Islamischer Staat:Jordanischer Pilot offenbar vom IS getötet

Islamischer Staat: Vergebliche Bitte um Gnade: die Mutter des Piloten in Amman.

Vergebliche Bitte um Gnade: die Mutter des Piloten in Amman.

(Foto: Raad Adayleh/AP)
  • Im Internet veröffentlichte Bilder sollen zeigen, wie der jordanische Pilot Moaz al-Kasasbeh vom Islamischen Staat (IS) verbrannt wird.
  • Jordanische Medien meldeten am Abend, al-Kasasbeh sei vermutlich schon am 3. Januar ermordet worden.
  • Obama verurteilt die Tat, bestätigt die Echtheit der Bilder allerdings nicht.

Von Paul-Anton Krüger, Kairo

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat am Dienstagabend im Internet ein Video veröffentlicht, das offenbar die Ermordung des jordanischen Piloten Moaz al-Kasasbeh zeigt. Die Authentizität des Films war zunächst nicht gesichert, allerdings haben sich über denselben Kanal in sozialen Medien veröffentlichte Botschaften des IS-Propaganda-Arms al-Furqan in der Vergangenheit zumeist als echt erwiesen. Am Abend bestätigte das jordanische Staatsfernsehen den Tod des Mannes. Die 23-minütige Aufnahme übertrifft in ihrer Grausamkeit alle bisherigen Propaganda-Filme des IS.

Sie zeigt, wie der 26-Jährige, gekleidet in einen orangenen Gefangenenanzug, bei lebendigem Leib in einem Käfig verbrannt wird. Er war mit seinem F-16-Kampfjet am 24. Dezember über IS-kontrolliertem Gebiet nahe des syrischen Raqqa niedergegangen und in die Hände der Terroristen geraten. Die Terroristen hatten behauptet, die Maschine abgeschossen zu haben, nach offiziellen Angaben ging der Absturz auf einen Triebwerksschaden zurück.

Die jordanische Regierung in Amman hatte sich zuletzt am Sonntag bereit erklärt, alles in ihrer Macht Stehende für eine Freilassung des Piloten zu tun und ihn gegen die in Jordanien inhaftierte und zum Tode verurteilte irakische Terroristin Sajida al-Rishawi auszutauschen. Sie war Ende 2005 an Selbstmord-Anschlägen gegen Hotels in Amman beteiligt, bei denen 60 Menschen getötet wurden. Ihr Sprengstoffgürtel zündete jedoch nicht.

Al-Kasasbeh soll schon am 3. Januar ermordet worden sein

Der IS hatte mit al-Kasasbehs Ermordung gedroht, sollte Jordanien al-Rishawi nicht gegen die japanische IS-Geisel Kenji Goto austauschen. Ein Ultimatum des IS dafür war am Freitag verstrichen, da Jordanien von den Terroristen nicht das geforderte Lebenszeichen des Piloten erhielt. Am Wochenende hatten die Dschihadisten dann ein Video veröffentlicht, das Gotos Ermordung dokumentierte. Sie hatten zuvor schon einen Japaner umgebracht.

Jordanische Medien meldeten am Abend, al-Kasasbeh sei vermutlich schon am 3. Januar ermordet worden. Es ist unklar, wann und ob Jordaniens Regierung davon Kenntnis hatte. Das Video enthielt keine Anhaltspunkte, wann es produziert worden ist. Ein letztes Lebenszeichen des Piloten hatte der IS Ende Dezember veröffentlicht.

König Abdullah brach einen Besuch in Washington ab und flog zurück in die Heimat. Er war unter Druck geraten, alles Erdenkliche für die Rettung des Mannes zu tun, an dessen Schicksal in den vergangenen Tagen das ganze Land großen Anteil nahm. Mitglieder seiner Familie, die einem einflussreichen Stamm angehört, hatten sich in Amman versammelt; der König traf sie mehrmals, um seine Verbundenheit zu demonstrieren. Er wird in dem aufwendig produzierten Propagandavideo als Kreuzfahrer verunglimpft, weil sich Jordanien an der von den USA geführten internationalen Allianz gegen den IS beteiligt. Zudem rufen die Dschihadisten darin zur Ermordung weiterer jordanischer Piloten auf, deren angebliche Identitäten und Wohnorte in dem Video gezeigt werden.

Todesurteil gegen Dschihadistin soll vollstreckt werden

Es wurde Staatstrauer in Jordanien angeordnet. Das Militär schwor der Terrormiliz Rache: "Das Blut des Märtyrers wird nicht umsonst geflossen sein", sagte ein Armeesprecher in einer Fernsehansprache. "Unsere Rache wird das Ausmaß des Schmerzes haben, der allen Jordaniern zugefügt wurde." Die Armee habe alle Mühen auf sich genommen, al-Kasasbeh freizubekommen von den "Kräften der Dunkelheit und des Bösen".

Aus Sicherheitskreisen in Amman verlautete, nach der Ermordung des Piloten durch den IS solle nun das Todesurteil an der Irakerin al-Rishawi an diesem Mittwoch vollstreckt werden.

US-Präsident Barack Obama verurteilte die IS-Terrormiliz als "bösartige und barbarische Organisation". Die mutmaßliche Ermordung des Piloten werde die Bemühungen des Anti-IS-Bündnisses nur verdoppeln, sagte Obama am Dienstag während eines Treffens im Weißen Haus. "Welche Ideologie sie auch immer bedienen, sie ist ruiniert", fügte Obama hinzu. Die Extremisten des IS seien nur an Tod und Zerstörung interessiert. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach der Familie sein Mitgefühl aus. Über die Ermordung des Piloten "durch die barbarischen Terrorhorden" des IS sei er zutiefst erschüttert. "Sollte sich das Video seines abscheulichen Todes als authentisch erweisen, läge das jenseits jeder menschlichen Vorstellungskraft", sagte Steinmeier am Abend. Einmal mehr würde der IS zeigen, dass er außerhalb aller zivilisatorischen Normen agiere.

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