Islamkonferenz Friedrich hat die Konferenz von den Füßen auf den Kopf gestellt

Umso wichtiger ist die Islamkonferenz. Sie ist das einzige zentrale Forum für einen Dialog zwischen Muslimen und Staat. Sie kann eine öffentliche Strahlkraft entwickeln, die beide Seiten erreicht, sie kann Vertrauen zurückgewinnen. Hier aber liegen die Versäumnisse des Innenministers. Schon zum Auftakt hat Friedrich durch seine Bemerkung, der Islam gehöre schon historisch nicht zu Deutschland, den Dialog unnötig belastet, um bald darauf seine Agenda an Sicherheitsthemen durchzudrücken.

Schäuble hatte erkannt, dass der Wert der Konferenz vor allem ein symbolischer ist: Muslime treffen die hohe Politik, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Gesetze beschließen können sie nicht. Der damalige Innenminister sprach im Großen davon, dass Muslime Teil dieser Gesellschaft, dass sie willkommen sind - und stritt dann im Kleinen um gemeinsame Werte, die Bedeutung islamischer Verbände und ja, auch Extremismus. Friedrich hat die Konferenz von den Füßen auf den Kopf gestellt: Er stieß die Muslime mit seinen Bemerkungen im Großen vor den Kopf, während im Kleinen gute Arbeit geleistet wurde: islamisch-theologische Lehrstühle an deutschen Universitäten, die Gleichberechtigung muslimischer Frauen und eine Befriedung der Konflikte um Moscheebauten sind auch dank dieser Konferenz vorangekommen. Friedrich ist dabei Verwalter geblieben, nicht Impulsgeber, einer, der die Hausordnung an die Muslime verteilt, statt sie mit großen Gesten für sich einzunehmen.

Als Kuschelveranstaltung war die Islamkonferenz nie gedacht

Für die Zukunft gilt es, der Konferenz wieder Symbolkraft zu verleihen. Dazu wird es praktischer Schritte bedürfen, hin zu einer Anerkennung der Moscheeverbände als Religionsgemeinschaft mit gewissen Privilegien. Doch die muslimischen Vertreter machen es sich zu einfach, die Konferenz nur darauf zu konzentrieren. Es gibt genug zu besprechen: von Imamen aus dem Ausland, die Spaltung statt Gemeinsinn predigen; über Antisemitismus unter Muslimen bis hin zu einer gesellschaftlichen Ächtung von radikalen Islamisten. Hier sind die Islamverbände gefragt, bis hinunter zu jedem Gläubigen. Die Vertrauensbasis muss erarbeitet werden. Als Kuschelveranstaltung war die Islamkonferenz nie gedacht. Aber sie könnte ein erstaunlicher Ort werden, wo man streitet und gleichzeitig Wunden heilt.