Nahostkonflikt:Angriff nach Vorlesung über Antisemitismus

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"Freiheit für Palästina": In Hamburg halten Aktivisten eine Mahnwache mit dem Motto "Finger weg von Rafah" ab. (Foto: Georg Wendt/dpa)

An deutschen Unis wächst der propalästinensische Protest. Aktivisten richten Camps ein - und in Hamburg kommt es zu einer Attacke.

Es begann vor Wochen in den USA. An mehr als 100 amerikanischen Universitäten haben propalästinensische Gruppen Protestcamps gegen das israelische Vorgehen im Gazastreifen errichtet. Seither scheint eine Welle um die Welt zu gehen. Zeltstädte und aufgebrachte Demonstranten an Hochschulen in Bangladesch und Australien, in Spanien und Großbritannien, in Frankreich und Finnland, in den Niederlanden und Dänemark. Und nun auch in Deutschland.

In den vergangenen Tagen kam es nicht nur zu aufgewühlten Szenen an Unis in Berlin und Leipzig. Auch die Universität Bremen ließ ein Camp räumen. In Köln stehen Zelte auf einer Wiese an der Universität, in Hamburg eine Mahnwache und jüngst kam es zu einem tätlichen Angriff.

Nach einer öffentlichen Lesung zu Judenfeindlichkeit und Antisemitismus war es zu einer Auseinandersetzung zwischen einer 26-jährigen Zuhörerin und der Ehefrau des Vortragenden gekommen. Bereits während der Ringvorlesung "Judenfeindlichkeit, Antisemitismus, Antizionismus - aktuelle Formen antijüdischer Gewalt" am Mittwoch im Uni-Hauptgebäude sei es zu mehreren Zwischenrufen gekommen, die nach dem Ende der Veranstaltung zu einem Streit zwischen der 56 Jahre alten Frau des Vortragenden und mehreren Zuhörerinnen geführt hätten, teilte die Polizei am Freitag mit.

Der Staatsschutz ermittelt

Dabei habe eine 26 Jahre alte Somalierin die 56-Jährige plötzlich attackiert und ihr unvermittelt ins Gesicht geschlagen. Diese wiederum wehrte sich den Angaben zufolge, indem sie die 26-Jährige trat und biss. Die Polizei habe gegen beide Frauen Strafverfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung eingeleitet. Die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamts habe die weiteren Ermittlungen übernommen.

Die seit Anfang der Woche laufende propalästinensische Mahnwache unweit der Universität bleibt noch bis mindestens kommenden Montag bestehen, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. "Die Versammlungsbehörde hat die Verlängerung bestätigt." An der Mahnwache mit dem Motto "Finger weg von Rafah" hatten sich bislang bis zu 150 Menschen beteiligt.

An der Freien Universität (FU) Berlin war ein propalästinensisches Protestcamp am Dienstag kurzfristig geräumt worden. Inzwischen haben mehr als 300 Berliner Dozentinnen und Dozenten die Hochschulleitungen in der Hauptstadt in einem Statement aufgefordert, von Polizeieinsätzen gegen ihre eigenen Studierenden abzusehen.

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