Gaza-Konflikt Spannungen an der Grenze verschärfen sich vor Protestmarsch

Der Blick von der israelische Seite: Palästinenser versammeln sich am Samstag in der Nähe der Grenze.

(Foto: REUTERS)
  • Bei Auseinandersetzungen an der Grenze zwischen Israel und der Stadt Gaza wurde ein 21-Jähriger getötet.
  • Auf der Gaza-Seite soll am Samstag der "Eine-Million-Marsch" stattfinden anlässlich des Jahrestags der Grenz-Proteste.
  • Die Zusammenstöße an der Grenze ereigneten sich zeitgleich zu den Verhandlungsversuchen ägyptischer Madiatoren, die zwischen Israel und der Hamas vermitteln wollten.

Bei Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten an der Grenze des Gazastreifens ist ein 21-jähriger Mann nach palästinensischen Angaben getötet worden. Der Palästinenser soll am Freitagabend in der Nähe des Grenzzauns von einem Granatensplitter am Kopf getroffen worden sein. Die Situation an der Grenze ist derzeit auf beiden Seiten angespannt. Palästinenser im Gazastreifen haben für Samstag zum "Eine-Million-Marsch" aufgerufen, um an den Jahrestag des Beginns der Proteste am Grenzzaun zu erinnern.

Die Zusammenstöße am Freitag ereigneten sich ausgerechnet zu einer Zeit, in der ägyptische Mediatoren versuchten, einen Waffenstillstand zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas auszuhandeln. Dieser sollte auch Absprachen zur Gewaltprävention während des Marschs beinhalten.

Nach Angaben der israelischen Armee sollen rund 200 Palästinenser am Freitagabend an der grenze "randaliert" haben. Ein israelischer Panzer habe daraufhin einen Stützpunkt der Hamas im Gazastreifen angegriffen. Ein Sprecher sagte zudem, am Freitag hätten sich Palästinenser an verschiedenen Punkten am Grenzzaun versammelt. Sie hätten Brandbomben und Steine gegen den Zaun geworfen und Reifen angezündet. Die Soldaten hätten die Versammlungen aufgelöst und dabei auch geschossen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden insgesamt zehn Palästinenser verletzt.

Trauernde tragen den Leichnam des getöteten 21-Jährigen Palästinensers während der Begräbnisfeier in der Stadt Gaza.

(Foto: REUTERS)

Am 30. März dieses Jahres jährt sich nicht nur der Beginns der Proteste am Grenzzaun. Palästinenser gedenken an diesem Datum, dem "Tag des Bodens", zudem stets massiver Landenteignungen und sechs Arabern, die in Israel gelebt haben, die am 30. März 1976 in dem Ort Sachnin von der israelischen Polizei getötet worden waren.

Die Palästinenser fordern bei den Protesten unter anderem eine Aufhebung der Blockade, die Israel und Ägypten über das Küstengebiet Gaza verhängt haben. Außerdem pochen sie auf ein Recht auf Rückkehr in Gebiete, die heute zu Israel gehören. Das Nationalkomitee des "Marsches der Rückkehr" kündigte für Samstag auch Proteste in Jerusalem, dem Westjordanland, anderen Teilen Israels, sowie in mehreren arabischen und europäischen Ländern an. Zum Komitee des "Marsches der Rückkehr" gehören auch Vertreter der im Gazastreifen herrschenden radikal-islamischen Hamas, die von der israelischen Regierung, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird.

Die Vereinten Nationen und die Bundesregierung forderten Israelis und Palästinenser zur Besonnenheit auf. Das deutsche Auswärtige Amt warnte: "Das Risiko einer hochgefährlichen Zuspitzung an der Grenze zwischen Gaza und Israel ist offensichtlich." Das Recht auf friedlichen Protest gelte auch im Gazastreifen, hieß es in einer Mitteilung. Aber: "Dieses Recht darf nicht - wie wir dies immer wieder gesehen haben - zum Vorwand für Hetze genommen oder missbraucht werden, um Gewalt aus der Menge heraus zu üben oder Gewaltakte zu legitimieren."

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