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Island:Lernen vom Norden

Bundeskanzlerin Merkel hat am Sommertreffen der nordischen Länder in Island teilgenommen, um von deren Vorgehen gegen den Klimawandel zu lernen. "Der Preis des Nichtstuns wird mit Sicherheit höher sein als der Preis des Handelns", sagte sie.

Deutschland und die nordischen Staaten wollen in Fragen der Klima- und Arktispolitik enger zusammenarbeiten. Nach einem Treffen von Kanzlerin Angela Merkel mit ihren Kollegen der nordischen Länder in Reykjavik auf Island gaben die sechs Staaten am Dienstag dafür die Gründung einer Plattform bekannt. Der Auftritt beim UN-Klima-Gipfel in New York im September soll eng abgesprochen werden.

Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg kündigte an, dass die nordischen Länder Island, Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland dazu auch über neue Klimaschutzziele nachdächten, damit die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad begrenzt werden könne. Nötig sei darüber hinaus eine Abstimmung etwa über den Schutz des Regenwaldes. Sowohl Deutschland als auch Norwegen als größter Geldgeber für den Erhalt des Amazonaswaldes haben Mittel zurückgezogen, weil sie der brasilianischen Regierung eine verstärkte Abholzungspolitik vorwerfen.

Merkel sagte auf der gemeinsamen Pressekonferenz in Island, in Fragen des Klimawandels, einer multilateralen Weltordnung und den Vorstellungen der Rechtsstaatlichkeit sei man sehr eng beieinander. Sie kündigte ein verstärktes deutsches Arktis-Engagement an und forderte, dass die EU als Beobachter im Arktis-Rat ernst genommen werden müsse. Diesem gehören Kanada, die USA, Russland, Island, Finnland, Norwegen, Schweden und Dänemark an. Deutschland hat einen Beobachterstatus.

Merkel und die Regierungsspitzen waren sich einig, dass der Klimawandel gerade in den nordischen Ländern, aber auch in Deutschland inzwischen sichtbar werde, wie Merkel am Dienstag nach einem Arbeitsmittagessen auf der Insel Videy bei Reykjavik sagte. In Island habe man dies kürzlich dadurch gesehen, dass man sich von dem Gletscher Okjökull habe verabschieden müssen. "Der Preis des Nichtstuns wird mit Sicherheit höher sein als der Preis des Handelns", sagte Merkel. Wissenschaftler hatten dem Okjökull am Sonntag eine Abschiedszeremonie bereitet, nachdem er bereits vor fünf Jahren seinen Status als Gletscher verloren hatte. Angela Merkel machte sich in Island auch ein Bild vom Umgang des Landes mit der Natur und ihren Möglichkeiten zur Energiegewinnung. So besuchte sie ein Geothermie-Kraftwerk.

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