Israel:Palästinenser flüchten aus Hochsicherheitsgefängnis

Manhunt For Six Palestinians Who Escaped Israeli Prison

Polizisten, Soldaten, Geheimdienstleute, Hunde, Hubschrauber und Drohnen: Bei der Fahndung nach den sechs Ausgebrochenen setzt Israels Sicherheitsapparat alles ein.

(Foto: Amir Levy/Getty Images)

Sechs Ausbrecher entkommen offenbar durch einen unterirdischen Gang. Alle wurden wegen Terrortaten verurteilt oder vor Gericht gestellt - einer gilt als schillernde Figur.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Filmreif sind sechs palästinensische Häftlinge in der Nacht zum Montag aus einem Hochsicherheitsgefängnis im Norden Israels geflohen. Sie entkamen aus der Gilboa-Haftanstalt durch ein Loch im Zellenboden, das offenbar in einen bereits vorhandenen unterirdischen Gang führte. Jenseits der hohen Gefängnismauer schlüpften sie dann durch eine Tunnelöffnung ins Freie. Nun ist Israel in Aufregung, die Sicherheitskräfte haben eine groß angelegte Suchaktion gestartet. Denn die Gefangenen gelten als gefährlich, und sie haben wenig zu verlieren.

Alle sechs Männer stammen aus der Gegend um Dschenin im palästinensischen Westjordanland. Fünf gehören zum Islamischen Dschihad, vier von ihnen sind wegen Terrortaten zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Sechste im Bunde ist eine durchaus schillernde Figur: Zakaria Zubeida, der während der Zweiten Intifada in den Jahren 2000 bis 2005 als örtlicher Anführer der Al-Aksa-Brigaden, des bewaffneten Arms der Fatah, bekannt und berüchtigt war. 2007 kam er in den Genuss einer israelischen Amnestie. Er avancierte zum Direktor des auch international beachteten Freedom Theatre in Dschenin und gefiel sich in der Rolle des Friedensaktivisten. Später tauchte er wieder unter und wurde 2019 von israelischen Sicherheitskräften unter dem Vorwurf von Terroraktivitäten verhaftet.

Palästinensische Häftlinge flüchten aus israelischem Gefängnis

Alle Häftlinge wurden am Montag aus dem Gilboa-Gefängnis in andere Haftanstalten verlegt, die Transportbusse standen Schlange.

(Foto: Ilia Yefimovich/dpa)

Der genaue Hergang der Flucht ist noch von einigen Unklarheiten und Widersprüchen umnebelt. Entdeckt wurde das Fehlen der Häftlinge um vier Uhr morgens, obwohl bereits durch einen Anruf um exakt 1.49 Uhr ein Taxifahrer bei der Polizei eine verdächtige Gruppe von Männern auf einer Landstraße gemeldet hatte. Nachdem zunächst berichtet wurde, die Geflohenen hätten sich mit einem rostigen Löffel durchs Erdreich gegraben, hieß es später, sie hätten sich Konstruktionsfehler beim Gefängnisbau zunutze gemacht und seien durch einen vorgefertigten Gang entkommen. Die Gefahr hätte allerdings spätestens seit 2014 bekannt sein müssen, als ein ähnlicher Ausbruchsversuch vereitelt worden war.

Sicherheitshalber sollen nun zunächst alle 400 weiteren Insassen des Gilboa-Gefängnisses in andere Haftanstalten verlegt werden. Nach den Geflüchteten wird mit Hubschraubern, Drohnen und Hunden gesucht. Straßensperren wurden errichtet. Neben Polizisten waren auch Soldaten der Armee und Kräfte des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet an der Fahndung beteiligt.

Die mehr als peinliche Bedeutung dieses Vorfalls wird dadurch unterstrichen, dass Premierminister Naftali Bennett, Verteidigungsminister Benny Gantz und der Minister für Öffentliche Sicherheit, Omer Barlev, ständige Updates zur Suche bekamen. Angenommen wird, dass sich die Geflüchteten entweder in Dschenin versteckten oder ins benachbarte Jordanien entkommen wollten.

People stand by a hole in the ground outside the walls of Gilboa prison after six Palestinian militants broke out of it in north Israel

Das Loch: Die sechs Palästinenser entkamen offenbar durch diese von unten gegrabene Öffnung.

(Foto: GIL ELIYAHU/REUTERS)

Auf palästinensischer Seite löste die Nachricht vom Gefängnisausbruch erhebliche Begeisterung aus. Aus Dschenin wurden Freudenschüsse gemeldet. Ein Sprecher des Islamischen Dschihad sprach von einer "heroischen Tat", mit der Israels Regierung und Armee ein "schwerer Schlag" versetzt worden sei. Die Hamas blies ins gleiche Horn und bejubelte einen "Sieg des Willens und der Entschlossenheit unserer heroischen Gefangenen". Auch die Fatah von Präsident Mahmud Abbas pries den "Traum von Freiheit", der alle palästinensischen Gefangenen verbinde.

© SZ/bac
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