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Israel:Feind in seinen Armen

Netanjahu will der Hamas mit neuer Strategie beikommen.

Benjamin Netanjahu konnte vor elf Jahren sein Amt als Israels Premierminister auch deshalb erobern, weil er im Wahlkampf 2009 eine harte Haltung im damals tobenden Gazakrieg vertrat. Seither focht er zwei weitere Schlachten mit der radikalislamischen Hamas; vor der bisher letzten Wahl im September verhinderte lediglich eine Intervention des Generalstaatsanwalts, dass der nur noch geschäftsführende Premier die Armee ein weiteres Mal nach Gaza schickte.

Nun steht die dritte Wahl in Israel binnen zwölf Monaten an - und Netanjahu versucht sich an einer anderen Strategie. Anstatt den Sturz der Hamas zu befeuern, stützt er sie. Entweder aus pragmatischen Gründen, um das Erstarken noch radikalerer Gruppen in Gaza zu verhindern, oder aus programmatischen: weil er hofft, mit einem anhaltenden Schisma zwischen der Palästinenserbehörde im Westjordanland und der Hamas in Gaza eine Zweistaatenlösung besser verhindern zu können.

In seiner Karriere hat sich Netanjahu mehrmals aus scheinbar aussichtslosen Situationen befreit. Nun werfen dem langjährigen Hardliner in Sachen Gaza Konkurrenten von links wie rechts vor, zu weich zu reagieren. Die Wahl am 2. März wird von wenigen Stimmen entschieden werden. Netanjahus aktuelle Neuerfindung könnte somit seine letzte als Premier werden.

© SZ vom 25.02.2020
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