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Israel im Atomstreit mit Iran:Test für den Mut der Mullahs

Es könnte allerdings sehr schnell sehr viel schlechter laufen - von dem Augenblick an, in dem er vom Wort zur Tat schreitet. Bei einem militärischen Alleingang gegen Iran könnte Netanjahu all das, was er gewonnen hat, auf einen Schlag verlieren. Der Westen, der ihn jetzt so angenehm in Watte packt, wird ihm kaum verzeihen, dass er mitten in den arabischen Aufbruch hinein einen neuen Regionalkonflikt heraufbeschwört und obendrein die Weltwirtschaft wegen steigender Ölpreise ins Wanken bringt.

Zudem ist keinesfalls klar, was ein solcher Krieg tatsächlich für Israel bedeuten würde. Bei aller einschlägigen Erfahrung hat die Metropole Tel Aviv bislang nur einmal im Golfkrieg von 1991 unter Beschuss gelegen - und dieses Trauma bis heute kaum verarbeitet. Am Ende könnte Netanjahu auch noch von den Wählern vom Hof gejagt werden, weil er sie allzu blind den Gefahren des Gegenschlags ausgesetzt hat.

Das alles wäre ein sehr hoher Preis dafür, dass ein israelischer Angriff nach Meinung fast aller Experten das iranische Atomprogramm nur für kurze Zeit zurückwerfen würde. Unter dem Strich spricht vieles dafür, dass auch Netanjahu all seiner starken Worte zum Trotz diesen Krieg nicht wollen kann. Obendrein ist er in seiner politischen Karriere - anders als manche seiner stilleren Vorgänger - nicht als Haudegen, sondern als Zinker und Zauderer aufgefallen. Ein Bluff also würde zu Netanjahu passen.

Dieser Bluff wäre dann nicht nur darauf angelegt, den Mut der Mullahs zu testen. Mindestens genauso wichtig ist die Wirkung, die er in Washington entfalten soll. Israels Führung hat klargemacht, dass es allerhöchstens einen Grund geben könnte, auf einen Alleingang zu verzichten: eine felsenfeste Garantie der USA, Iran mit militärischen Mitteln vom Atombombenbau abzuhalten. Auch auf diesem Weg ist Netanjahu erfolgreich vorangekommen: US-Präsident Barack Obama steht bei ihm im Wort, und falls Mitt Romney die Wahl gewinnt, sitzt im Weißen Haus ohnehin ein Bruder im Geiste.

Realpolitisch betrachtet, wirkt die Aufregung um einen möglicherweise unmittelbar bevorstehenden Krieg zwischen Israel und Iran übertrieben. Noch sind die Iraner ein gutes Stück von der Bombe entfernt, noch bleibt Zeit, sie von ihren Plänen abzubringen. Selbst wenn das Kriegsgebrüll lauter wird, bewegt sich der Konflikt noch im diplomatisch steuerbaren Rahmen. Eine Garantie dafür, dass dies so bleibt, kann jedoch niemand geben. Die sicherste Art, den Frieden zu gefährden, ist die ständige Drohung mit Krieg.