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Israel:Alles für den Machterhalt

Premier Netanjahu opfert die Gesundheit seiner Bevölkerung dem eigenen Vorteil.

Von Peter Münch

In vielen Ländern steigen die Corona-Infektionszahlen wieder, und es gibt dafür viele Gründe. Doch es gibt kaum ein Land, in dem der Anstieg so dramatisch ist wie in Israel - und dafür gibt es vor allem einen Grund: die Politik, die hier mindestens so unberechenbar ist wie das Virus.

Die Verantwortung für die Bekämpfung der Pandemie wurde in Israel nach langem Zögern Ende Juli endlich in die Hände eines Experten gelegt. Doch Ronni Gamzu, den die Gazetten gern als "Corona-Zar" titulieren, muss Tag für Tag erleben, wie begrenzt sein Handlungsspielraum ist und wer in seinem Kompetenzbereich alles noch mitreden und mitbestimmen will. Das geht vom ultra-orthodoxen Rabbiner hoch bis zum vermeintlich allwissenden Regierungschef. Es führt dazu, dass die Anti-Corona-Maßnahmen nicht von medizinischen oder virologischen Notwendigkeiten und auch nicht von wirtschaftlichen Zwängen, sondern von politischen Opportunitäten bestimmt werden.

Die Schuld daran trägt Premier Benjamin Netanjahu, der Gamzus Konzepte immer wieder konterkariert durch Zugeständnisse an seine ultra-orthodoxen Koalitionspartner. Von deren Unterstützung ist er abhängig. Und er scheint bereit zu sein, selbst die Gesundheit seiner Bevölkerung dem eigenen Streben nach Machterhalt unterzuordnen.

© SZ vom 11.09.2020

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