Grenze zwischen Israel und Libanon Israel startet Militäroperation zur Zerstörung von Hisbollah-Tunneln

Israelische Maschinen arbeiten am Dienstagmorgen an der Grenzmauer zu Libanon.

(Foto: AFP)
  • Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben mit einem Einsatz zum Aufspüren und Zerstören von Tunneln der libanesischen Hisbollah-Miliz unter der israelisch-libanesischen Grenze begonnen.
  • Die Militäroperation "Nördliches Schild" begann wenige Stunden nach einem Treffen zwischen Israels Premierminister Netanjahu und US-Verteidigungsminister Pompeo.
  • Mit dieser Aktion verlagert sich der Kampf Israels gegen Iran von Syrien auf Libanon.
Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv

Die israelische Armee hat eine Militäroperation begonnen, bei der Tunnel der libanesischen Hisbollah-Miliz unter der Grenze zerstört werden. Dass die Hisbollah von Libanon aus Tunnel Richtung Israel gräbt, ist den dortigen Streitkräften seit 2014 bekannt. Am Dienstagmorgen begann die Militäroperation "Nördliches Schild", um die noch nicht in Betrieb befindlichen "Angriffstunnel" zu zerstören.

Mehrere Tunnel hätten israelisches Territorium erreicht, sagte Armeesprecher Jonathan Conricus, der keine genauen Angaben zur Anzahl machen wollte. Da sie noch nicht genutzt würden, hätten sie noch "keine unmittelbare Gefahr" dargestellt. Das Militär versuche nun, von der israelischen Seite aus diese Tunnel unbrauchbar zu machen. Dabei verwende man Techniken wie beim Zerstören von Tunneln der Hamas aus dem Gazastreifen, die durch Sprengstoff zum Einsturz gebracht oder mit Material aufgefüllt werden.

Das israelische Militär veröffentlichte Dienstagmittag Aufnahmen eines Tunnels bei Kafr Kela, der laut Angaben von Sprecher Conricus 40 Meter auf israelisches Territorium gereicht hat. Der rund 200 Meter lange Tunnel sei je zwei Meter hoch und breit sowie ausgestattet mit Elektrizität, Sauerstoffversorgung und Kommunikationskanälen. Der Eingang soll sich auf libanesischer Seite in einem Wohnhaus befinden. Laut Conricus seien die Tunnel dafür gedacht gewesen, dass Eliteeinheiten der Hisbollah nach Israel eindringen können.

Die Militäroperation wurde nur wenige Stunden nach einem Treffen zwischen Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und US-Verteidigungsminister Mike Pompeo in Brüssel gestartet. Sie hatten "Wege, die iranische Aggression in der Region zu blockieren", besprochen.

Hisbollah droht im Video: "Wenn ihr uns angreift, werdet ihr es bedauern!"

Mit dieser Aktion verlagert sich der Kampf Israels gegen Iran von Syrien auf Libanon. In den vergangenen Jahren hatte die israelische Luftwaffe Stützpunkte Irans und der mit Teheran verbündeten schiitischen Hisbollah-Miliz auf syrischem Gebiet bombardiert. Damit will Israel verhindern, dass sich Iraner und Hisbollah-Kämpfer in Syrien festsetzen können.

Israel hatte zuletzt 2006 Krieg gegen die Hisbollah geführt. Die nun gestartete Militäroperation nährt Befürchtungen, dass sich daraus ein größerer militärischer Konflikt entwickeln könnte.

Vergangenen Freitag hatte die Hisbollah ein Video veröffentlicht, das Satellitenaufnahmen und präzise Karteninformationen über strategische Ziele in Israel enthielt. Verbunden damit war auch eine Warnung mit hebräischen Untertiteln: "Wenn ihr uns angreift, werdet ihr es bedauern!" Das Video, das auch Kampfszenen zeigte, wurde gepostet, nachdem mutmaßlich israelische Jets einen Angriff auf Ziele Irans und der Hisbollah in Syrien geflogen hatten.

Nach dem Start der Militäroperation wurde für die Truppen im Norden Israels die höchste Alarmstufe ausgerufen, zusätzliche Truppen wurden dorthin verlegt. Das Gebiet rund um die Ortschaft Metula direkt an der Grenze zu Libanon wurde zur geschlossenen Militärzone erklärt. Nach Einschätzung israelischer Militärexperten verfügt die Hisbollah über ein Arsenal von 100 000 Raketen.

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