Israel Blutige Straßenschlacht

In Tel Aviv eskalieren Proteste äthiopischstämmiger Juden gegen Rassismus und Polizeigewalt. Bei Straßenschlachten werden mehr als 50 Menschen verletzt.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Ein Protest äthiopischstämmiger Juden gegen Rassismus und Polizeigewalt ist in Tel Aviv in der Nacht zum Montag eskaliert. Die Demonstranten, deren Zahl von der Polizei auf 3000 geschätzt wurde, lieferten sich blutige Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften ). Mehr als 50 Menschen wurden verletzt, Dutzende verhaftet. Wenige Tage zuvor war es zu ähnlichen Szenen in Jerusalem gekommen. Hintergrund ist die Frustration vieler aus Äthiopien stammender Juden, die auch drei Jahrzehnte nach der ersten Einwanderungswelle kaum integriert sind in die israelische Gesellschaft. Der plötzliche Ausbruch der Gewalt hat Israels Öffentlichkeit ernsthaft entsetzt. Präsident Reuven Rivlin räumte Fehler im Umgang mit der 135 000 Menschen umfassenden Bevölkerungsgruppe ein. "Wir haben nicht genau genug hingesehen und nicht genau genug zugehört", sagte er. Premierminister Benjamin Netanjahu verurteilte die Gewalt, versprach jedoch auch, "es ist Raum, um alle Vorwürfe zu untersuchen". Noch am Montag wollte er sich mit Vertretern der äthiopischstämmigen Gemeinde in Jerusalem treffen.