Krieg in Nahost:Israel lehnt Hamas-Vorschlag für Feuerpause in der aktuellen Variante ab

Man wolle jedoch weiterverhandeln, sagt Premierminister Netanjahu. Zeitgleich teilt das israelische Militär mit, es führe "gezielte Angriffe" gegen Stellungen der Hamas im Osten Rafahs aus.

Alle Entwicklungen im Liveblog

Dieser Liveblog ist archiviert und wird nicht mehr aktualisiert. Die aktuelle Berichterstattung finden Sie auf unserer Themenseite zum Krieg in Nahost .

Wichtige Updates

Drei Verletzte bei mutmaßlichem Anschlag in Israel

Hamas droht nach Luftangriff mit Abbruch der Verhandlungen

Mossad-Chef reist zu Geisel-Gesprächen nach Katar

Berichte über Dutzende Tote nach Angriff auf Zeltlager - Ziel war wichtiger Hamas-Führer

Israels Armee zieht sich nach palästinensischen Angaben aus Teilen von Gaza-Stadt zurück – Zahlreiche Tote

Violetta Simon
Violetta Simon

Einer der Drahtzieher des Massakers vom 7. Oktober angeblich getötet

Das israelische Militär meldet den Tod des Kommandeurs der Hamas-Brigade in der Stadt Chan Yunis, Rafa Salama. Er gilt als einer der Drahtzieher des Massakers vom 7. Oktober in Israel. Ein Angriff der israelischen Luftwaffe am Samstag hatte ihm und dem Militärchef der Hamas, Mohammed Deif, gegolten, die sich zusammen in einem Gebäude bei Chan Yunis befunden haben sollten. Salama war offenbar einer der engsten Mitarbeiter Deifs, gemeinsam haben sie israelischen Angaben zufolge den Angriff der Hamas und weiterer palästinensischer Terroristen im Oktober geplant, bei dem Tausende Extremisten die Grenze zu Israel überquert, mehr als 1200 Menschen getötet und etliche als Geisel in den Gazastreifen verschleppt hatten. Salama kommandierte seit 2016 offenbar die Chan-Yunis-Brigade der Hamas und war seit Jahren verantwortlich für Raketenangriffe von dort aus auf Israel. Ali Barakeh, ein Funktionär der Terrororganisation sagte in Beirut der dpa, Deif gehe es gut, er befehlige „weiterhin den Widerstand gegen den israelischen Feind“.
Nach dem israelischen Luftangriff auf Chan Yunis.
Nach dem israelischen Luftangriff auf Chan Yunis. Bashar Taleb/AFP
Markus C. Schulte von Drach
Markus C. Schulte von Drach

Drei Verletzte bei mutmaßlichem Anschlag in Israel

Bei einem mutmaßlichen Terrorangriff sind in Israel drei Menschen verletzt worden, zwei davon schwer. Ein Mann ist mit einem Auto in eine Gruppe von Fußgängern an einer Bushaltestelle nahe einer Kaserne in der Stadt Ramla in Israels Zentralbezirk gefahren. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurde der Fahrer „neutralisiert“, auf Fotos ist im Tatfahrzeug eine Leiche zu sehen.

In Hebron im Westjordanland haben Grenzpolizisten möglicherweise einen Anschlag verhindert, als sie eine 37-jährige Palästinenserin festnahmen. In ihrer Tasche wurde ein Messer gefunden, die Polizei vermutet, dass sie einen Angriff damit geplant hat. Sie soll nach israelischen Angaben erklärt haben, dass ihr Mann als Mitglied der Hamas in einem israelischen Gefängnis inhaftiert sei. 

Ob die Vorfälle eine Reaktion auf den israelischen Luftangriff im Gazastreifen sind, der dem Hamas-Militärchef Mohammed Deif galt, ist unklar. Bei der Militäraktion wurden Dutzende Menschen getötet oder verletzt. Ob Deif zu den Opfern gehört, ist nicht bekannt.

Ein Vertreter der islamistischen Terrororganisation hat inzwischen Berichte dementiert, dass die Hamas wegen des Luftangriffs die indirekten Verhandlungen mit Israel über eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln abbrechen werde.
Israelische Polizei sichert den Tatort des mutmaßlichen Anschlags.
Israelische Polizei sichert den Tatort des mutmaßlichen Anschlags. Menahem Kahana/AFP
Leopold Zaak
Leopold Zaak

Hamas droht nach Luftangriff mit Abbruch der Verhandlungen

Nach einem israelischen Luftangriff im Süden des Gazastreifens mit Dutzenden Toten sind die Aussichten auf eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln der Hamas ungewiss. Alle Optionen seien offen, auch ein Abbruch der indirekten Verhandlungen, sagte der Vize-Vorsitzende der Islamistenorganisation, Chalil al-Hajja, dem arabischen Fernsehsender Al Dschasira. Ihr militärischer Anführer im Gazastreifen, Mohammed Deif, sei bei dem israelischen Angriff nicht getötet worden, erklärte die Hamas. „Mohammed Deif geht es gut, und er befiehlt weiterhin den Widerstand gegen den israelischen Feind“, sagte der Hamas-Funktionär Ali Barakeh der Deutschen Presse-Agentur.

Israels Armee zielte mit dem Angriff westlich der Stadt Chan Junis nach eigenen Angaben auf den Anführer des militärischen Hamas-Arms. Die Hamas sprach von einem Massaker mit Dutzenden Toten. Der Sender Al Dschasira sprach von mindestens 50 Toten. 
Christian Helten
Christian Helten

Israel greift nach Beschuss Hisbollah-Stellungen an

Die israelische Luftwaffe hat nach Beschuss durch die proiranische Hisbollah Stellungen der Miliz in Südlibanon beschossen. Wie die israelische Armee am Abend mitteilte, sei die Anlage bombardiert worden, von wo aus zuvor Geschosse auf den Norden Israels abgefeuert worden seien. Zudem seien eine Reihe weiterer "terroristischer Infrastrukturen" der Hisbollah angegriffen worden. Nähere Details wurden nicht genannt. Die Angaben konnten unabhängig zunächst nicht überprüft werden. 
Christian Helten
Christian Helten

Tausende Israelis demonstrieren für Geisel-Deal

Tausende Israelis haben in Tel Aviv und in Jerusalem für eine Abmachung demonstriert, durch die noch rund 120 Geiseln in der Gewalt der Hamas ihre Freiheit wiedergewinnen würden. Die Teilnehmer der Kundgebungen warfen Regierungschef Benjamin Netanjahu vor, die indirekten Gespräche mit den Islamisten zur Erzielung einer solchen Vereinbarung zu sabotieren. "Netanjahu macht die Geiseln fertig", stand auf einem riesigen Transparent, das Demonstranten in Tel Aviv vor sich hertrugen. Einer der Redner, eine ehemalige Geisel, sagte: "Ich mag nach außen okay wirken, aber der Schmerz belastet mich mehr, als irgendjemand sich vorstellen kann." 

Tausende demonstrierten Medienberichten zufolge in Jerusalem vor der Residenz Netanjahus sowie im Seebad Caesarea vor einer Privatvilla des Regierungschefs. Kleinere Kundgebungen gab es in Haifa, Beerscheba und Herzlija. Mehrere hundert Angehörige und Sympathisanten der Geiseln waren in den letzten vier Tagen zu Fuß von Tel Aviv nach Jerusalem marschiert.

Seit Monaten laufen indirekte Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas, bei denen Ägypten, Katar und die USA vermitteln. Die indirekten Gespräche verlaufen schleppend. 
Christian Helten
Christian Helten

Mossad-Chef reist zu Geisel-Gesprächen nach Katar

Der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Daniel Barnea, will in den nächsten Tagen zu einer weiteren Runde der Geisel-Gespräche in die katarische Hauptstadt Doha reisen. Das berichtete der israelische Rundfunksender Kan.

Die Planungen für die indirekten Verhandlungen, bei denen Katar, Ägypten und die USA vermitteln, scheinen durch den jüngsten Versuch Israels, den Hamas-Militärchef Mohammed Deif mit einem Luftschlag zu töten, vorerst nicht gekippt worden zu sein, schreibt die israelische Zeitung Haaretz. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, dass es "noch nicht absolut gewiss" sei, dass Deif bei dem Angriff westlich von Chan Yunis getötet wurde. Die Hamas dementierte zunächst, dass Deif getötet oder verletzt worden sei. Deif gilt als Nummer Zwei der Hamas im Gazastreifen.
Christian Helten
Christian Helten

Polizei löst propalästinensische Demo in Berlin auf – acht Verletzte

Bei der Auflösung einer großen propalästinensischen Demo in Berlin sind acht Menschen verletzt worden. Wie die Berliner Feuerwehr der Deutschen Presse-Agentur sagte, war darunter eine schwer verletzte Person. Bevor die Polizei die Versammlung auflöste, seien wiederholt strafrechtlich relevante Rufe zu hören gewesen, teilte die Polizei auf Anfrage mit. 

Die Demonstration war am Nachmittag in Steglitz gestartet und zog Richtung Innsbrucker Platz. Nach Angaben der Polizei waren am Nachmittag gut 600 Menschen dabei. Neben zahlreichen Palästina-Fahnen hielten die Menschen bei der Demo Schilder etwa mit der Aufschrift "Free Palestine from Israels Occupation" in die Höhe. Seit dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 gibt es in Berlin wöchentlich Demonstrationen im Kontext des Gaza-Kriegs.
Nadja Lissok
Nadja Lissok

Berichte über Dutzende Tote nach Angriff auf Zeltlager - Ziel war wichtiger Hamas-Führer

Bei einem israelischen Angriff auf Zeltunterkünfte vertriebener Palästinenser sollen Dutzende Menschen getötet worden sein. Wie viele es sind, ist gerade noch unklar. Der arabische Fernsehsender Al Jazeera berichtet zunächst von mindestens 50 Toten, die von der Hamas kontrollierten Behörden sprachen zunächst von mehr als 100 und sagen nun, es seien 71 Menschen getötet worden. 

Außerdem soll es laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mindestens 280 Verletzte geben. Der Angriff soll in der Gegend von Chan Yunis im Süden des Gazastreifens stattgefunden haben, in der sogenannten "Schutzzone“ al-Mawasi, die die israelische Armee für Zivilisten als sicher ausgewiesen hat. Das israelische Militär erklärt, es prüfe die Angaben. In einem Post auf der Plattform X zeigte die Armee Bilder des Angriffsorts vor und nach der Attacke. Zwei hochrangige Terroristen sowie weitere Kämpfer hätten sich dort unter die Zivilbevölkerung gemischt.
Mittlerweile hat die Armee bestätigt, dass das Ziel des Angriffs der Hamas-Kommandant Mohammed Deif gewesen sei. Er ist der Chef des bewaffneten Arms der Terrororganisation. Ob er getötet wurde, ist unklar. Es ist ein erklärtes israelisches Kriegsziel, ihn sowie den Hamas-Führer im Küstengebiet, Jihia al-Sinwar, gefangenzunehmen oder zu töten. Sie gelten als die beiden wichtigsten Anführer der Organisation innerhalb des Gazastreifens. Im März hatte die Armee die Tötung des dritthöchsten Hamas-Führers im Gazastreifen, Marwan Issa, gemeldet. 

In einer Mitteilung der Pressestelle der Hamas-geführten Regierung ist die Rede von einem "schrecklichen Massaker“. Unter den Opfern seien auch Mitarbeiter des Katastrophenschutzes. 
Nadja Lissok
Nadja Lissok

Gazastreifen auch für Journalisten lebensgefährlich

Unter den vielen zehntausend Toten der letzten Monate sollen auch mindestens 100 palästinensische Journalisten sein. Internationale Beobachter kommen in den abgeriegelten Küstenstreifen gar nicht erst rein. Organisationen, die sich für Pressefreiheit einsetzen, geben der israelischen Kriegsführung die Schuld für die vielen Toten. Sie werfen der Armee teils Gleichgültigkeit vor, teils sogar, Journalisten gezielt ins Visier zu nehmen. Außerdem fordert ein offener Brief, dass Israel Journalisten freien Zugang nach Gaza gewähren soll.

Lesen Sie mit SZ Plus mehr über die Situation der Journalisten im Gazastreifen:
Nadja Lissok
Nadja Lissok

Medienberichte: Netanjahu verzögert Geisel-Deal mit neuen Forderungen

Offenbar verfolgt Israels Ministerpräsident bei den Bemühungen um einen Waffenstillstand und einen Geisel-Deal wieder einmal seine eigene Agenda: Er soll zur Bedingung gemacht haben, dass keine bewaffneten Hamas-Kämpfer aus dem Süden zurück in den Norden des Gazastreifens gehen dürfen.

Mehrere Teilnehmer des israelischen Verhandlungsteams hätten bei Beratungen mit Netanjahu Vorbehalte gegen diese Forderung geäußert, berichtet der gut vernetzte israelische Journalist Barak Ravid auf dem Nachrichtenportal walla.co.il. Auch gegenüber Channel 12 hat ein an den Gesprächen Beteiligter gesagt, dass diese Forderung nicht erfüllbar sei. „Das Beharren des Premierministers auf einen Mechanismus, der die Bewegung bewaffneter Kämpfer [in den nördlichen Gazastreifen] verhindern soll, wird die Gespräche für Wochen verzögern“, sagt er, und in Bezug auf die israelischen Geiseln: „Dann gibt es vielleicht niemanden mehr, den man nach Hause bringen kann.“

Der israelische Journalist Ravid schreibt auf dem US-Nachrichtenportal Axios, Netanjanhu verschärfe seine Haltung, weil der Geheimdienst davon ausgeht, dass die Hamas militärisch geschwächt sei und jetzt einen Waffenstillstand will. Andere Kritiker unterstellen Netanjahu schon deutlich länger, an einer Verhandlungslösung nicht interessiert zu sein.

Das Forum der Angehörigen der Geiseln reagierte auf die Berichte mit den Worten: „Wir sind wegen dieses unverantwortlichen Verhaltens entsetzt und schockiert.“ „Es könnte dazu führen, dass eine Gelegenheit verpasst wird, die vielleicht nie wieder zurückkehrt“, heißt es in einer Erklärung.

Netanjahu fodert außerdem, dass die israelische Armee auch künftig die Kontrolle über den sogenannten Philadelphi-Korridor ausübt, der im Süden Gazas entlang der Grenze zu Ägypten verläuft. Laut Israel hat die Hamas diesen Grenzbereich für den Schmuggel von Waffen genutzt. Die israelische Armee hatte den Korridor vor einigen Wochen unter ihre Kontrolle gebracht.
Dem Wall Street Journal zufolge ging es in den Verhandlungen zuletzt, um Ideen, wie dieser Grenzstreifen ohne die Präsenz der israelischen Armee gesichert werden könnte. Ägypten will, dass Israel seine Truppen dort wieder zurückzieht. Doch Netanjahus Büro stellte dazu jetzt in einer Mitteilung klar: „Der Ministerpräsident besteht darauf, dass Israel im Philadelphi-Korridor bleiben wird“, hieß es. 
Maximilian Kornprobst

Erdoğan lehnt weitere Nato-Kooperation mit Israel ab 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan will Kooperationen zwischen der Nato und dem Partner Israel künftig nicht zustimmen. Das Nato-Mitglied Türkei werde entsprechende Initiativen so lange nicht akzeptieren, "bis in den palästinensischen Gebieten ein umfassender und nachhaltiger Frieden geschaffen ist", schrieb Erdoğan auf der Plattform X im Anschluss an den Nato-Gipfel in Washington.

Israels Außenminister Israel Katz reagierte mit scharfen Worten auf Erdoğans Äußerungen. "Zunächst einmal Erdoğan, du entscheidest gar nichts", schrieb er auf der Plattform X. "Ein Land wie die Türkei, das die Mörder und Vergewaltiger der Hamas und die iranische Achse des Bösen unterstützt, sollte kein Nato-Mitglied sein."

Israel ist kein Mitglied des Verteidigungsbündnisses, aber ein Partner, mit dem weitreichende Zusammenarbeit besteht. 
Max Fluder

Israels Armee zieht sich nach palästinensischen Angaben aus Teilen von Gaza-Stadt zurück – Zahlreiche Tote

Nach einer mehrtägigen Militäroffensive in Gaza-Stadt und schweren Kämpfen mit der islamistischen Hamas haben sich israelische Streitkräfte nach palästinensischen Angaben aus einigen Stadtteilen zurückgezogen. Einwohner und Rettungskräfte berichteten von zahlreichen Toten sowie zerstörten Wohnhäusern. Bereiche der Stadt seien auch nach dem Rückzug israelischer Panzer noch unter der Kontrolle israelischer Streitkräfte.

Die Hamas und der radikale Islamische Dschihad erklärten, sie hätten sich Gefechte mit der Armee geliefert und diese mit Panzerabwehrraketen und Granaten angegriffen. Dabei seien zahlreiche Personen getötet oder verletzt worden. Eine israelische Stellungnahme lag dazu nicht vor.

Der Sprecher des Zivilschutzes im Gazastreifen, Mahmud Basal, sagte palästinensischen Medien, es lägen Leichen auf den Straßen. Das israelische Militär erklärte, man habe Zivilisten vor dem Angriff in Sicherheit gebracht. Es seien Drohnen und andere Waffen in einem Kampfkomplex der Hamas im ehemaligen Hauptquartier des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA sichergestellt worden. Zudem seien ein wichtiger Hamas-Tunnel sowie eine Produktionsstätte für Waffen unter einem Universitätsgebäude gefunden worden.
Maximilian Kornprobst

Guterres fordert mehr Unterstützung für UN-Hilfswerk UNRWA

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, fordert mehr Geld und bessere Sicherheitsvorkehrungen für das Palästinenserhilfswerk UNRWA. Bei einer Geberkonferenz drängte Guterres Israel und die Hamas zudem, eine Waffenruhe zu vereinbaren.

"Palästinensische Flüchtlinge verlieren ohne die nötige Unterstützung und Finanzierung von UNRWA eine wesentliche Stütze und den letzten Hoffnungsschimmer für eine bessere Zukunft", sagte Guterres. Nichts rechtfertige die Attacke der Hamas vom 7. Oktober und nichts rechtfertige die kollektive Bestrafung des palästinensischen Volkes.

UNRWA-Generalkommissar Philippe Lazzarini bezifferte das nötige Budget für das UN-Hilfswerk bis Ende des Jahres auf rund 1,2 Milliarden Dollar. Derzeit sei nur ein Fünftel der Finanzierung gesichert, sagte Lazzarini.
Dimitri Taube

Bericht: Israel will Wehrpflicht verlängern

Die israelische Regierung plant laut einem Medienbericht eine Verlängerung der Wehrpflicht für Männer von derzeit 32 auf 36 Monate. Die neue Regelung soll für die nächsten acht Jahre gelten, wie das Nachrichtenportal Ynet berichtete. Diese Entscheidung sei bei einer Sitzung des Sicherheitskabinetts am Donnerstagabend gefallen. Das gesamte Kabinett solle am Sonntag darüber abstimmen.

Die Militärführung habe erklärt, die Armee benötige mehr Personal für den Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen und die Auseinandersetzungen mit der libanesischen Hisbollah-Miliz. Daneben plant die Regierung, Tausende ultra-orthodoxe Religionsschüler einzuberufen, die bisher vom Militärdienst befreit waren. Das oberste Gericht hatte kürzlich die umstrittene Ausnahme für die strenggläubigen Juden gekippt.
Max Fluder

Armee räumt Versagen bei Massaker in Kibbuz Be'eri ein

Die israelische Armee hat nach einer internen Untersuchung ihr Scheitern beim Schutz des Kibbuz Be'eri eingeräumt. Dort hatten palästinensische Terroristen am 7. Oktober 101 Zivilisten getötet und weitere 30 verschleppt. Elf von ihnen befinden sich immer noch als Geiseln in der Gewalt der Hamas. "Die Untersuchungskommission stellt fest, dass die israelischen Streitkräfte bei ihrem Auftrag, die Bewohner des Kibbuz Be'eri zu schützen, versagt haben“, heißt es in dem Bericht zur internen Untersuchung des Militärs.

Überlebende des Massakers von Be'eri hatten beklagt, dass die Armee erst Stunden nach Beginn des Überfalls am Schauplatz eintraf. Die Bewohner und ein kleines Kontingent des Kibbuz-eigenen bewaffneten Sicherheitsdienstes seien stundenlang auf sich allein gestellt gewesen. Der Armee-Bericht lobt den Mut der Kibbuz-Bewohner und ihres Sicherheitsdienstes. Ihr Einsatz sei entscheidend gewesen, um „die Situation in den ersten Stunden des Kampfes zu stabilisieren".

Überlebende des Kibbuz Be'eri begrüßten den Bericht, kritisierten aber zugleich dessen Einengung auf die Rolle der Armee. Vielmehr gehe es auch darum, die Verantwortung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu klären. Dieser weigert sich bisher, Rechenschaft über mögliche eigene Versäumnisse abzulegen.

Die israelischen Sicherheitskräfte sowie die politischen Entscheidungsträger hatten sich am 7. Oktober völlig überrumpelt gezeigt. Mehr als 1200 Menschen starben. Die beispiellosen Attacken der islamistischen Hamas und ihrer Verbündeten waren Auslöser des Gaza-Kriegs.

Eine ausführliche Betrachtung des Berichts von meinem Kollegen Matthias Kolb lesen Sie mit SZ Plus hier:
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Navid Kermani und Natan Sznaider sind in Sachen Nahost absolut nicht einer Meinung - aber es eint sie eine Überzeugung. Wie man gut streitet.

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