Krieg in Nahost:Neuer Aufruf: Deutsche sollen Libanon verlassen

Andauernde Kämpfe in Südlibanon: Erste Länder rufen ihre jeweiligen Landsleute zum Verlassen von Israels nördlichen Nachbarn auf. (Foto: Taher Abu Hamdan/dpa)

Das Auswärtige Amt fordert angesichts der Sorgen vor einem Krieg zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz erneut deutsche Staatsangehörige zum Verlassen des arabischen Landes auf. Kanada hat seine Landsleute bereits dazu aufgerufen.

Alle Entwicklungen im Liveblog

Dieser Liveblog ist archiviert und wird nicht mehr aktualisiert. Die aktuelle Berichterstattung finden Sie auf unserer Themenseite zum Krieg in Nahost. 

Wichtige Updates

EU zahlt wieder Geld an Autonomiebehörde

Internationaler Gerichtshof: Israels Siedlungspolitik verstößt gegen Völkerrecht

Drohnenangriff auf Tel Aviv – ein Toter und mehrere Verletzte

Amnesty International wirft Israel Folter von Palästinensern aus Gaza vor

Ab kommendem Sonntag: Israel zieht 1000 Ultraorthodoxe zum Militär ein

Kassian Stroh
Kassian Stroh

Hisbollah schießt vermehrt auf Israel

Die Schiiten-Miliz Hisbollah hat ihren Beschuss von Gebieten im Norden Israels intensiviert. Im Laufe des Tages habe man 65 Geschosse identifiziert, die aus Libanon kommend in israelisches Territorium eindrangen, teilte die israelische Armee auf ihrem Telegram-Kanal mit. Ein Teil der Geschosse sei von der Flugabwehr abgefangen worden, der Rest in unbewohntem Gelände eingeschlagen. Personen seien nicht verletzt oder getötet worden.

Die Hisbollah bestätigte die Angriffe und bezeichnete sie als Vergeltung für israelische Bombardements am Vortag, bei denen in der östlichen Bekaa-Ebene sowie in Südlibanon zwei ranghohe Kämpfer getötet worden waren - ein Hisbollah-Mann und ein in Libanon tätiger Kader der palästinensischen Hamas, die mit der Hisbollah verbündet ist.

Das israelische Militär teilte weiter mit, es habe die Stellungen der Hisbollah, von denen der Beschuss auf Israel ausgegangen war, angegriffen. Weiterhin hätten sich israelische Attacken auf Waffenlager und andere militärische Infrastruktur der Hisbollah in Südlibanon gerichtet.

SZ-Korrespondent Bernd Dörries berichtet aus Libanon (SZ Plus):
Nadja Tausche
Nadja Tausche

Ungarn blockiert kritische EU-Botschaft an Israel

Der Chefdiplomat der EU wollte im Namen aller 27 Mitgliedstaaten eine Erklärung des israelischen Parlaments kritisieren: Es geht um die Resolution, die sich gegen einen palästinensischen Staat ausspricht. Allerdings ist das Vorhaben am Widerstand Ungarns gescheitert. Stattdessen konnte nur ein Statement des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell veröffentlicht werden, wie ein ranghoher EU-Beamter in Brüssel der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Darin heißt es, die Europäische Union bedauere die am Donnerstag von der Knesset verabschiedete Resolution. Es bestehe ein breiter Konsens in der internationalen Gemeinschaft, dass die einzige nachhaltige Lösung für den Nahost-Konflikt die Zweistaatenlösung sei. Palästinenser und Israelis hätten das gleiche Recht, in Sicherheit, Würde und Frieden zu leben. Keine Hoffnung und keine Perspektive für das palästinensische Volk würden den aktuellen Konflikt nur vertiefen. Die Mehrheit der Knesset-Abgeordneten hatte am Donnerstag für einen Beschluss gestimmt, der die Gründung eines palästinensischen Staates ablehnt. 

Warum Ungarn eine Erklärung im Namen aller EU-Staaten verhinderte, ist unklar. Als möglichen Hintergrund nannten Diplomaten, dass die Regierung in Budapest sehr gute Kontakte nach Israel hat. Ungarns rechtspopulistischer Ministerpräsident Viktor Orbán pflegt seit Jahrzehnten freundschaftliche Beziehungen mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.
Kassian Stroh
Kassian Stroh

EU zahlt wieder Geld an Autonomiebehörde

Die finanziell schwer angeschlagene Palästinenserbehörde im Westjordanland bekommt von der EU kurzfristig Unterstützung in Höhe von 400 Millionen Euro. Das Geld soll nach Angaben der Europäischen Kommission in drei Teilbeträgen bis September überwiesen werden und Finanzierungslücken schließen. Voraussetzung ist allerdings die Einhaltung von Reformauflagen.

Um längerfristig Hilfe leisten zu können, will die EU-Kommission den Regierungen der EU-Staaten im September einen Vorschlag für ein neues mehrjähriges Unterstützungsprogramm für die Zeit bis Ende 2026 vorlegen. Es soll der im Westjordanland regierenden Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) ermöglichen, bis 2026 zu einem ausgeglichenen Haushalt zu kommen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verband mit der Ankündigung für die zusätzliche Hilfe einen neuen Appell an die Konfliktparteien im Gazastreifen, einen Waffenstillstand zu schließen und sich auf eine Zwei-Staaten-Lösung einzulassen. Mit den neuen Plänen lege man den Grundstein für wirtschaftliche und politische Stabilität im Westjordanland und schaffe die Voraussetzungen für den Wiederaufbau von Gaza.

Nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas von dort aus auf Israel am 7. Oktober hatte die EU ihre Hilfen für die Palästinenser einer sorgfältigen Überprüfung unterzogen. Bei dieser wurden allerdings keine Belege dafür gefunden, dass mit EU-Geld indirekt Terroraktivitäten finanziert wurden. Die EU ist nach eigenen Angaben die größte Unterstützerin der Palästinenser. Das Budget für die Jahre 2021 bis 2024 beträgt demnach fast 1,2 Milliarden Euro.
Kassian Stroh
Kassian Stroh

Internationaler Gerichtshof: Israels Siedlungspolitik verstößt gegen Völkerrecht

Die israelische Siedlungspolitik in besetzten palästinensischen Gebieten verstößt nach Auffassung des höchsten UN-Gerichts gegen internationales Recht. Israel mache sich faktisch der Annektierung schuldig, stellt der Internationale Gerichtshof in Den Haag in einem Rechtsgutachten fest. Dieses wird zur Stunde noch verlesen. Es gebe umfangreiche Beweise dafür, dass Israel seine Bürger dazu ermutige, in die besetzten Gebiete zu ziehen, heißt es darin. Die Ausweitung jüdischer Siedlungen beruhe auf der Beschlagnahmung großer Ländereien der palästinensischen Bewohner. Ebenfalls illegal sei Israels Ausbeutung natürlicher Ressourcen in den besetzten Gebieten.

Ein solches Gutachten des Internationalen Gerichtshofs ist rechtlich zwar nicht bindend, erhöht aber den weltweiten politischen Druck auf Israel. Die Brisanz dieses Gutachtens ist groß. Das zeigt auch die Rekordzahl von 52 Staaten, die bei dem Gericht in Den Haag ihre Argumente eingereicht hatten.

Die UN-Vollversammlung hatte 2022 den Internationalen Gerichtshof beauftragt festzustellen, welche rechtlichen Folgen die Besatzungspolitik Israels hat. Das war also lange vor Beginn des heutigen Gaza-Krieges im Oktober 2023. Israel hatte die Westbank, den Gazastreifen und Ost-Jerusalem im Sechstagekrieg von 1967 besetzt. Die Palästinenser beanspruchen diese Gebiete aber für einen eigenen Staat. 2005 hatte Israel Gaza wieder verlassen, kontrolliert aber weiter die Grenzen zu Land, Wasser und in der Luft.

Es ist das zweite Rechtsgutachten des Gerichtshofes zur Besatzungspolitik Israels. Vor 20 Jahren, im Juli 2004, hatten die Richter erklärt, dass die von Israel auf der Westbank errichtete Mauer gegen internationales Recht verstoße und daher abgerissen werden müsse. Israel hielt sich aber nicht daran.

Eine Analyse des Gutachtens von SZ-Redakteur Ronen Steinke (SZ Plus): 
Nadja Tausche
Nadja Tausche

Bundesregierung: Israel "isoliert sich selbst“

Die Bundesregierung kritisiert die Resolution des israelischen Parlaments, die sich gegen einen palästinensischen Staat ausspricht. "Die Resolution steht im Widerspruch zu mehreren Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Israel entfernt sich damit von der überwältigen Mehrheit der internationalen Gemeinschaft und isoliert sich selbst“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. "Wir alle wissen, Isolation ist der Feind jeglicher Sicherheit“, warnte er. Auch wenn die Resolution nicht bindend sei, "ist sie dennoch ein Rückschlag in unserem Bemühen, Israels legitimen Sicherheitsinteressen mit dem Recht der Palästinenserinnen und Palästinenser auf Selbstbestimmung in Einklang zu bringen“.

Für die Bundesregierung sei klar, dass es zur Zwei-Staaten-Lösung keine Alternative gebe, die auch das Recht der Palästinenser wahre, so der Sprecher weiter. "Genauso wie die Israelis haben auch Palästinenserinnen und Palästinenser ein Recht auf ein Leben in Sicherheit und Würde, indem sie ihre Geschicke in einem eigenen Staat selbstbestimmt leiten können.“

Die Mehrheit der Knesset-Abgeordneten hatte für einen Beschluss gestimmt, der eine Staatsgründung Palästinas ablehnt. "Die Gründung eines palästinensischen Staates im Herzen des Landes Israel würde eine existenzielle Gefahr für den Staat Israel und seine Bürger darstellen“, hieß es in dem Beschluss. "Es wird nur eine Frage kurzer Zeit sein, bis die Hamas den palästinensischen Staat übernimmt und ihn in eine radikale islamische Terrorbasis verwandelt.“ Diese werde daran arbeiten, den Staat Israel zu vernichten.
Leopold Zaak
Leopold Zaak

Drohnenangriff auf Tel Aviv – ein Toter und mehrere Verletzte

In Tel Aviv hat es nach einem Drohnenangriff eine schwere Explosion gegeben. Das berichten mehrere israelische Medien übereinstimmend unter Berufung auf das israelische Militär. Den Rettungskräften zufolge soll ein Mensch dabei getötet worden sein, acht Menschen seien in Krankenhäuser gebracht worden. Nach Angaben der israelischen Armee handelte es sich um eine Langstreckendrohne, die vom Meer aus angeflogen sei und ein Wohnhaus getroffen habe. Auch umliegende Gebäude wurden demnach beschädigt. 

Zunächst war unklar, wer die Drohne abgefeuert hatte. Später reklamierte die jemenitische Huthi-Miliz den Angriff für sich. Auch die Armee geht davon aus, dass die Drohne möglicherweise von Huthi gestartet wurde. Das lasse sich jedoch noch nicht zweifelsfrei bestätigen. 

Die Gruppe kündigte an, weiterhin Ziele in Israel zu attackieren, weil sie solidarisch mit den Palästinensern im Gazastreifen seien. Die Huthi-Miliz gehört wie auch die libanesische Hisbollah-Miliz zur vom Iran geführten sogenannten Achse des Widerstandes und ist mit der radikalen Palästinenserorganisation Hamas verbündet. Das israelische Militär gab an, noch zu untersuchen, woher die Drohne kam, es schließe aber keine Möglichkeit aus.

Die Drohne wurde nach Angaben des israelischen Militärs wegen menschlichen Versagens nicht von der Flugabwehr abgefangen. Darauf deuteten erste Untersuchungen hin. "Wir sprechen von einem großen unbemannten Luftfahrzeug (UAV), das große Entfernungen zurücklegen kann", sagt der Militärsprecher vor der Presse.
Nadja Tausche
Nadja Tausche

Amnesty International wirft Israel Folter von Palästinensern aus Gaza vor

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft Israel vor, palästinensische Gefangene aus dem Gazastreifen zu misshandeln und zu foltern. Den Häftlingen würden außerdem über lange Zeiträume hindurch jeder Kontakt zu ihren Angehörigen sowie der Zugang zu Anwälten verwehrt, heißt es in einem neuen Bericht der Organisation.

Unter den Gefangenen seien auch unbewaffnete Zivilisten, die das Militär bei seinen Einsätzen im abgeriegelten Küstengebiet aus für sie nicht ersichtlichen Gründen festgenommen und in israelische Gefängnisse oder Lager gebracht hat. Der Bericht stützt sich auf die Befragung von 27 ehemaligen palästinensischen Gefangenen, unter ihnen fünf Frauen und ein 14-jähriger Junge. Alle hätten von Folter und anderer grausamer Behandlung durch das israelische Verhör- und Wachpersonal berichtet. Sie berichten unter anderem von Hunger, Schlägen und dem stundenlangen Verharren auf den Knien. 

Israel äußerte sich nicht zu den Vorwürfen des Berichts. In früheren Fällen, in denen den Behörden Folter und Misshandlung von palästinensischen Gefangenen vorgeworfen wurden, bestritt das Land jegliches Fehlverhalten.
Nadja Tausche
Nadja Tausche

Ab kommendem Sonntag: Israel zieht 1000 Ultraorthodoxe zum Militär ein

Bis vor Kurzem waren strengreligiöse Männer von der Wehrpflicht befreit. Das soll sich nun ändern: Vom kommenden Sonntag an will Israel Militär an etwa 1000 ultraorthodoxe Männer im Alter von 18 bis 26 Jahren Einberufungsbefehle verschicken. Das sagte Verteidigungsminister Joav Gallant nach Angaben des Kan-Radios. Dass Ultraorthodoxe zum Wehrdienst eingezogen werden sollen, hatte der Oberste Gerichtshof bereits im Juni entschieden.

Die Ausnahmeregelung galt jahrzehntelang, lief jedoch aus. Der Regierung gelang es nicht, ein Gesetz zu verabschieden, um die Erleichterungen für die Strengreligiösen zu zementieren.

Die Armee plant, in diesem Jahr in drei Schüben 3000 Strenggläubige einzuziehen. Angesichts des monatelangen Kriegs gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen warnt sie eindringlich vor einem drastischen Mangel an kampffähigen Soldaten.

Viele Israelis empfinden es als ungerecht, dass ultraorthodoxe Juden bislang keinen Dienst an der Waffe leisten mussten und von gefährlichen Kampfeinsätzen ausgenommen waren. Viele Ultraorthodoxe empfinden den Militärdienst dagegen als Bedrohung ihres frommen Lebensstils, unter anderem weil Frauen und Männer gemeinsam dienen. Gegen die Verpflichtung zum Militärdienst hatten zuletzt Tausende Ultraorthodoxe auf der Straße demonstriert.

Das Urteil des Obersten Gerichtshofes stellt die Koalition von Premier Benjamin Netanjahu vor eine neue Belastungsprobe, berichtete SZ-Redakteurin Nadja Lissok:
Maximilian Kornprobst

Mindestens 21 Menschen bei Angriffen im Gazastreifen getötet 

Israel setzt seine Angriffe im Gazastreifen fort. Die Streitkräfte bombardierten am Donnerstag Flüchtlingssiedlungen im Zentrum des Küstenstreifens und griffen Gaza-Stadt im Norden an. Dabei wurden mindestens 21 Menschen getötet, wie Anwohner und Vertreter der Gesundheitsbehörden sagten. Zudem seien Panzer in die Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens eingedrungen.

Viele der Menschen sind Anwohnern zufolge durch Luftangriffe in den Flüchtlingslagern Bureij, Nuseirat und Deir al-Balah getötet worden. Deir al-Balah ist die letzte größere Stadt im Palästinenser-Gebiet, in die die israelischen Streitkräfte bislang nicht eingedrungen waren. Auch die Stadt Sawayada werde angegriffen. In Gaza-Stadt wurden nach Angaben von medizinischem Personal fünf Palästinenser getötet.

Das israelische Militär gibt an, bei den Angriffen diverse Tunnel entdeckt zu haben. Zudem hätten Streitkräfte in Gaza-Stadt zwei hochrangige Kommandeure des Islamischen Dschihad getötet. Einer der Befehlshaber sei an dem Angriff vom 7. Oktober im Süden Israels beteiligt gewesen.
Jana Anzlinger
Jana Anzlinger

Ben-Gvir empört erneut mit Tempelberg-Besuch

Israels rechtsextremer Polizeiminister hat auf der Plattform X ein Video veröffentlicht, das ihn bei einem Besuch des Tempelbergs in Jerusalem zeigt. In dem Video sagt Itamar Ben-Gvir, er bete und arbeite hart dafür, dass Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Kraft habe, im Gaza-Krieg nicht nachzugeben, den militärischen Druck zu erhöhen und zu siegen. Er sei auf den Tempelberg gekommen, um für die Geiseln und ihre Rückkehr "ohne einen leichtsinnigen Deal, ohne Kapitulation" zu beten.

Ben Gvir hat schon mehrfach damit gedroht, aus der Koalition auszutreten, sollte Netanjahu einem Abkommen zur Freilassung der Geiseln mit der Hamas zustimmen, in dessen Rahmen auch der Krieg beendet würde. Netanjahu ist für sein politisches Überleben auf seine ultra-religiösen und rechtsextremen Koalitionspartner angewiesen, die Kompromisse bei den Verhandlungen ablehnen. 

Ben-Gvir hatte den Tempelberg bereits mehrfach besucht, seitdem er im Amt ist. Dies hatte international stets für Kritik gesorgt. Der Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Sie ist aber auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Die Heiligtümer auf dem Plateau des Tempelbergs werden von einer jordanischen Stiftung verwaltet, während Israel für die Sicherheit zuständig ist. Laut einer Vereinbarung mit den muslimischen Behörden dürfen Juden die Anlage besuchen, dort aber nicht beten. Dagegen gibt es jedoch immer wieder Verstöße. 
Maximilian Kornprobst

Israel tötet Hamas-Kommandant in Libanon 

Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge am Morgen den Hamas-Kommandanten Mohammed Dschabara mit einem Drohnenangriff in Libanon getötet. Er habe neben der Hamas auch der mit ihr verbündeten Gruppe Al-Dschamaa al-Islamija angehört. Die militante Organisation steht der Schiitenmiliz Hisbollah sowie der Hamas im Gazastreifen nahe und unterstützt nach eigenen Angaben deren Kampf gegen Israel. 

Dschabara sei ums Leben gekommen, als sein Fahrzeug im Osten des Landes getroffen wurde, hieß es aus libanesischem Sicherheitskreisen. Demnach geriet sein Wagen bei dem Angriff in der Bekaa-Ebene in Brand. Auch die libanesische Staatsagentur NNA meldete den Vorfall. 

Dschabara sei für Attacken auf Israel von Libanon aus, darunter auch Raketenbeschuss, verantwortlich gewesen. Sein Tod sei ein Schlag gegen die Fähigkeiten der Hamas, Angriffe auf den Staat Israel im Gebiet der nördlichen Grenze zu planen und auszuüben, teilte die israelische Armee mit. Die Hamas bestätigte den Tod von Dschabara. 
Julia Bergmann
Julia Bergmann

Oxfam: Israel nutzt Wasser als Kriegswaffe

Im Gazastreifen stehen den Menschen pro Tag und Person Oxfam zufolge lediglich 4,74 Liter Wasser zur Verfügung. Das sei „weniger als eine einzige Toilettenspülung“ und 94 Prozent weniger als vor dem Krieg, erklärte die Entwicklungsorganisation. In ihrem am Donnerstag vorgestellten Bericht „Water War Crimes“ wirft sie Israel den systematischen Einsatz von Wasser als Kriegswaffe vor.

Das international anerkannte Minimum in Notfallsituationen liege bei 15 Litern Wasser pro Person und Tag; dreimal mehr, als jeder Bewohner des Gazastreifens durchschnittlich seit dem 7. Oktober zur Verfügung habe. Aufgrund der Kampfhandlungen könne humanitäre Hilfe im Gazastreifen nur stark eingeschränkt geleistet werden. Dabei mangele es vor allem an sauberem Wasser, so Oxfam. Die dadurch resultierende Gesundheitskatastrophe forderte bereits zahlreiche Krankheits- und Todesfälle. So litten ein Viertel der Bewohner an vermeidbaren Krankheiten, die durch schlechte Wasser- und Hygieneverhältnisse übertragen würden.

Oxfam wirft Israel vor, externe Wasserlieferungen ausgesetzt, vorhandene Wasserversorgungsanlagen zerstört sowie Hilfslieferungen behindert zu haben. Dies sei eine systematische, gegen das Völkerrecht verstoßende Nutzung von Wasser als Kriegswaffe. Der massiv eingeschränkte Zugang zu Wasser und anderen überlebenswichtigen Hilfsgütern komme einer Kollektivstrafe für die Zivilbevölkerung gleich.

Kritik übte die Organisation auch an den Einfuhrhindernissen für dringend benötigte Ausrüstung zur Wasserversorgung durch Israel. „Sechs Entsalzungsanlagen von Oxfam, zahlreiche Wassertestvorrichtungen und Ersatzteile für Trinkwasserleitungen“ hingen seit Monaten an der Grenze zum Gazastreifen fest, obwohl alle Voraussetzungen für deren Einfuhr erfüllt seien. 
Leopold Zaak
Leopold Zaak

Knesset verabschiedet Resolution gegen einen palästinensischen Staat

Das israelische Parlament hat mit großer Mehrheit eine Resolution verabschiedet, die einen palästinensischen Staat ablehnt. Der Text wurde mit einer großen Mehrheit angenommen – 68 Abgeordnete stimmten dafür, neun dagegen, es gab keine Enthaltungen.

In der Resolution heißt es, ein palästinensischer Staat "im Herzen des Landes Israel" sei eine "existenzielle Gefahr für den Staat Israel und seine Bürger“. In einem palästinensischen Staat würde nach derzeitigen Verhältnissen die Hamas an die Macht kommen, heißt es weiter. Mit der Anerkennung eines palästinensischen Staates würde man außerdem die Terroranschläge des 7. Oktober "belohnen". Eingereicht wurde die Resolution von Ze’ev Elkin, einem konservativen Politiker aus der Knesset-Fraktion des Zentrumspolitikers Benny Gantz. 

Die Resolution hat keine direkten Konsequenzen auf politische Entscheidungen und Gesetze, sie hat vielmehr einen symbolischen Charakter. Sie soll zeigen, "dass der Druck, Israel einen palästinensischen Staat aufzuzwingen, sinnlos ist“, sagte etwa der Abgeordnete Gideon Sa'ar. Die Abstimmung über die Resolution kommt für die Regierung von Benjamin Netanjahu durchaus zu einem heiklen Zeitpunkt: Der Ministerpräsident reist in wenigen Tagen in die USA, auch um dort mit Präsident Joe Biden zu sprechen. Biden hatte in den vergangenen Wochen immer wieder versucht, Netanjahu unter Druck zu setzen, zum Beispiel beim Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen. Viele US-Demokraten sehen die Unterstützung Israels kritisch.
Kassian Stroh
Kassian Stroh

USA stellen Betrieb des provisorischen Hafens vor Gaza ein 

Die USA stellen den Betrieb der provisorischen Anlegestelle für humanitäre Hilfsgüter an der Küste des Gazastreifens endgültig ein. Die Mission sei beendet, teilte ein Vertreter des US-Militärs mit.

Der Pier war errichtet worden, um die Lieferung zusätzlicher Hilfe in das Küstengebiet zu ermöglichen. Seit der Inbetriebnahme im Mai gab es jedoch ständig Probleme. Die Anlage wurde bei heftigem Seegang beschädigt. Auch die Verteilung der Hilfsgüter für die Not leidenden Menschen in dem umkämpften Küstenstreifen gestaltete sich als sehr schwierig. Ende Juni war die Anlage dann wegen rauen Seegangs abgebaut und nach Aschdod an die israelische Küste geschleppt worden.

Der Plan war eigentlich, dass Frachter Hilfslieferungen von Zypern aus zunächst zu einer schwimmenden Plattform einige Kilometer vor der Küste des Gazastreifens bringen. Die Güter sollten dort auf kleinere Schiffe verladen werden, die näher an die Küste heranfahren können. Diese sollten dann an dem an der Küste befestigten temporären Pier anlegen, wo Lastwagen die Ladungen übernehmen sollten.
Kassian Stroh
Kassian Stroh

Protest bei Nahost-Sitzung des UN-Sicherheitsrats 

Dass es in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates zu Demonstrationen kommt, ist höchst selten. An diesem Mittwoch ist es passiert: Bei einer Sitzung zum Krieg im Nahen Osten hielten zwei schwarz gekleidete Frauen Blätter hoch und forderten die Freilassung der israelischen Geiseln im Gazastreifen. In diesem Moment redete gerade der russische Außenminister Sergej Lawrow, der die Sitzung leitete. Er sagte zu den Frauen: "Ich verstehe nicht, sprechen Sie deutlicher. Eine von Ihnen kann klar und deutlich sagen, was Sie sagen wollen. Wie ich sehe, wollen Sie das nicht tun." Diplomaten im Saal sagten, die Frauen hätten gerufen: "Befreit die Geiseln!" Der Sicherheitsdienst forderte die Frauen nach Angaben eines UN-Beamten dann auf, den Saal zu verlassen, was sie auch taten.
Im Saal des UN-Sicherheitsrates demonstrieren zwei Frauen für die Freilassung israelischer Geiseln.
Im Saal des UN-Sicherheitsrates demonstrieren zwei Frauen für die Freilassung israelischer Geiseln. Foto: Eduardo Munoz/Reuters
Die Sondersitzung hatte Russland angesetzt, das im Sicherheitsrat derzeit turnusgemäß den Vorsitz innehat. Lawrow gab den USA die Verantwortung für die vielen Toten in den palästinensischen Gebieten und in der Ukraine. „Indem Washington Israel diplomatischen Schutz gibt und Waffen und Munition liefert, ist es - das ist allen klar - ein direkter Beteiligter des Konflikts geworden, genau wie in der Ukraine“, sagte Lawrow laut russischen Agenturen. Die beispiellose Welle der Gewalt im Nahen Osten sei eine Folge der US-Politik in der Region.

Der Krieg in der Ukraine hat mit der Invasion russischer Truppen begonnen, der Krieg im Nahen Osten mit dem Überfall von Terroristen der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppen im Süden Israels, die 1200 Menschen ermordet und weitere 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt haben.
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