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Islamismus:Geldgeber des Terrors

Konflikt in Syrien

Zwei bewaffnete Kämpfer der von den Vereinten Nationen als terroristisch eingestuften Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) stehen 2019 in einem Posten mit Blick in Richtung der syrischen Stadt Aleppo.

(Foto: Anas Alkharboutli/dpa)

Die Sicherheitsbehörden in Deutschland haben ein Netzwerk zur Finanzierung von Islamisten in Syrien ausgehoben. Dazu gehört offenbar auch eine 32-Jährige aus München.

Von Moritz Baumstieger und Ronen Steinke, München

Viele der islamistischen Milizen in Syrien werden maßgeblich von ausländischen Geldgebern am Laufen gehalten. Eine kleine Gruppe solcher Geldgeber haben Ermittler der Bundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamts am Donnerstag in Deutschland ausgehoben.

In den frühen Morgenstunden durchsuchten sie die Wohnungen von 14 Personen in München, im Raum Ulm und Neu-Ulm, in Kerpen, Laatzen, Witten sowie Wiesbaden und Berlin. Gemeinsam sollen sie hierzulande Spenden eingeworben und gesammelt haben, um diese an die Islamistenmiliz al-Nusra-Front zu schicken. Sie gilt nach deutschem Recht als ausländische terroristische Vereinigung.

Der Finanzstrom soll von Deutschland über die Türkei nach Syrien geflossen sein. Zu den Spendern gehörte auch die 32-jährige Valdete M., eine Islamistin mit deutschem, serbischem und kosovarischem Pass, die ohne festen Beruf in München lebt und den Staatsschützern bislang nicht aufgefallen war. Eingesammelt und gebündelt wurden die Spenden dieses Netzwerks, so glauben die Ermittler, vor allem von einem deutschen Staatsangehörigen in Delmenhorst, dem 30-jährigen Pfleger Tassilo M.

An diesem Donnerstag rückten die Sicherheitsbeamten bei Valdete M. ein und beantragten gegen die Frau und zwei weitere höherrangige Spendenvermittler des Netzwerks Haftbefehle, die am Nachmittag und Abend von einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Vollzug gesetzt wurden.

Das Geld ging offenbar an einen Mittelsmann in der Türkei

In der Türkei soll ein Mittelsmann dann das Geld entgegengenommen haben, der deutsche Staatsangehörige Önder A. Die Empfängerin des Geldes, die al-Nusra-Front, galt als syrischer Ableger der Terrororganisation al-Qaida. Anfang 2017 hat sich die Gruppe mit einer Reihe militant-fundamentalistischer Gruppierungen zu einer islamistischen Allianz zusammengeschlossen, der "Vereinigung für die Befreiung Syriens", Hay'at Tahrir al-Sham (HTS).

Für Spender in Deutschland war klar, was mit ihrem Geld geschehen würde: Sie wurden über eine Plattform der HTS im Internet informiert, auf der öffentlich zur Finanzierung des bewaffneten Kampfes aufgerufen wurde. Ausdrücklich soll auch damit geworben worden sein, dass die Zuwendungen für den Kauf von Schusswaffen und Zubehör sowie für die Sicherung des Lebensunterhalts ihrer Kämpfer eingesetzt würden.

Die Gruppe kontrolliert derzeit in Syrien weite Gebiete der Rebellenenklave Idlib im Nordwesten des Landes. Immer wieder gehen ihre Kämpfer gegen Mitglieder der säkularen Opposition vor, lassen diese verschwinden oder gar töten. In mehreren Abkommen mit Russland verpflichtete sich die Türkei, die als Schutzmacht des Gebietes um Idlib agiert, radikale Gruppen wie HTS zu entwaffnen - was bisher aber nicht geschah.

Der Bürgerkrieg in Syrien tobt seit nun fast genau zehn Jahren. Er begann Anfang 2011, als das Regime von Machthaber Baschar al-Assad politische Proteste mit zunehmender Gewalt niederschlug. Bald militarisierte sich die Opposition, Dschihadisten tauchten an den Frontlinien auf. Die al-Nusra-Front galt als größte und schlagkräftigste Gruppe, wie andere Rebellen war sie letztlich aber den Bombenkampagnen des Assad-Regimes und Russlands unterlegen und musste sich nach Idlib zurückziehen.

© SZ/jhd
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