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Israel und Deutschland:Zeichen am Himmel

In Formation überfliegen Flugzeuge der israelischen und deutschen Luftwaffe Fürstenfeldbruck.

(Foto: Christof Stache/AFP)

Symbolträchtige Übung: deutsche und israelische Kampfjets fliegen gemeinsam über das ehemalige KZ Dachau.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Als Generalleutnant Ingo Gerhartz an diesem Dienstagnachmittag gegen 15 Uhr vor der jüdischen Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau an das Rednerpult tritt, beginnen dicke Regentropfen vom Himmel zu fallen. Noch vor wenigen Stunden saß er dort oben in einem Flugzeug, das eine deutsch-israelische Formation aus Kampfflugzeugen anführte. In einer V-förmigen Anordnung überflogen zwei israelische und drei deutsche Kampfjets rechts und links neben einem israelischen Passagierflugzeug in 500 Meter Höhe Dachau sowie den Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck, Schauplatz des gescheiterten Befreiungsversuchs nach dem Münchner Olympia-Attentat 1972, bei dem neun israelische Geiseln ums Leben kamen. Es war die erste gemeinsame Übung der deutschen und israelischen Luftwaffe in Deutschland. Jetzt steht Gerhartz unten am Boden in klitschnasser Uniform und sagt: "Wir haben heute ein neues Kapitel in unserer Geschichte geöffnet."

Nach dem gemeinsamen Manöver am Vormittag nehmen Mitglieder der deutschen und israelischen Luftwaffe sowie Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff an einer Gedenkfeier in Dachau teil. Es ist ein Zeichen der Verbundenheit zwischen Israel und Deutschland an einem "sehr speziellen und emotionalen Tage", wie Kramp-Karrenbauer sagt.

Gemeinsam legen sie und Issacharoff vor dem internationalen Mahnmal auf dem Gelände der Gedenkstätte Dachau Kränze nieder. Anschließend schreiten sie über die sogenannte Lagerstraße, unter ihren Füßen knirscht der Kies. Zwischen 1933 und 1945 sperrten die Nationalsozialisten mehr als 200 000 Häftlinge aus ganz Europa in das KZ Dachau. Alle anderen Konzentrationslager errichteten sie nach dem Dachauer Vorbild. Mehr als 41 500 Menschen starben im KZ Dachau. "Dachau war die Schule der Gewalt", sagt Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten.

Nach dem Regenschauer spricht der israelische Generalmajor Amikam Norkin. Er saß an diesem Vormittag in dem israelischen Passagierflugzeug. Es sei eine Ehre, an diesem Tag hier zu stehen, sagt er. "Das ist kein Traum, das ist Realität." Er verweist auf die Schoah. Nun, in der Gegenwart, habe man mit der deutschen Luftwaffe gemeinsam trainiert, "von Freunden zu Freunden, von Flügel an Flügel". Deutschland sei ein starker Partner Israels geworden: "Ich bin stolz auf diese enge Verbindung."

© SZ vom 19.08.2020

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