Süddeutsche Zeitung

Islamischer Staat:Warum zwei Paris-Attentäter es nie bis nach Frankreich hätten schaffen dürfen

Ungehindert gelangten die Männer nach Europa - dabei waren ihre Pässe einem Medienbericht zufolge als Beute des "Islamischen Staates" registriert.

Zwei Attentäter von Paris konnten offenbar ungehindert über die Balkanroute bis nach Frankreich reisen, obwohl ihre Pässe in Europa als Diebesgut des sogenannten Islamischen Staates registriert waren. Das geht aus Informationen des Spiegel hervor. Demnach hatte die Bundespolizei bereits um die Jahreswende 2014/15 die Nummern von insgesamt 4000 Reisepässen in das Schengener Informationssystem eingetragen, die die Terrormiliz in Syrien und im Irak erbeutet hatten - darunter auch die Papiere der beiden Männer, die sich am 13. November vor dem Stade de France in die Luft sprengten.

Mit diesen Pässen registrierten sich die späteren Attentäter am 3. Oktober auf der griechischen Insel Leros. Doch die griechischen Behörden versäumten es offenbar, die Nummern der Dokumente mit der europäischen Datenbank abzugleichen. Bei einem weiteren mutmaßlichen IS-Kämpfer erfolgte dagegen eine entsprechende Abfrage; wegen eines Passdeliktes wurde der Mann vorübergehend verhaftet. Nach kurzer Zeit freigelassen, wurde er in Salzburg erneut festgenommen.

3800 der 4000 registrierten Pässe stammen aus der IS-Hochburg Raqqa in Syrien, die übrigen 200 aus der ebenfalls vom IS kontrollierten Stadt Mosul im Irak. In Libyen soll die Terrormiliz noch deutlich mehr Pässe erbeutet haben. Mit Bezug auf deutsche Sicherheitsbeamte spricht der Spiegel von mehr als 10 000 Dokumenten.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.2796268
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ.de/pamu/ewid
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.