdel-Malik al-Huthi in einer im jemenitischen Fernsehsender Al-Masirah übertragenen Rede. „Wir sind sehr glücklich über unseren direkten Kampf mit dem israelischen Feind.“ Die Miliz verbessere ihre Fähigkeiten laufend und sei in dem Kampf nun „stärker als zuvor“, behauptete er. Israels Angriff auf den Hafen von al-Hudaida in Jemen werde nur zu noch mehr Aktionen gegen Israel führen.

Die Huthi werden vom Iran unterstützt. Teheran spricht zwar nur von politischer Unterstützung der schiitischen Miliz und bestreitet, diese mit Waffen zu versorgen. Das US-Militär fing mit Partnern in den vergangenen zehn Jahren aber mindestens 20 iranische Schiffe ab, die Raketen, Raketenteile, Marschflugkörper, Drohnen, Tausende Sturmgewehre und anderes Kriegsgerät an die Huthi liefern sollten.

Die Miliz hat ihr Waffenarsenal in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut und stellt dies regelmäßig bei Militärparaden zur Schau. Die Raketen sollen eine Reichweite von bis zu 2 000 Kilometern haben, womit diese vom Jemen aus auch Israel samt der Küstenmetropole Tel Aviv treffen könnten.
Ein Bild des Milizenführers Abdul-Malik al-Huthi in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa.
Ein Bild des Milizenführers Abdul-Malik al-Huthi in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. AFP
Barbara Vorsamer
Barbara Vorsamer

Netanjahu trifft Biden am Dienstag

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu trifft nach Angaben seines Büros am Dienstagmittag (Ortszeit) den US-Präsidenten Joe Biden. Netanjahus Abreise in die USA ist demnach am Tag zuvor geplant. Lange war unklar, ob das Treffen wirklich stattfindet, unter anderem wegen Bidens Corona-Erkrankung. Zuletzt waren Biden und Netanjahu im vergangenen Herbst in Tel Aviv persönlich zusammengekommen, kurz nach den Massakern der islamistischen Terrororganisation Hamas am 7. Oktober.

Bei dem Gespräch soll es nach Medienberichten vor allem um die Bemühungen um eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und eine Freilassung der Geiseln im Gegenzug für die Freilassung palästinensischer Häftlinge gehen. In Israel war Kritik an der Auslandsreise Netanjahus laut geworden. Demonstranten hatten gefordert, er dürfte das Land erst nach einer Vereinbarung zur Freilassung der Geiseln verlassen. Am Mittwoch will Israels Regierungschef vor den beiden Kammern des US-Kongresses eine Rede zu Israels militärischem Vorgehen im Gazastreifen halten.

Die Beziehungen zwischen Biden und Netanjahu gelten als angespannt. Mit einem Video, in dem er die US-Regierung wegen einer zurückgehaltenen Waffenlieferung mit harschen Worten angegriffen hatte, sorgte der israelische Ministerpräsident zuletzt für eine erneute Krise.
Katja Guttmann
Katja Guttmann

Festnahmen bei propalästinensischer Demo in Berlin

Laut Polizei zeigten einige der bis zu 350 Demo-Teilnehmer am Samstag in Berlin mehrfach ein rotes Dreieck, das als Symbol der Terrororganisation Hamas gilt. Zudem seien Polizisten bei der Demo beleidigt und angegriffen worden, auch mittels Flaschenwürfen. Insgesamt fertigte die Polizei zwölf Strafanzeigen, unter anderem wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, besonders schweren Landfriedensbruchs, Beleidigung und Volksverhetzung. Zudem erfassten die Beamten fünf Ordnungswidrigkeiten. 19 Personen wurden vorläufig festgenommen, fünf Einsatzkräfte erlitten Verletzungen.

Die Demonstration war vom Neptunbrunnen in Berlin-Mitte bis zum Potsdamer Platz gezogen. An einer Gegenkundgebung aus Solidarität zu Israel am Bebelplatz nahmen laut Polizei etwa 40 Menschen teil. Anschließend attackierten Teilnehmer der propalästinensischen Demo Teilnehmer dieser Veranstaltung. Die Polizei setzte zwei Personen wegen Verdachts auf Körperverletzung und Beleidigung fest. 
Birgit Kruse
Birgit Kruse

Angriff in Jemen: Sender berichtet von mindestens sechs Toten

Bei dem israelischen Luftangriff in Jemen am Samstag sind in der Hafenstadt al-Hudaida mindestens sechs Menschen getötet und mehr als 80 weitere verletzt worden. Das teilte die von der Huthi-Miliz kontrollierte Gesundheitsbehörde dem Fernsehsender Al-Masirah mit. Drei Menschen würden zudem vermisst. Der Sender zeigte auch Bilder von Verletzten nach dem Angriff, bei dem große Teile des strategisch wichtigen Hafens am Roten Meer in Flammen aufgingen.

Israel reagierte mit dem Angriff, an dem mehrere Kampfjets beteiligt waren, auf eine aus Jemen kommende Kampfdrohne, die im Zentrum von Tel Aviv eingeschlagen ist. Dabei waren am Freitag ein Mann getötet und acht weitere Menschen verletzt worden.

Welche Botschaft Israel damit auch an Iran senden will, lesen Sie hier:
Newsdesk
Newsdesk

Israel und Iran warnen sich gegenseitig, Gefahr eines Flächenbrands wächst

Nach dem israelischen Luftangriff in Jemen in Reaktion auf eine tödliche Drohnenattacke der proiranischen Huthi-Miliz in Tel Aviv wächst die Sorge vor einer Ausweitung des Krieges. Iran und Israel sprachen gegenseitig Warnungen aus. Israels „gefährliches Abenteurertum“ könne einen regionalen Krieg auslösen, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Nasser Kanaani, laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach vom Abwehrkampf gegen Irans „Terrorachse“.  Der Gegenschlag in Jemen sei die Antwort „auf Hunderte Attacken der letzten Monate auf Israel“ gewesen, erklärte die israelische Armee. Über den Hafen von al-Hudaida seien Waffen aus Iran in das Land gelangt, sagte Netanjahu. Wie die Hamas im Gazastreifen und die Hisbollah-Miliz in Libanon sei die Huthi-Miliz in Jemen ein integraler Bestandteil der iranischen „Achse des Bösen“. 

„Jetzt ist es an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft die Sanktionen gegen Iran maximiert“, forderte der israelische Außenminister Israel Katz auf der Plattform X. Iran unterstütze, trainiere und finanziere die Huthi als „Teil seines regionalen Netzwerks von Terrororganisationen, die Israel angreifen wollen“. Israel und seine Unterstützer wie die USA würden für „unvorhersehbare und gefährliche Folgen“ des Gaza-Kriegs und Angriffe auf Jemen „direkt verantwortlich sein“, warnte der Sprecher des iranischen Außenministeriums.

Am frühen Morgen fing Israels Raketenabwehr nach Militärangaben eine Boden-Boden-Rakete ab, die sich vom Jemen aus Israel genähert habe. Zuvor sei im Raum der südisraelischen Hafenstadt Eilat Raketenalarm ausgelöst worden, hieß es. Das Geschoss sei jedoch nicht in israelisches Gebiet eingedrungen. Berichte über Opfer gab es nicht.
Dimitri Taube

Israel greift Hafenstadt in Jemen an - Huthi-Miliz droht mit Vergeltung

Einen Tag nach dem tödlichen Drohnenangriff in Tel Aviv hat Israels Militär mit einem direkten Gegenschlag in Jemen reagiert. Israelische Kampfjets hätten militärische Ziele in der jemenitischen Hafenstadt al-Hudaida angegriffen, bestätigte die israelische Armee auf der Plattform X. Dies sei als "Antwort auf Hunderte Attacken auf Israel in den vergangenen Monaten" geschehen, hieß es weiter. Die Huthi-Miliz drohte anschließend mit Vergeltung - sie werde nicht zögern, "wichtige Ziele" in Israel zu attackieren. Huthi-Militärsprecher Jahja Sari sagte, die Miliz bereite sich auf einen "langen Krieg" vor.

Auf Bildern in sozialen Medien war ein Großbrand am Hafen in al-Hudaida zu sehen, mit hohen Flammen und einer dunklen Rauchsäule am Himmel. Huthi-Sprecher Mohammed Abdel Salam sprach von einem Angriff gegen "zivile Einrichtungen". Ziele seien Öl- und Stromanlagen gewesen. Der der Huthi-Miliz nahestehende Fernsehsender Al-Masirah berichtete unter Berufung auf die Gesundheitsbehörde von Dutzenden Verletzten. In einem früheren Bericht war auch von Getöteten die Rede gewesen.

Laut Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dient der angegriffene Hafen der Huthi-Miliz als Einfallstor für iranische Waffenlieferungen. Außerdem werde der Hafen für militärische Zwecke genutzt. Der israelische Armeesprecher Daniel Hagari erklärte, dass Israel den Luftangriff alleine ausgeführt habe und Verbündete wie die USA nicht daran beteiligt gewesen seien. Aus Washington hieß es ebenfalls, die USA seien nicht beteiligt gewesen.

Zuvor hatte der Huthi-nahe Sender Al-Masirah behauptet, auch die USA seien an den Angriffen beteiligt gewesen. Zudem hatte der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtenkanal Al-Arabija unter Berufung auf ungenannte Quellen gemeldet, es handle sich um einen gemeinsamen Angriff Israels, Großbritanniens und der USA. Letztere Länder haben in Jemen immer wieder Ziele attackiert - als Reaktion auf Angriffe der Huthi.

Am Freitag waren im Zentrum von Tel Aviv beim Einschlag einer Kampfdrohne ein Mann getötet und mindestens acht weitere Menschen verletzt worden. Die mit Sprengstoff beladene Drohne schlug in ein Wohnhaus ein, wie der Rettungsdienst Magen David Adom auf der Plattform X mitteilte. Nach Angaben der Armee kam die Langstreckendrohne aus Jemen. Die Huthi-Miliz sprach vom Angriff auf ein "wichtiges Ziel" in Tel Aviv. Israels Verteidigungsminister Joav Gallant hatte danach Vergeltung angekündigt.
Dimitri Taube

Israel greift offenbar Munitionsdepot der Hisbollah an

Israel hat nach Informationen aus Sicherheitskreisen ein Munitionsdepot der bewaffneten libanesischen Hisbollah-Miliz in Südlibanon angegriffen. Die Attacke auf die Stadt Adlun, die etwa 40 Kilometer nördlich der libanesischen Grenze zu Israel liegt, löste große Explosionen aus, sagten Zeugen laut der Nachrichtenagentur Reuters.
Dimitri Taube

Palästinenser berichten von mindestens 30 Toten bei israelischen Angriffen

Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen sind nach Angaben von Vertretern der dortigen Gesundheitsbehörde mindestens 30 Palästinenser getötet worden. Unter den Todesopfern seien auch ein Journalist, seine Frau und zwei Kinder, die bei einem Angriff auf ihr Haus im nördlichen Gazastreifen ums Leben gekommen seien, teilte laut der Nachrichtenagentur Reuters ein Arzt mit.

Aus Rafah berichteten nach Reuters-Angaben Einwohner von heftigen Kämpfen zwischen israelischen Soldaten und der Hamas. Die israelische Armee teilte mit, dass sie ihre Einsätze gegen Hamas-Kämpfer in Rafah fortsetze und auch im Zentrum des Gazastreifens Stellungen der Hamas attackiert habe. Dabei bekräftigte die Armee ihren Vorwurf, dass die Hamas humanitäre und zivile Strukturen für militärische Zwecke missbrauche. In Rafah will Israel die letzten großen Kampfverbände der islamistischen Palästinenser-Organisation zerschlagen.
Newsdesk
Newsdesk

Gallant kündigt Vergeltung für Huthi-Drohne auf Tel Aviv an

Israels Verteidigungsminister Joav Gallant hat Berichten zufolge Vergeltung für einen Drohnenangriff auf Tel Aviv durch die Huthi-Miliz angekündigt. Das israelische Verteidigungsministerium arbeite an der Verstärkung der Verteidigungsmechanismen und werde "jeden, der dem Staat Israel schadet, zur Rechenschaft ziehen“, sagte Gallant der BBC zufolge am Freitag. 

Am Freitagmorgen war eine Drohne in Tel Aviv explodiert und hatte einen Israeli getötet und acht weitere Menschen verletzt. Die jemenitische Huthi-Miliz hatte später die Verantwortung für den Drohnenangriff übernommen und Tel Aviv zur "unsicheren Zone" erklärt. Ein Huthi-Sprecher sagte, der Angriff habe mithilfe einer neuen Drohne stattgefunden - diese kann angeblich die Flugabwehr umgehen. 

Tatsächlich hatte Israel bislang nahezu alle Drohnen abwehren können. Tel Aviv hatte bislang noch keine von ihnen erreicht.
Nadja Tausche
Nadja Tausche

Ungarn blockiert kritische EU-Botschaft an Israel

Der Chefdiplomat der EU wollte im Namen aller 27 Mitgliedstaaten eine Erklärung des israelischen Parlaments kritisieren: Es geht um die Resolution, die sich gegen einen palästinensischen Staat ausspricht. Allerdings ist das Vorhaben am Widerstand Ungarns gescheitert. Stattdessen konnte nur ein Statement des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell veröffentlicht werden, wie ein ranghoher EU-Beamter in Brüssel der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Darin heißt es, die Europäische Union bedauere die am Donnerstag von der Knesset verabschiedete Resolution. Es bestehe ein breiter Konsens in der internationalen Gemeinschaft, dass die einzige nachhaltige Lösung für den Nahost-Konflikt die Zweistaatenlösung sei. Palästinenser und Israelis hätten das gleiche Recht, in Sicherheit, Würde und Frieden zu leben. Keine Hoffnung und keine Perspektive für das palästinensische Volk würden den aktuellen Konflikt nur vertiefen. Die Mehrheit der Knesset-Abgeordneten hatte am Donnerstag für einen Beschluss gestimmt, der die Gründung eines palästinensischen Staates ablehnt. 

Warum Ungarn eine Erklärung im Namen aller EU-Staaten verhinderte, ist unklar. Als möglichen Hintergrund nannten Diplomaten, dass die Regierung in Budapest sehr gute Kontakte nach Israel hat. Ungarns rechtspopulistischer Ministerpräsident Viktor Orbán pflegt seit Jahrzehnten freundschaftliche Beziehungen mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.
Kassian Stroh
Kassian Stroh

Hisbollah schießt vermehrt auf Israel

Die Schiiten-Miliz Hisbollah hat ihren Beschuss von Gebieten im Norden Israels intensiviert. Im Laufe des Tages habe man 65 Geschosse identifiziert, die aus Libanon kommend in israelisches Territorium eindrangen, teilte die israelische Armee auf ihrem Telegram-Kanal mit. Ein Teil der Geschosse sei von der Flugabwehr abgefangen worden, der Rest in unbewohntem Gelände eingeschlagen. Personen seien nicht verletzt oder getötet worden.

Die Hisbollah bestätigte die Angriffe und bezeichnete sie als Vergeltung für israelische Bombardements am Vortag, bei denen in der östlichen Bekaa-Ebene sowie in Südlibanon zwei ranghohe Kämpfer getötet worden waren - ein Hisbollah-Mann und ein in Libanon tätiger Kader der palästinensischen Hamas, die mit der Hisbollah verbündet ist.

Das israelische Militär teilte weiter mit, es habe die Stellungen der Hisbollah, von denen der Beschuss auf Israel ausgegangen war, angegriffen. Weiterhin hätten sich israelische Attacken auf Waffenlager und andere militärische Infrastruktur der Hisbollah in Südlibanon gerichtet.

SZ-Korrespondent Bernd Dörries berichtet aus Libanon (SZ Plus):
Kassian Stroh
Kassian Stroh

EU zahlt wieder Geld an Autonomiebehörde

Die finanziell schwer angeschlagene Palästinenserbehörde im Westjordanland bekommt von der EU kurzfristig Unterstützung in Höhe von 400 Millionen Euro. Das Geld soll nach Angaben der Europäischen Kommission in drei Teilbeträgen bis September überwiesen werden und Finanzierungslücken schließen. Voraussetzung ist allerdings die Einhaltung von Reformauflagen.

Um längerfristig Hilfe leisten zu können, will die EU-Kommission den Regierungen der EU-Staaten im September einen Vorschlag für ein neues mehrjähriges Unterstützungsprogramm für die Zeit bis Ende 2026 vorlegen. Es soll der im Westjordanland regierenden Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) ermöglichen, bis 2026 zu einem ausgeglichenen Haushalt zu kommen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verband mit der Ankündigung für die zusätzliche Hilfe einen neuen Appell an die Konfliktparteien im Gazastreifen, einen Waffenstillstand zu schließen und sich auf eine Zwei-Staaten-Lösung einzulassen. Mit den neuen Plänen lege man den Grundstein für wirtschaftliche und politische Stabilität im Westjordanland und schaffe die Voraussetzungen für den Wiederaufbau von Gaza.

Nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas von dort aus auf Israel am 7. Oktober hatte die EU ihre Hilfen für die Palästinenser einer sorgfältigen Überprüfung unterzogen. Bei dieser wurden allerdings keine Belege dafür gefunden, dass mit EU-Geld indirekt Terroraktivitäten finanziert wurden. Die EU ist nach eigenen Angaben die größte Unterstützerin der Palästinenser. Das Budget für die Jahre 2021 bis 2024 beträgt demnach fast 1,2 Milliarden Euro.
Kassian Stroh
Kassian Stroh

Internationaler Gerichtshof: Israels Siedlungspolitik verstößt gegen Völkerrecht

Die israelische Siedlungspolitik in besetzten palästinensischen Gebieten verstößt nach Auffassung des höchsten UN-Gerichts gegen internationales Recht. Israel mache sich faktisch der Annektierung schuldig, stellt der Internationale Gerichtshof in Den Haag in einem Rechtsgutachten fest. Dieses wird zur Stunde noch verlesen. Es gebe umfangreiche Beweise dafür, dass Israel seine Bürger dazu ermutige, in die besetzten Gebiete zu ziehen, heißt es darin. Die Ausweitung jüdischer Siedlungen beruhe auf der Beschlagnahmung großer Ländereien der palästinensischen Bewohner. Ebenfalls illegal sei Israels Ausbeutung natürlicher Ressourcen in den besetzten Gebieten.

Ein solches Gutachten des Internationalen Gerichtshofs ist rechtlich zwar nicht bindend, erhöht aber den weltweiten politischen Druck auf Israel. Die Brisanz dieses Gutachtens ist groß. Das zeigt auch die Rekordzahl von 52 Staaten, die bei dem Gericht in Den Haag ihre Argumente eingereicht hatten.

Die UN-Vollversammlung hatte 2022 den Internationalen Gerichtshof beauftragt festzustellen, welche rechtlichen Folgen die Besatzungspolitik Israels hat. Das war also lange vor Beginn des heutigen Gaza-Krieges im Oktober 2023. Israel hatte die Westbank, den Gazastreifen und Ost-Jerusalem im Sechstagekrieg von 1967 besetzt. Die Palästinenser beanspruchen diese Gebiete aber für einen eigenen Staat. 2005 hatte Israel Gaza wieder verlassen, kontrolliert aber weiter die Grenzen zu Land, Wasser und in der Luft.

Es ist das zweite Rechtsgutachten des Gerichtshofes zur Besatzungspolitik Israels. Vor 20 Jahren, im Juli 2004, hatten die Richter erklärt, dass die von Israel auf der Westbank errichtete Mauer gegen internationales Recht verstoße und daher abgerissen werden müsse. Israel hielt sich aber nicht daran.

Eine Analyse des Gutachtens von SZ-Redakteur Ronen Steinke (SZ Plus): 
Nadja Tausche
Nadja Tausche

Bundesregierung: Israel "isoliert sich selbst“

Die Bundesregierung kritisiert die Resolution des israelischen Parlaments, die sich gegen einen palästinensischen Staat ausspricht. "Die Resolution steht im Widerspruch zu mehreren Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Israel entfernt sich damit von der überwältigen Mehrheit der internationalen Gemeinschaft und isoliert sich selbst“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. "Wir alle wissen, Isolation ist der Feind jeglicher Sicherheit“, warnte er. Auch wenn die Resolution nicht bindend sei, "ist sie dennoch ein Rückschlag in unserem Bemühen, Israels legitimen Sicherheitsinteressen mit dem Recht der Palästinenserinnen und Palästinenser auf Selbstbestimmung in Einklang zu bringen“.

Für die Bundesregierung sei klar, dass es zur Zwei-Staaten-Lösung keine Alternative gebe, die auch das Recht der Palästinenser wahre, so der Sprecher weiter. "Genauso wie die Israelis haben auch Palästinenserinnen und Palästinenser ein Recht auf ein Leben in Sicherheit und Würde, indem sie ihre Geschicke in einem eigenen Staat selbstbestimmt leiten können.“

Die Mehrheit der Knesset-Abgeordneten hatte für einen Beschluss gestimmt, der eine Staatsgründung Palästinas ablehnt. "Die Gründung eines palästinensischen Staates im Herzen des Landes Israel würde eine existenzielle Gefahr für den Staat Israel und seine Bürger darstellen“, hieß es in dem Beschluss. "Es wird nur eine Frage kurzer Zeit sein, bis die Hamas den palästinensischen Staat übernimmt und ihn in eine radikale islamische Terrorbasis verwandelt.“ Diese werde daran arbeiten, den Staat Israel zu vernichten.
Leopold Zaak
Leopold Zaak

Drohnenangriff auf Tel Aviv – ein Toter und mehrere Verletzte

In Tel Aviv hat es nach einem Drohnenangriff eine schwere Explosion gegeben. Das berichten mehrere israelische Medien übereinstimmend unter Berufung auf das israelische Militär. Den Rettungskräften zufolge soll ein Mensch dabei getötet worden sein, acht Menschen seien in Krankenhäuser gebracht worden. Nach Angaben der israelischen Armee handelte es sich um eine Langstreckendrohne, die vom Meer aus angeflogen sei und ein Wohnhaus getroffen habe. Auch umliegende Gebäude wurden demnach beschädigt. 

Zunächst war unklar, wer die Drohne abgefeuert hatte. Später reklamierte die jemenitische Huthi-Miliz den Angriff für sich. Auch die Armee geht davon aus, dass die Drohne möglicherweise von Huthi gestartet wurde. Das lasse sich jedoch noch nicht zweifelsfrei bestätigen. 

Die Gruppe kündigte an, weiterhin Ziele in Israel zu attackieren, weil sie solidarisch mit den Palästinensern im Gazastreifen seien. Die Huthi-Miliz gehört wie auch die libanesische Hisbollah-Miliz zur vom Iran geführten sogenannten Achse des Widerstandes und ist mit der radikalen Palästinenserorganisation Hamas verbündet. Das israelische Militär gab an, noch zu untersuchen, woher die Drohne kam, es schließe aber keine Möglichkeit aus.

Die Drohne wurde nach Angaben des israelischen Militärs wegen menschlichen Versagens nicht von der Flugabwehr abgefangen. Darauf deuteten erste Untersuchungen hin. "Wir sprechen von einem großen unbemannten Luftfahrzeug (UAV), das große Entfernungen zurücklegen kann", sagt der Militärsprecher vor der Presse.
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SZ PlusNahostkonflikt
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