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Islamkonferenz: Innenminister Friedrich:Böswillige Interpretation

SZ: Der Bundespräsident und Ihr Vor-Vorgänger Wolfgang Schäuble, der Begründer der Islamkonferenz, haben gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland. Wollten Sie sich absetzen?

Deutsche Islamkonferenz

Begrüßung bei der Islamkonferenz: Innenminister Friedrich mit der Theologin Hamideh Mohagheghi.

(Foto: dapd)

Friedrich: Das kommt darauf an, wie Sie diese Sätze interpretieren.

SZ: Schäuble sagte wörtlich: ,Der Islam ist ein Teil Deutschlands.' Das ist doch eindeutig.

Friedrich: So wie ich Schäuble verstehe, hat er gemeint, die Muslime, die in Deutschland leben, sind Teil dieser Gesellschaft. In diesem Sinne habe ich mich ja auch selbst so geäußert. Noch einmal: Wenn die Frage lautet, ist der Islam Teil unserer Kultur, sage ich: Unsere Kultur ist christlich-abendländisch.

SZ: Wenn der türkische Premier Tayyip Erdogan sagen würde: Die Christen können gerne bei uns bleiben, aber kulturell und politisch sollen sie keine Rolle spielen, was würden Sie ihm sagen?

Friedrich: Ich würde mich freuen, wenn das Christentum in der Türkei ebenso eine Rolle spielte wie der Islam bei uns auch. Denn das Gebiet der heutigen Türkei ist historisch gesehen eine der Wiegen des Christentums. Heute geht es um die Freiheit des Glaubens, die jeder leben können sollte, auch in seinen eigenen Gotteshäusern. Da ist die Türkei immer noch in der Pflicht.

SZ: Bei vielen Muslimen ist als Botschaft Ihrer Sätze angekommen: Ihr gehört nicht dazu, auch wenn ihr da seid.

Friedrich: Das ist eine böswillige Interpretation.

SZ: Alles also ein Missverständnis?

Friedrich: Nein, man hat bewusst nur einen Teil meiner Aussage zitiert und den Satz so verdreht, um eine Spaltung mit den Muslimen zu provozieren. Ich habe das nicht zu relativieren, ich reiche den Muslimen freundschaftlich die Hand.

SZ: Bei der Islamkonferenz am Dienstag konnte man von einer freundschaftlichen Stimmung nicht reden. Waren daran die Muslime schuld?

Friedrich: Es war ein reger Meinungsaustausch. Ich denke, dass es richtig ist, bei einer solchen Veranstaltung Probleme wirklich anzusprechen und sie nicht politisch korrekt auszublenden.

SZ: Die SPD ruft die Muslime zu einem Boykott der Konferenz auf. Wie wollen Sie die Empörung wieder besänftigen?

Friedrich: Ein Boykottaufruf zeigt mir nur, dass die SPD die Muslime spalten will. Wer den Dialog abbrechen will, leistet der Integration keinen guten Dienst.

Ich bin zum Dialog bereit. Wir alle, Muslime und Nichtmuslime, müssen zu einem friedlichen Gemeinwesen beitragen. Dies kann nur gemeinsam mit der großen Mehrheit der Muslime in Deutschland gelingen. Dafür werde ich auch weiterhin werben.

SZ: Ist die Konferenz für Sie auch eine Sicherheitskonferenz, ein Beitrag zur Überwindung des Islamismus?

Friedrich: Die Islamkonferenz ist viel breiter angelegt. Deshalb habe ich dort vorgeschlagen, eine Sicherheitspartnerschaft mit den Muslimverbänden zu begründen und werde zu einem Präventionsgipfel einladen. Aber dies alles geschieht außerhalb der Islamkonferenz. Um es ganz deutlich zu sagen: Die Islamkonferenz ist keine Sicherheitskonferenz. Das erste Ziel der Islamkonferenz ist es, einen breiten Dialog zwischen Staat und Muslimen zu pflegen und das möchte ich nicht einseitig in die eine oder andere Richtung verschieben.

SZ: Stehen Sie in der Zuwanderungs- und Integrationspolitik für eine strengere Linie als Ihre Vorgänger - ist mehr Druck für Integration notwendig?

Friedrich: Ich werde nicht von der Linie Schäuble/de Maizière abweichen, aber ich habe eine klare Vorstellung: Wer zu uns kommt und auf Dauer hier bleiben will, der muss auch einen Beitrag zum Gelingen des Zusammenlebens dieser Gesellschaft leisten. Das setzt voraus, dass Migranten Deutsch beherrschen und sich in dieser Gesellschaft einfinden. Umgekehrt gibt es auch Hilfen vom Staat, zum Beispiel bei der Ermöglichung von Religionsunterricht. Und dies versuchen wir ja gerade mit den Muslimen. Hier wird man die muslimischen Gruppen sehr individuell betrachten müssen, das mag ein Unterschied zur bisherigen Linie sein.

SZ: Zuwanderung: Da denken viele heute an Flüchtlinge aus Nordafrika. Die EU und einzelne EU-Staaten haben Abkommen zur Flüchtlingsabwehr mit denjenigen geschlossen, die sich nun offen als brutale Potentaten erwiesen haben. Gaddafi hat Geld dafür erhalten, dass er die Flüchtlinge mit allen Mitteln zurückhält. Heiligt der Zweck den Diktator?

Friedrich: Nein, aber es ist die richtige Überlegung zu sagen: Wir holen die Menschen nicht alle hierher, sondern versuchen, ihnen in ihrer Heimat zu helfen.

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