Islamismus Salafistenprediger Abu Walaa soll zum Dschihad aufgerufen haben

Der festgenommene Terrorverdächtige hat in einer Moschee in Kassel Gewalt gepredigt, sagt eine Vertrauensperson des Verfassungsschutzes. Der Prediger sei "oberster Repräsentant des IS in Deutschland".

Von Volkmar Kabisch und Lena Kampf

Etwa hundert Zuschauer waren in der Al-Madina-Moschee in Kassel versammelt, als der Mann, der sich nur Abu Walaa nennt, am Abend des 6. Mai 2016 zum bewaffneten Dschihad gegen die Ungläubigen aufrief. Der radikale Prediger, sonst in der Öffentlichkeit stets um Zurückhaltung bemüht, fühlte sich an diesem Abend sicher. Einer seiner Zuhörer jedoch war Vertrauensperson (VP) des hessischen Landesamts für Verfassungsschutz .

Abu Walaa, der bürgerlich Ahmad Abdelazziz A. heißt, wurde am Dienstag gemeinsam mit vier weiteren Personen als Kopf eines Rekrutierernetzwerks des sogenannten Islamischen Staats festgenommen. Er sitzt nun wegen des Vorwurfs der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland in Untersuchungshaft.

Abu Walaa soll oberster Repräsentant des IS in Deutschland sein

Der belauschte Angriff zur Gewalt ist nur einer der Vorwürfe, die Ermittler, gegen Abu Walaa zusammengetragen haben. Einer seiner ehemaligen Schüler, der Syrien-Rückkehrer Anil O., bezeichnet Abu Walaa als "obersten Repräsentanten des IS in Deutschland". Abu Walaa soll O. gesagt haben, er sei vom IS beauftragt, Rechtsgutachten zu erstellen und Ausreisen nach Syrien zu organisieren. O. gilt als Hauptbelastungszeuge. Seine Vorwürfe werden durch zwei weitere belastende Aussagen untermauert: Im Haftbefehl, der der Süddeutschen Zeitung, NDR und WDR vorliegt, ist eine weitere Aussage aufgeführt, die bezeuge, dass Abu Walaa die Ausreisen von deutschen Islamisten organisiere.

Der Verteidiger Abu Walaas, Mutlu Günal, geht davon aus, dass sich die Vorwürfe, die der Rückkehrer Anil O. erhebt, in den nächsten Wochen "in Luft auflösen werden".