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Islamist Reda Seyam:"Er will möglichst viele Ungläubige töten"

Der Islamist Reda Seyam soll einer der Hintermänner eines Anschlags auf Bali sein. Die deutschen Behörden wollten ihn offenbar vor Guantanamo bewahren und ihn stattdessen auf rechtsstaatlichem Weg bestrafen. Doch nun soll er in Ägypten sein.

Ein Tourist legt am Gedenkstein für die Opfer des Bombenanschlags auf Bali Blumen nieder. Vor zehn Jahren starben 202 Menschen.

(Foto: AFP)

Die Islamisten wollten töten, möglichst viele Touristen in den Tod reißen, darum auch die zwei Bomben: Vor zehn Jahren, am 12. Oktober 2002, marschierte ein mit Jeans und T-Shirt bekleideter Mann in die Disko "Paddy's Bar" auf der indonesischen Ferieninsel Bali. Amerikaner, Australier, Deutsche feierten dort ausgelassen. Auf der Tanzfläche zündete der Attentäter um kurz nach 23 Uhr seine Bombe, sie war wahrscheinlich in einem Rucksack versteckt. Dutzende Menschen wurden zerfetzt, die übrigen liefen in Panik auf die Straße.

Nur wenige Augenblicke später detonierte eine weitere, größere Bombe, die in einem Minivan versteckt war. 202 Menschen starben, unter ihnen sechs Deutsche. An diesem Freitag wird ihnen eine Gedenkfeier gewidmet. Einer der Hintermänner des Anschlag, da sind sich Sicherheitsbehörden in Deutschland und dem Ausland ziemlich sicher, ist ein Ägypter mit deutschem Pass - und er ist noch immer auf freiem Fuß.

Reda Seyam war 2002 in Indonesien als mutmaßliches Al-Qaida-Mitglied festgenommen worden. Verurteilt wurde er allerdings nur wegen eines Verstoßes gegen die indonesischen Einreisebestimmungen. Als er 2003 in Jakarta freigelassen wurde, stand angeblich schon ein Greifkommando des US-Geheimdienstes CIA bereit. Die deutschen Behörden wollten eine Entführung jedoch offenbar verhindern, Seyam sollte wohl nicht im berüchtigten US-Gefangenenlager Guantanamo landen, wo zu diesem Zeitpunkt schon der Bremer Murat Kurnaz einsaß.

Also schickte das Bundeskriminalamt (BKA) mehrere Beamte, sie holten Seyam am Gefängnistor ab und begleiteten ihn zum Flughafen, Ziel war Frankfurt. In Deutschland, so hofften die Behörden wohl, könne man den Islamisten auf rechtsstaatlichem Weg bestrafen. "Und das war ein Irrtum", sagt ein Beamter, der Seyam mehrmals verhört hat.

Seyam ist zwar eine der am besten überwachten Personen der Bundesrepublik, auch wurden in den vergangenen Jahren mehrere Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet - zuletzt weil er ein Fernsehteam angegriffen hat. Verurteilt wurde er jedoch bislang nur einmal: zu einer Bewährungsstrafe wegen unerlaubten Waffenbesitzes. An dem Mittfünfziger, der seinem Sohn den Namen "Djehad" - heiliger Krieg - gab und in Interviews davon spricht, dass es gemäß dem Koran eine Pflicht sei, Ungläubige, umzubringen, beißen sich die Ermittler bislang die Zähne aus.

In Sicherheitskreisen heißt es, die Tatsache, dass er einer der Hintermänner des Bali-Anschlags sein soll, habe ihm in der Szene einen besonderen Ruf eingetragen. Soll heißen: In gewaltgeneigten Islamistenkreisen begegne man ihm mit Ehrfurcht. Schon vor Bali war der Name Seyam vielen ein Begriff: Während der Balkankriege hatte er islamistische Propagandavideos produziert. Eines zeigte, wie Extremisten mit den Schädeln geköpfter Serben Fußball spielen.

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