Süddeutsche Zeitung

Israel:50 furchtbare Tage

Ein Bericht wirft dem israelischen Ministerpräsidenten schwere Versäumnisse im Gaza-Krieg 2014 vor. Als Kriegsherr steht Benjamin Netanjahu plötzlich in schlechtem Licht da.

Kommentar von Peter Münch, Tel Aviv

Er weiß, was sein Wahlvolk will: Sicherheit. Mit diesem Versprechen hat der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu vier Wahlen gewonnen, und immer, wenn es knapp zu werden drohte, hat er sich auf sein Erfolgsrezept verlassen können: erst ein wenig Angst säen und dann als stählerner Retter triumphieren.

Doch nun könnte das sorgsam gepflegte Konzept ins Wanken geraten. Denn als Kriegsherr steht Netanjahu plötzlich in schlechtem Lichte da. Der nun vorgelegte Bericht des sogenannten Staatskontrolleurs wirft seiner Führung schwere Versäumnisse beim jüngsten Gaza-Krieg im Sommer 2014 vor.

Sie soll die Gefahr unterschätzt haben, die von jenen Terror-Tunneln ausging, die die Hamas unter der Grenze hindurch nach Israel gegraben hatte. Die mangelnde Vorbereitung auf diese Bedrohung war wohl wesentlich dafür verantwortlich, dass sich dieser Krieg 50 furchtbare Tage in die Länge gezogen und einen enormen Blutzoll gefordert hat.

Ein Ruhmesblatt für eine der stärksten Armeen der Welt ist das gewiss nicht gewesen - und verantwortlich dafür ist der Mann, der immer nur auf Sicherheit setzt. Benjamin Netanjahus Image dürfte also Schaden nehmen durch diese partielle Aufarbeitung des Gaza-Kriegs.

Doch dass er versprochen hat, aus den Fehlern zu lernen, ist leider kaum eine gute Nachricht. Denn das heißt auch: Der nächste Krieg kommt bestimmt.

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Quelle:
SZ vom 01.03.2017
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