Syrien-Konflikt Israels Militär greift iranische Ziele in Syrien an

  • "Wir haben damit begonnen, Ziele der iranischen Al-Quds-Brigaden zu attackieren", erklärt ein israelischer Militärsprecher.
  • Es ist ungewöhnlich, dass die israelischen Streitkräfte zu Angriffen in Syrien öffentlich Stellung nehmen.
  • In Syrien werden "schwere Angriffe" bestätigt.
Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv

Israel hat in der Nacht zum Montag iranische Ziele in Syrien angegriffen. "Wir haben damit begonnen, Ziele der iranischen Al-Quds-Brigaden zu attackieren", erklärte ein Militärsprecher. Die Al-Quds-Brigaden sind die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden. "Wir warnen das syrische Militär vor dem Versuch, israelische Streitkräfte oder israelisches Staatsgebiet zu schädigen", teilte die Armee auch über Twitter mit. Es sei auch das Luftabwehrsystem angegriffen worden. Es ist ungewöhnlich, dass die israelischen Streitkräfte zu Angriffen in Syrien öffentlich Stellung nehmen. Bisher wurden Luftschläge noch nie vorab angekündigt und mit einer Warnung verbunden.

In Syrien wurden "schwere Angriffe" bestätigt. In syrischen Medien wurde ein Militärexperte zitiert, wonach Israel "eine intensive Attacke durch mehrere Wellen gesteuerter Raketen" geführt habe, aber die syrische Luftabwehr habe die meisten zerstört. Dutzende Boden-Luft-Raketen wurden abgefeuert. Nach russischen Angaben wurden vier syrische Soldaten getötet, 30 israelische Raketen seien zerstört worden. Die in London ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte spricht von elf Menschen, die bei den israelischen Angriffen getötet worden sein sollen, nur zwei sollen Syrer sein. Iran drohte unterdessen mit einem Krieg, "der ein Ende der Angriffe in Syrien bringen wird".

Die israelische Armee soll etwa zehn Ziele bombardiert haben, darunter ein Warenlager auf dem internationalen Flughafen von Damaskus, einen Stützpunkt von iranischen Geheimdienstleuten und ein Trainingscamp im Süden des Landes. Laut Informationen aus Syrien sollen auch Positionen der libanesischen Hisbollah attackiert worden sein. Neben Damaskus sollen auch in Al-Kiswah, Jamraya und Suweida im Süden israelische Angriffe erfolgt sein. Militärbasen bei Al-Kiswah, die nach Einschätzung Israels von iranischen Einheiten genutzt werden, wurden bereits zuvor von Israel bombardiert. In Jamraya sollen sich eine Forschungseinrichtung und ein Militärstützpunkt befinden. Ein Armeesprecher erklärte den Angriff damit, dass eine am Sonntag auf Israel abgefeuerte Rakete auf Zivilisten gerichtet gewesen sei. Zudem sei sie von einem Ort aus abgeschossen worden, an dem sich laut Zusicherung Russlands und Syriens keine iranischen Soldaten aufhielten.

Nur in wenigen Fällen hat Israel für Angriffe die Verantwortung übernommen

Am Sonntag hatte die israelische Armee von einer Rakete berichtet, die auf den Golanhöhen abgefangen worden war. Das zeigt, dass Syrien und seine Schutzmacht Russland nicht mehr bereit sind, wie in den vergangenen Jahren israelische Angriffe vorwiegend auf iranische Stellungen zu dulden. Denn zuvor hatte Israel syrischen Angaben zufolge am Sonntagmorgen fünf Raketen abgefeuert - bei einem der seltenen Angriffe bei Tageslicht.

Vergangene Woche hatte der aus dem Amt geschiedene Generalstabschef der israelischen Armee, Gadi Eisenkot, eingestanden, dass in den vergangenen Jahren "Tausende Ziele" in Syrien angegriffen worden seien. Nur in wenigen Fällen hat Israel dafür die Verantwortung übernommen. Militärexperten haben jedoch davor gewarnt, dass mit Gegenschlägen gerechnet werden müsse, wenn der Bürgerkrieg abklingt und Präsident Bashar al-Assad wieder voll die Macht übernimmt. Der Syrienkonflikt gilt als erster Testfall für den neuen Generalstabschef Aviv Kochavi, der vergangenen Dienstag in Israel in sein Amt eingeführt worden ist.

In Israel herrscht überdies Wahlkampf und Premier Benjamin Netanjahu hat am Sonntag während seiner Reise in den Tschad ein hartes Vorgehen gegen Iran in Syrien angekündigt. Nach Angaben des Militärsprechers seien die jüngsten Angriffe ein Beweis dafür, dass sich Iran in Syrien weiter ausbreiten will. "Die israelischen Streitkräfte werden weiterhin mit Entschlossenheit und Bestimmtheit gegen die Ausbreitung Irans in Syrien operieren."

Das Skiressort auf dem Berg Hermon auf den von Israel annektierten Golanhöhen wird am heutigen Montag, "aus Sicherheitsgründen" geschlossen bleiben - offenbar aus Furcht vor Vergeltungsschlägen. Es kursiert ein Video, das Kinder im Skigebiet zeigt und im Hintergrund Spuren des aktivierten Raketenabwehrsystems "Iron Dome" (Eisenkuppel). Weitere Maßnahmen für die Bürger im Norden Israels wurden nicht angekündigt.

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