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Islamischer Staat:Reines Symbol

Der "Kalif" ist tot - doch die Terrorgruppe nicht besiegt.

Der Kalif ist tot - es lebe der Kalif! Nach diesem Motto hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Nachfolger für Abu Bakr al-Bagdadi benannt, der sich der Ergreifung durch amerikanische Soldaten entzog, indem er seine Sprengstoffweste zündete und Selbstmord beging. Es ist kaum etwas bekannt über Abu Ibrahim al-Haschimi al-Kuraischi, nicht mal seine Identität. Aber die Dschihadisten signalisieren damit Kontinuität und den Fortbestand ihres menschenfeindlichen Projektes. Tatsächlich hat der IS vorgesorgt. Seine Führungsstruktur gleicht einer Matrjoschka, in der verschachtelt immer schon die nächste Puppe wartet.

Für den IS ist der Tod Bagdadis ein Schlag, aber einer, der vor allem symbolischer Natur ist. Bagdadi war vielleicht der Spiritus Rector des Kalifats, nicht aber dessen Architekt oder Militärkommandeur. Diese Jobs hatten ehemalige Geheimdienstler aus dem Unterdrückungsapparat des irakischen Diktators Saddam Hussein inne. Auch von denen sind etliche tot. Besiegt ist der IS deswegen trotzdem nicht.

Im Jahr 2007 dezimierten die Amerikaner und sunnitische Stämme im Irak al-Qaida in der Wüste von Anbar auf weniger als 1000 Mann. Es dauerte gerade kaum mehr als fünf Jahre, bis aus diesen versprengten Überbleibseln eine Organisation gewachsen war, die ein Drittel des Irak und die Hälfte Syriens überrannte. Und die Voraussetzungen heute in Syrien und im Irak für eine Wiederkehr des IS sind sicher nicht schlechter, als sie damals waren.

© SZ vom 02.11.2019

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