IsraelWaffenruhe in Nahost gescheitert

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Leuchtspur eines Flugkörpers über Zentralisrael: Angaben des israelischen Militärs zufolge wurden alle iranischen Raketen abgefangen.
Leuchtspur eines Flugkörpers über Zentralisrael: Angaben des israelischen Militärs zufolge wurden alle iranischen Raketen abgefangen. Amir Cohen/REUTERS
  • Iran feuerte am Sonntagabend Raketen auf Israel ab, Israel reagierte am Montagmorgen mit Luftangriffen auf iranische Ziele in Teheran, Täbris und Isfahan.
  • Die im April zwischen Israel, den USA und Iran vereinbarte fragile Waffenruhe gilt damit als endgültig gescheitert.
  • US-Präsident Trump forderte beide Seiten zur sofortigen Einstellung der Angriffe auf, Israels Luftschläge waren nicht mit den USA abgesprochen.
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Iran feuert Raketen auf Israel, das israelische Militär reagiert seinerseits mit Luftangriffen. US-Präsident Trump fordert beide Seiten zur Deeskalation auf.

Von Dominik Fürst und Sina-Maria Schweikle, Berlin

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Erstmals seit einer im April vereinbarten Waffenruhe haben Iran und Israel sich wieder gegenseitig angegriffen. Israels Luftwaffe bombardierte am Montagmorgen Ziele im Westen und im Zentrum Irans, nach Angaben der Armee wurden dabei Verteidigungsanlagen zerstört sowie eine Petrochemieanlage nahe der südwestlichen Stadt Bandar-e-Mahschahr angegriffen. Laut Angaben der iranischen Revolutionsgarde gab es Explosionen in drei Städten: Teheran, Täbris und Isfahan.

Am Sonntagabend hatte Iran mehrere Raketensalven auf Israel abgefeuert, womit die im April zwischen Israel, den USA und Iran vereinbarte, fragile Waffenruhe als endgültig gescheitert galt. Teheran reagierte damit nach eigenen Angaben auf israelische Angriffe in Libanon. Die Situation in der Golfregion hatte sich in den Tagen davor zugespitzt.

Unmittelbar nach den Angriffen Irans erklärte der rechtsextreme israelische Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir auf X: „Heute Nacht muss Teheran brennen!“ Oppositionsführer Naftali Bennett schrieb, es handle sich um einen „Prüfmoment“, ob Israel ein souveräner Staat sei, „der fähig ist, sich selbst zu verteidigen“, und forderte eine starke und wirksame Reaktion. Berichten zufolge berief Israels Premier Benjamin Netanjahu nach einem Gespräch mit US-Präsident Donald Trump in der Nacht auf Montag eine Sicherheitsberatung ein.

Israels Angriffe waren nicht mit den USA abgesprochen

Trump forderte am Montag ein sofortiges Ende der gegenseitigen Angriffe. „Israel und Iran müssen sofort aufhören zu ‚schießen‘“, schrieb er auf Truth Social. Medienberichten zufolge soll der US-Präsident vor den Angriffen Israels gesagt haben, er wolle Netanjahu anrufen, um ihn von Vergeltungsschlägen gegen Iran abzuhalten – offenkundig ohne Erfolg. Die Financial Times zitierte Trump am Sonntag mit Blick auf Netanjahu mit den Worten: „Ich habe das Sagen.“

Am Sonntagabend hatte Trump außerdem in einem Interview mit Fox News erklärt, er sei „nicht glücklich“ über Israels Angriffe auf Ziele in Beirut, die nicht mit den USA abgesprochen gewesen seien. Noch vor Israels Gegenschlägen sagte er in Richtung Teheran: „Was ich Iran raten würde: Ihr habt eure Raketen abgefeuert, das reicht. Kehrt an den Verhandlungstisch zurück und schließt ein Abkommen.“

Ende Februar hatten die USA und Israel gemeinsam Iran angegriffen. Iran reagierte mit Raketen auf Israel sowie auf arabische Verbündete in den Golfstaaten und legte die Straße von Hormus lahm, was die Weltwirtschaft erschütterte. Anfang April vereinbarten die drei Staaten eine Waffenruhe. Seither ist es beiden Seiten nicht gelungen, ein dauerhaftes Abkommen zur Beendigung des Konflikts zu schließen.

Die gegenseitigen Angriffe Irans und Israels folgen auf eine Zuspitzung in den vergangenen Tagen: Zwischen Iran und den USA kam es wiederholt zu militärischen Zwischenfällen in der Golfregion. Zugleich griff die mit Iran verbündete Hisbollah Israel mit Drohnen und Raketen aus Libanon an, Israel kündigte daraufhin eine deutliche Ausweitung seiner Offensive in dem nördlichen Nachbarland an und griff am Sonntagnachmittag erstmals seit Längerem wieder die südlichen Vororte der Hauptstadt Beirut an. Das Gebiet gilt als Hochburg der von Iran unterstützten Hisbollah, ist jedoch auch dicht von Zivilisten besiedelt. Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz begründeten den Angriff mit anhaltenden Hisbollah-Attacken auf israelisches Gebiet.

Eine Ausweitung des Krieges könnte Netanjahu bei den kommenden Wahlen helfen

Iran erklärte, seine Raketensalven vom Sonntag seien eine direkte Reaktion auf die israelischen Luftschläge gegen den Süden Beiruts gewesen. In einer Erklärung hieß es, die Waffenruhe Anfang April sei unter der Prämisse ausgehandelt worden, dass der Konflikt „an allen Fronten“ eingestellt werde. „Doch wie immer hielten sich die USA und das zionistische Regime nicht an ihre Verpflichtungen.“ Die Revolutionsgarde bezeichnete die Angriffe als „Warnung“ und kündigte an, sollte der Krieg erneut in vollem Umfang ausbrechen, würden die Antworten „umfassender“ ausfallen und auch „amerikanisch-zionistische Ziele“ in der Region einschließen. Am Montagnachmittag erklärte Iran seine Angriffe auf Israel für beendet.

Innenpolitisch könnte Netanjahu der Krieg einmal mehr nutzen: In Israel wird im Herbst gewählt, und zuletzt wuchs die Kritik, der Regierungschef lasse sich in der Iran- und Libanonpolitik zu stark von den USA beeinflussen. Teile des rechten Regierungslagers drängen auf eine Fortsetzung des Krieges. Ein Ende der Operation, so das Argument, könne als Kapitulation ausgelegt werden.

Trump hingegen versuchte in den vergangenen Wochen, mit iranischen Unterhändlern eine Vereinbarung zu erreichen, um den Krieg zu beenden, bislang erfolglos. Gleichzeitig sendete der US-Präsident widersprüchliche Signale über den Stand der Gespräche, während Netanjahu zuletzt zunehmend entschlossen wirkte, die militärische Eskalation in der Region wieder voranzutreiben.

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