Krieg in Nahost:Hamas und Islamischer Dschihad antworten auf US-Vorschlag zu Waffenruhe

Sie seien bereit zu einer positiven Einigung, heißt es darin. Mehr Details aus der Antwort an die Vermittler Katar und Ägypten werden zunächst nicht bekannt. Netanjahu steht laut Blinken hinter dem Vorschlag der USA.

Alle Entwicklungen im Liveblog

Dieser Liveblog ist archiviert und wird nicht mehr aktualisiert. Die aktuelle Berichterstattung finden Sie auf unserer Themenseite zum Krieg in Nahost. 

Wichtige Updates

Israelische Delegation verschiebt Abreise zu Verhandlungen nach Katar

Netanjahu trifft Biden und Harris am Donnerstag

Trump will Netanjahu in Florida treffen

Fatah und Hamas sollen sich versöhnt haben

Sieben Palästinenser bei Kämpfen im Westjordanland getötet 

Kassian Stroh
Kassian Stroh

Ben-Gvir fordert, Juden auf dem Tempelberg das Gebet zu erlauben

Israels rechtsextremer Polizeiminister Itamar Ben-Gvir hat sich dafür ausgesprochen, auch Juden das Gebet auf dem Tempelberg in Jerusalem zu erlauben - entgegen des seit geraumer Zeit geltenden Status quo, was für viele Muslime eine schwere Provokation darstellt. „Ich bin Teil der politischen Führung und die politische Führung erlaubt das jüdische Gebet auf dem Tempelberg“, sagte Ben-Gvir bei einer Konferenz in der Knesset. Er selbst hatte den Tempelberg kürzlich besucht und dort nach eigenen Angaben auch gebetet. Dies verstößt gegen eine lange eingehaltene Praxis. 

Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Sie ist aber auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Der Tempelberg steht unter muslimischer Verwaltung, während Israel für die Sicherheit zuständig ist. Gemäß einer Vereinbarung mit den muslimischen Behörden dürfen Juden die Anlage besuchen, dort aber nicht beten. Dagegen gibt es jedoch immer wieder Verstöße. 

Ben-Gvir kritisiert diese Vereinbarung als rassistisch und als Diskriminierung von Juden. Seit er im Amt ist, hat er bereits mehrmals den Tempelberg besucht. Seine öffentlichkeitswirksamen Besuche dort lösten auch international Empörung aus. In der arabischen Welt gelten solche Visiten als offene Provokation.

Das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte mit einer knappen Mitteilung auf Ben-Gvirs Vorstoß: „Israels Politik der Aufrechterhaltung des Status quo auf dem Tempelberg hat sich nicht geändert und wird sich auch nicht ändern.“ Mehrere Koalitionspartner wiesen Ben-Gvirs Vorstoß ebenfalls entschieden zurück.
In der israelischen Regierung sitzt ein Pyromane, der versucht, den Nahen Osten zu entflammen.
Joaw Gallant, israelischer Verteidigungsminister auf der Plattform X
Der für die heiligen Stätten zuständige Polizeichef stellte klar, dass seine Einheit das jüdische Gebet auf dem Tempelberg nicht erlaubt. Ultraorthodoxe Politiker wie Innenminister Mosche Arbel bezeichneten Ben-Gvirs Gebet auf dem Tempelberg als Blasphemie. Ihrer Ansicht nach ist es Juden aus religiösen Gründen strikt verboten, das Gelände überhaupt zu betreten.
Matthias Becker
Matthias Becker

Israelische Delegation verschiebt Abreise zu Verhandlungen nach Katar

Entgegen der bisherigen Planung wird eine israelische Delegation doch nicht am Donnerstag zu weiteren Gesprächen über einen Geisel-Deal und einen Waffenstillstand zwischen Israel und der islamistischen Hamas nach Katar reisen. Eine israelische Repräsentantin bestätigte entsprechende Berichte israelischer Medien. Stattdessen soll die Delegation nun erst in der kommenden Woche nach Katar reisen. Das genaue Datum ist laut der Repräsentantin noch unklar. 

Hintergrund sei, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und US-Präsident Joe Biden an diesem Donnerstag in Washington über Möglichkeiten beraten wollten, wie man zu einer Vereinbarung mit der Hamas kommen könne. An der Spitze der Delegation steht den Angaben zufolge erneut David Barnea, Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad. Barnea sollte der katarischen Regierung die aktuelle Verhandlungsposition Israels erläutern. Katar vermittelt gemeinsam mit Ägypten und den USA zwischen Israel und der Hamas.

Die Gespräche kommen seit längerer Zeit nicht vom Fleck. Zuletzt hatte die Hamas nach Medienberichten mehr Flexibilität gezeigt. Netanjahu erhob jedoch neue Forderungen – so beispielsweise nach einem längeren Verbleib israelischer Truppen an strategischen Stellen des Gazastreifens.
Julia Bergmann
Julia Bergmann

Netanjahu trifft Biden und Harris am Donnerstag

US-Präsident Joe Biden empfängt den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Donnerstag im Weißen Haus. Bei den Beratungen werde es um die Fortschritte hin zu einer Waffenruhe im Gazastreifen und einer Freilassung der dort festgehaltenen Geiseln gehen, teilt das US-Präsidialamt mit. Mit Vize-Präsidentin Kamala Harris werde sich Netanjahu getrennt treffen. Noch am Mittwoch ist eine Rede Netanjahus vor dem US-Kongress geplant.
Julia Hippert
Julia Hippert

UN-Generalsekretär Guterres begrüßt von China vermittelte Einigung zwischen Hamas und Palästinensergruppen 

Das teilen die Vereinten Nationen in ihrem Regionalen Inforationszentrum mit. Alle Schritte in dieser Richtung sollten unterstützt werden, sagte ein Sprecher in New York. 

Bei einem Treffen in Peking hatten sich 14 rivalisierende palästinensische Gruppierungen, neben der Hamas auch die im Westjordanland regierende Fatah-Partei, auf eine mögliche Übergangsregierung für die Zeit nach einem möglichen Ende des Gaza-Kriegs geeinigt. Laut der sogenannten „Pekinger Erklärung“ solle diese Übergangsregierung Befugnisse in allen palästinensischen Gebieten haben. Aufgeführt wurden in dem Papier der Gazastreifen, das Westjordanland und das von Israel besetzte Ost-Jerusalem. 

Israel übte scharfe Kritik an der Einigung und insbesondere an Palästinenserpräsident Abbas. Dieser umarme die Mörder der Hamas und offenbare damit sein wahres Gesicht, schrieb der israelische Außenminister Katz im Onlinedienst X. 
Julia Hippert
Julia Hippert

Proteste vor Netanjahus Rede im US-Kongress

An diesem Mittwoch hält Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine mit Spannung erwartete Rede vor beiden Kammern des US-Kongresses. Dabei soll es unter anderem um den seit mehr als neun Monaten tobenden Gaza-Krieg gehen. Angehörige israelischer Geiseln, die Netanjahu auf seiner US-Reise begleiten, erhoffen sich eine Ankündigung des Regierungschefs über eine Waffenruhe und Freilassung von Geiseln im Gegenzug für palästinensische Häftlinge.

Bereits am Tag vor Netanjahus Rede, kam es zu Protesten rund um das Kapitol. Die Polizei nahm mehrere Demonstranten fest, die in einem Gebäude des US-Parlaments gegen den Gaza-Krieg protestiert hatten. Sie hätten das zum Gebäudekomplex des Kapitols gehörige Cannon House Office Building zwar legal betreten, teilte die Kapitolpolizei am Dienstag mit. Protest sei dort aber nicht erlaubt. Weil die Demonstranten der Aufforderung, den Protest zu beenden nicht nachkamen, sei das Gebäude geräumt worden. Dort war es in den vergangenen Monaten bereits zu ähnlichen Protestaktionen gekommen.
Bereits gestern haben Angehörige der israelischen Geiseln vor dem Kongress protestiert.
Bereits gestern haben Angehörige der israelischen Geiseln vor dem Kongress protestiert. Craig Hudson/Reuters
Es ist Netanjahus erster Besuch in Washington seit fast vier Jahren und seine erste Auslandsreise seit dem Terrorüberfall der islamistischen Hamas in Israel am 7. Oktober, der zum Krieg in Gaza führte. Netanjahu wolle seine Rede vor dem US-Kongress nutzen, um sowohl sein angeschlagenes Image als „Beschützer Israels“ als auch des israelischen Politikers mit dem größten Einfluss in den USA zu rehabilitieren, schrieb der gut vernetzte israelische Journalist Barak Ravid auf dem US-Nachrichtenportal Axios. Er werde sich um die Unterstützung beider politischer Lager in den USA bemühen, sagte der israelische Regierungschef. „In dieser Zeit von Krieg und Ungewissheit ist es wichtig, dass Israels Feinde wissen, dass Amerika und Israel zusammenstehen - heute, morgen und immer“, sagte Netanjahu.

Dutzende demokratischen Abgeordneten haben angekündigt, dass sie Netanjahus Rede boykottieren werden, vor allem wegen Israels Vorgehen im Gaza-Krieg, berichtete Ravid kürzlich bei Axios. Auch Vizepräsidentin Kamala Harris wird der Rede nicht beiwohnen. Sie habe eine Reise nach Indianapolis geplant, wie die New York Times berichtet. 
Katja Guttmann
Katja Guttmann

Trump will Netanjahu in Florida treffen

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump will laut eigenen Angaben Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu in seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida empfangen. Das kündigte der frühere US-Präsident über seine Online-Plattform Truth Social an. Zunächst hatte Trump Mittwoch als Termin genannt, kurz darauf dann Donnerstag. Dann teilte er mit, das Treffen werde erst am Freitag stattfinden. Das gehe auf den Wunsch Netanjahus zurück.

Die Times of Israel zitiert eine Erklärung von Netanjahus Büro, es sei für den Staat Israel von großer Bedeutung, dass der Ministerpräsident sowohl mit US-Präsident Joe Biden als auch mit den beiden Spitzenkandidaten für die zukünftige US-Präsidentschaft Gespräche führe. „Am Donnerstag hat das Weiße Haus für 13 Uhr ein Treffen zwischen Präsident Biden und Premierminister Netanjahu angesetzt, und für den Nachmittag ist ein Treffen mit der Vizepräsidentin [Kamala Harris] geplant“, heißt es in der Erklärung. „Die einzige Möglichkeit, Donald Trump zu treffen, besteht daher am Freitag.“  Wegen des Treffens mit Trump werde Netanjahu über den jüdischen Sabbat in den USA bleiben müssen, so die Zeitung. Ursprünglich wollte Netanjahu am Donnerstag zurückfliegen.

Klar ist bereits: Netanjahu hält am Mittwoch eine Rede zum Gaza-Krieg im US-Kongress. 
Jana Anzlinger
Jana Anzlinger

Fatah und Hamas sollen sich versöhnt haben

Die seit Jahren verfeindeten palästinensischen Gruppierungen Fatah und Hamas haben nach Berichten chinesischer Medien ihre Streitigkeiten beendet. In einer gemeinsamen Erklärung hätten sich verschiedene palästinensische Gruppierungen darauf geeinigt, ihre Spaltungen zu überwinden und die Einheit der Palästinenser zu stärken. China hatte seit April Vermittlungen zwischen den rivalisierenden Gruppen ausgerichtet.

Das Dokument sei bei einer Zeremonie zum Abschluss von Verhandlungen unterzeichnet worden, die vom 21. bis 23. Juli in Peking geführt worden seien, berichtete der staatliche Sender CCTV. Insgesamt seien 14 palästinensische Gruppierungen an den Verhandlungen beteiligt gewesen, hieß es in dem Bericht. Auch die Anführer der Hamas und der Fatah seien anwesend gewesen. Chinas Außenminister Wang Yi sei bei der Konferenz dabei gewesen.

Die Fatah und die Hamas sind die zwei größten Palästinenserorganisationen - und erbitterte Rivalen. Seit einigen Jahren gibt es aber Versöhnungsgespräche zwischen den beiden Organisationen. Die Kämpfer der radikal-islamischen Hamas vertrieben 2007 die Fatah aus dem Gazastreifen. Seit Oktober führen Israel und die Hamas Krieg. Die Fatah ist die Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Er ist der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde. Sie übt eine eingeschränkte Selbstverwaltung im von Israel besetzten Westjordanland aus.

Israels Außenminister Israel Katz kritisierte Abbas für das Abkommen. Anstatt Terror abzulehnen, umarme er „die Mörder und Vergewaltiger der Hamas und offenbart damit sein wahres Gesicht“, schrieb Katz auf der Plattform X. Israel werde nicht zulassen, dass es soweit komme, und werde stattdessen die Herrschaft der Terrororganisation Hamas zerschlagen. 
Maximilian Kornprobst

Sieben Palästinenser bei Kämpfen im Westjordanland getötet 

Bei Einsätzen israelischer Soldaten im besetzten Westjordanland sind nach palästinensischen Angaben sieben Menschen getötet worden. In der Stadt Tulkarm ist es demnach bei einer Razzia zu Kämpfen gekommen. Dabei seien jeweils ein Kämpfer von Hamas und Fatah, eine Frau und zwei zunächst Unbekannte getötet worden. Laut israelischen Medienberichten ist der Chef des militärischen Arms der Hamas in Tulkram, Ashraf Nafa, unter den Getöteten. Das israelische Militär bestätige dies der Jerusalem Post. Nafa sei unter anderem für die Herstellung von Sprengstoff sowie die Rekrutierung von neuen Hamas-Mitgliedern zuständig gewesen.

Bei einer weiteren Razzia in Hebron seien zwei Palästinenser getötet worden, deren Identität zunächst nicht ermittelt wurde. Ein Sprecher des israelischen Militärs teilte mit, Bewaffnete in der Gegend seien aus der Luft angegriffen worden. Zudem sei es zu Schusswechseln gekommen. 
Nadja Tausche
Nadja Tausche

Dutzende Tote bei israelischen Angriffen auf Chan Yunis

Die israelische Armee greift erneut in Chan Yunis im südlichen Gazastreifen an. Laut Augenzeugen gibt es vor allem im Osten der Stadt Gefechte. Berichten zufolge sind dabei Dutzende Menschen zu Tode gekommen - wie viele genau, dazu kursieren unterschiedliche Zahlen. Krankenhausmitarbeiter in Chan Yunis teilten mit, mindestens 39 Palästinenser seien ums Leben gekommen, unter ihnen Frauen und Kinder. Weitere 80 hätten Verletzungen erlitten. Die von der Hamas geführte Gesundheitsbehörde hatte zuerst von 49, anschließend sogar von 70 Toten nach Angriffen des Militärs auf Gebiete in und um die Stadt berichtet. Mehr als 200 Menschen seien beim Beschuss durch Panzer und aus der Luft verletzt worden. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. 

Zuvor hatte die Armee die Bewohner im östlichen Teil der Stadt dazu aufgerufen, das Gebiet unverzüglich zu verlassen. Nachrichtendienstliche Erkenntnisse hätten ergeben, dass die islamistische Hamas von dort aus Raketenangriffe auf Israel durchführte, teilte die Armee auf Telegram mit. Man würde dagegen entschieden vorgehen, für Zivilisten würde es gefährlich werden. Laut Augenzeugen machten sich Tausende Zivilisten auf die Flucht. Viele von ihnen waren bereits zuvor vor dem Krieg aus anderen Teilen des Gazastreifens geflüchtet.

Später bestätigte die Armee den Einsatz und gab bekannt, dass unter Einsatz von Flugzeugen und Panzern Hamas-Kämpfer getötet sowie mehr als 30 militärische Einrichtungen zerstört worden seien, darunter Waffenlager, Beobachtungsposten und Tunnel. Auch diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Das israelische Militär war in der Vergangenheit mehrfach und auch über längere Zeiträume hinweg in Chan Yunis gegen Kampfeinheiten der Hamas aktiv gewesen, hatte sich aber danach jeweils wieder auf feste Positionen außerhalb der Stadt zurückgezogen. Die Armee wirft der Hamas vor, dies ausgenutzt zu haben, um dort erneut einzusickern und dabei auch Teile der von Israel deklarierten humanitären Zone für ihre Aktivitäten zu nutzen.
Dimitri Taube

Baerbock nutzt UN-Gutachten für Appell an Israel

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock hat Israel aufgefordert, Konsequenzen aus einem UN-Rechtsgutachten zu dessen Besatzungspolitik zu ziehen. In dem am Freitag veröffentlichten Dokument des Internationalen Gerichtshofes (IGH) in Den Haag heißt es, Israels Besatzung der palästinensischen Gebiete sei illegal und müsse so schnell wie möglich beendet werden. "Selbst wenn dieses Gutachten nicht bindend ist, wäre die israelische Regierung gut beraten, dieses Gutachten ernst zu nehmen", sagte die Grünen-Politikerin bei einem EU-Außenministertreffen in Brüssel.

Den IGH-Text bezeichnete Baerbock als "wegweisend". Das Gutachten zeige auch die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft für eine Zweistaatenlösung. Diese sei die einzige Sicherheit, dass Palästinenser und Israelis perspektivisch gemeinsam in Frieden leben können.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kritisierte dagegen das UN-Dokument. Er schrieb auf der Plattform X: "Das jüdische Volk ist kein Besatzer in seinem eigenen Land." Es sei absurd, die historische Wahrheit oder das Recht der Israelis, in ihren eigenen Gemeinden ihrer angestammten Heimat zu leben, zu leugnen.

Zuvor hatte sich das israelische Parlament erneut gegen die Gründung eines palästinensischen Staates ausgesprochen.
Dimitri Taube

Israel erklärt zwei weitere Geiseln für tot

Die israelische Armee hat zwei weitere im Gazastreifen festgehaltene Geiseln für tot erklärt. Es handelt sich dabei um Jagev Buchstab, einen 35-jährigen Musiker, und Alex Dancyg, einen Historiker mit polnischer und israelischer Staatsbürgerschaft, der am Sonntag 76 Jahre alt geworden wäre. Beide seien am 7. Oktober vergangenen Jahres nahe der Grenze zum Gazastreifen beim Angriff der Hamas und des Islamischen Dschihads verschleppt worden, teilte die Armee mit. Man habe die Familien informiert, dass die Männer nicht mehr am Leben seien. Ihre Leichen würden von der Hamas festgehalten. Die Entscheidung, sie für tot zu erklären, basiere auf Geheimdienstinformationen und sei von einem Expertenforum gebilligt worden. Die Umstände ihres Todes in der Gewalt der Hamas würden untersucht.

Wie die Zeitung Times of Israel berichtet, machte das Militär keine näheren Angaben zu den Todesumständen. Auch die Möglichkeit, dass die beiden Männer durch israelisches Feuer getötet wurden, werde untersucht, schreibt die Zeitung.

"Jagev und Alex wurden lebend gefangen genommen und hätten lebend zu ihren Familien und in ihr Land zurückkehren sollen", heißt es in einer Erklärung des "Hostage Families Forum", eines Gremiums, das von den Familien der Geiseln und vermissten Personen gegründet wurde. Ihr Tod in Gefangenschaft sei tragisch und Folge "von Verzögerungstaktiken bei den Verhandlungen", schreibt das Forum. Man fordere von der israelischen Regierung, einem Geisel-Abkommen umgehend zuzustimmen. "Mit jeder Woche, die vergeht, läuft die Zeit für die Geiseln ab."

Laut Times of Israel haben die israelischen Streitkräfte nun den Tod von 44 der verbleibenden 116 Geiseln bestätigt. Über die Freilassung der Geiseln laufen indirekte Verhandlungen, die in dieser Woche wiederaufgenommen werden sollen. Insgesamt entführte und verschleppte die Hamas am 7. Oktober 251 Menschen aus Israel.
Dimitri Taube

Israel ordnet Evakuierung im Süden des Gazastreifens an

Das israelische Militär hat die verbliebene Bevölkerung in den östlichen Stadtteilen von Chan Yunis aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Die Menschen seien aufgefordert, ihre Häuser zu räumen und sich in die als Auffanglager ausgewiesene sogenannte humanitäre Zone Al-Mawasi zu begeben. Gesundheitseinrichtungen seien davon nicht betroffen. 

Israel begründete sein Vorgehen mit neuen Angriffen militanter Palästinenser vom östlichen Teil von Chan Yunis aus, bei denen unter anderem Raketen abgefeuert worden seien. Von palästinensischer Seite wurde dies bestritten und als Vorwand für weitere israelische Angriffe bezeichnet.

Unterdessen sollen bei neuen israelischen Angriffen im Gazastreifen mindestens 39 Palästinenser, unter ihnen viele Frauen und Kinder, getötet worden sein, teilten Krankenhausmitarbeiter in Chan Yunis mit. Weitere 80 Personen hätten Verletzungen erlitten. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. 

Nach Angaben der Gaza-Gesundheitsbehörde habe es die Todesopfer infolge von Luftangriffen und Panzerbeschuss in der Nähe von Chan Yunis gegeben. 
Maximilian Kornprobst

Unicef besorgt über Polioviren im Wasser im Gazastreifen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat an sechs verschiedenen Orten im Gazastreifen Polioviren vom Typ 2 im Wasser nachgewiesen. Diese können Kinderlähmung verursachen. Bisher seinen allerdings noch keine Fälle von Lähmungen oder Infektionen mit Polio bekannt, sagte die Sprecherin von Unicef Deutschland, Christine Kahmann. Derzeit versuchten WHO und Unicef, das Ausmaß der Verseuchung zu ermitteln.

Kahrman forderte einen Waffenstillstand, um die Trinkwasserversorgung und die Abwassersysteme im Gazastreifen wiederherzustellen, damit sich Krankheiten schwerer verbreiten könnten. Fehlendes oder verschmutztes Wasser seinen gerade für Kinder gefährlich, da sie ein schwächeres Immunsystem hätten. Vor Beginn des aktuellen Konfliktes zwischen Israel und der palästinensischen Terrororganisation Hamas seien die meisten Kinder in dem Küstengebiet gegen Polio geimpft und somit geschützt gewesen. 
Leopold Zaak
Leopold Zaak

Israel will in Katar weiterverhandeln

Im Rahmen der schleppend verlaufenden indirekten Verhandlungen mit der islamistischen Hamas entsendet Israel wieder eine Delegation nach Katar. Die Abordnung werde sich am Donnerstag auf den Weg machen, teilte das Ministerpräsidentenamt in Jerusalem mit. Dies habe Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach Beratungen über die Geiselfrage entschieden, die er mit dem Verhandlungsteam und den Spitzen des Sicherheitsapparates geführt hatte, hieß es in der Mitteilung weiter. David Barnea, der Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad, führt nach Medienberichten wie schon in der Vergangenheit die Delegation an. 

Netanjahus Entscheidung erfolgte kurz vor seiner Abreise nach Washington, wo er am Dienstag US-Präsident Joe Biden treffen und am Mittwoch eine Rede im Kongress halten will. Barnea soll der katarischen Regierung die aktuelle Verhandlungsposition Israels erläutern. Diese steht in Kontakt mit der Hamas-Führung. Der Mossad-Chef hätte schon letzte Woche nach Doha aufbrechen sollen, seine Reise wurde jedoch verschoben. Bei den Gesprächen vermitteln neben Katar auch Ägypten und die USA. Dabei geht es um den Austausch der verbliebenen Geiseln in der Gewalt der Hamas gegen palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen sowie die Herbeiführung einer Waffenruhe im Gaza-Krieg. 

Zuletzt hatte die Hamas mehr Flexibilität gezeigt. Netanjahu erhob jedoch neue Forderungen – so etwa die nach einem längeren Verbleib israelischer Truppen an strategischen Stellen des Gazastreifens –, weswegen die Gespräche in letzter Zeit nicht vom Fleck kamen. Noch ist unklar, ob der israelische Premier seinen Emissär mit einem großzügigeren Verhandlungsmandat ausstattete, um wieder Bewegung in den Prozess zu bringen.
Katja Guttmann
Katja Guttmann

Huthi-Anführer ist glücklich über "direkten Kampf mit dem israelischen Feind“ 

Der tödliche Angriff der Miliz auf Tel Aviv sei eine „neue Stufe der Eskalation“ gewesen, sagte Anführer Abdel-Malik al-Huthi in einer im jemenitischen Fernsehsender Al-Masirah übertragenen Rede. „Wir sind sehr glücklich über unseren direkten Kampf mit dem israelischen Feind.“ Die Miliz verbessere ihre Fähigkeiten laufend und sei in dem Kampf nun „stärker als zuvor“, behauptete er. Israels Angriff auf den Hafen von al-Hudaida in Jemen werde nur zu noch mehr Aktionen gegen Israel führen.

Die Huthi werden vom Iran unterstützt. Teheran spricht zwar nur von politischer Unterstützung der schiitischen Miliz und bestreitet, diese mit Waffen zu versorgen. Das US-Militär fing mit Partnern in den vergangenen zehn Jahren aber mindestens 20 iranische Schiffe ab, die Raketen, Raketenteile, Marschflugkörper, Drohnen, Tausende Sturmgewehre und anderes Kriegsgerät an die Huthi liefern sollten.

Die Miliz hat ihr Waffenarsenal in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut und stellt dies regelmäßig bei Militärparaden zur Schau. Die Raketen sollen eine Reichweite von bis zu 2 000 Kilometern haben, womit diese vom Jemen aus auch Israel samt der Küstenmetropole Tel Aviv treffen könnten.
Ein Bild des Milizenführers Abdul-Malik al-Huthi in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa.
Ein Bild des Milizenführers Abdul-Malik al-Huthi in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. AFP
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