Islamischer Staat IS verbrennt jordanische Geisel

  • Im Internet veröffentlichte Bilder sollen zeigen, wie der jordanische Pilot Moaz al-Kasasbeh vom Islamischen Staat (IS) verbrannt wird.
  • Beobachtern zufolge versucht die Terrormiliz durch neue Methoden mehr Aufmerksamkeit zu erreichen.
  • Obama verurteilt die Tat, bestätigt die Echtheit der Bilder allerdings nicht.

Video zeigt offenbar Verbrennung des jordanischen Piloten

Der von der Terrormiliz Islamischer Staat gefangen genommene jordanische Pilot Moaz al-Kasasbeh ist vermutlich tot. Auf Internetseiten der Dschihadisten wurden Bilder aus einem Video veröffentlicht, die offenbar zeigen, wie die Geisel bei lebendigem Leib verbrannt wird. Der Kampfpilot war im Dezember nach dem Absturz seines Flugzeugs über Syrien von den Dschihadisten als Geisel genommen worden.

Er war der erste Soldat der internationalen Militärkampagne gegen den IS, der in die Gefangenschaft der Extremisten geraten ist. Nach seiner Gefangennahme hatten die IS-Kämpfer im Internet Fotos des 26 Jahre alten Soldaten gezeigt, auf denen er blutverschmiert und in Unterwäsche von jubelnden IS-Männern abgeführt wird. Al-Kasasbeh war an Heiligabend in der Nähe der Stadt Rakka abgestürzt. Jordanien ist einer von vier arabischen Staaten, die derzeit Luftschläge gegen den Islamischen Staat fliegen.

Das jordanische Parlament hatte dem IS mit "schwerwiegenden Konsequenzen" gedroht, falls dem Leutnant etwas zustoßen sollte. Auch die Familie des Piloten hatte sich in einer Videobotschaft an die Terrormiliz gewandt und sie um "Gnade" und eine Behandlung des Gefangenen als "Gast" gebeten. Der Pilot entstammt einer prominenten jordanischen Offiziersfamilie. An Heiligabend besuchte der jordanische König Abdullah II. sie an ihrem Wohnort in Karak, um seinen Beistand zu verdeutlichen - ein ungewöhnlicher Schritt.

IS nutzt Geiseln für Propaganda

"Dies ist das erste Mal, dass die Gruppe eine Geisel verbrannt hat, die große Beachtung in den Medien gefunden hat", stellte das auf Terrorismus spezialisierte Intel Center aus Alexandria bei Washington fest. "Dies zeigt, dass die Gruppe fortlaufend ihre Methoden weiterentwickelt, um die größte Publicity zu erzielen."

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Die IS-Miliz hatte in der Vergangenheit noch nie Gefangene genommen, stattdessen wurden mehrmals syrische oder irakische Bodentruppen, die kapituliert hatten, vor laufender Kamera hingerichtet. Außerdem hat die Terrormiliz zwei amerikanische und zwei britische Zivilisten geköpft, nachdem sie von beiden Ländern gefordert hatte, ihre Streitkräfte aus der Region abzuziehen. Der IS nutzt Geiseln häufig für seine Propaganda-Videos.

Obama verurteilt die Tat - Steinmeier zeigt sich "erschüttert"

US-Präsident Barack Obama verurteilt die IS-Terrormiliz nach Bekanntwerden der Videobilder als "bösartige und barbarische Organisation". Die mutmaßliche Ermordung des Piloten Muath al-Kaseasbeh werde die Bemühungen des Anti-IS-Bündnisses nur verdoppeln, sagte Obama während eines Treffens im Weißen Haus. "Welche Ideologie sie auch immer bedienen, sie ist ruiniert", sagte Obama. Die Extremisten des IS seien nur in Tod und Zerstörung interessiert. Bestätigen könne er die im Internet veröffentlichten Bilder derzeit allerdings nicht. Das US-Außenministerium teilte mit, die Echtheit des Videos werde geprüft.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat nach der mutmaßlichen Ermordung des Piloten sein Mitgefühl zum Ausdruck gebracht und zeigt sich "erschüttert". "Sollte sich das Video seines abscheulichen Todes als authentisch erweisen, läge das jenseits jeder menschlichen Vorstellungskraft", sagte Steinmeier. Einmal mehr würde der IS zeigen, dass er außerhalb aller zivilisatorischen Normen agiere. "Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei der Familie und den Freunden des getöteten Piloten sowie dem jordanischen Volk", betonte Steinmeier. Jordanien zahle einen hohen Preis für seinen entschlossenen Einsatz gegen den IS. Umso wichtiger sei es, dass die Weltgemeinschaft geschlossen gegen den IS und Terrorismus zusammen stehe.

Terrormiliz brüstet sich, den Jet abgeschossen zu haben

Jordanien grenzt sowohl an den Irak als auch an Syrien. Bislang hat das Königreich aber verhindern können, in den Sog der beiden Bürgerkriegsländer hineingezogen zu werden. Während sich die Propagandisten des Islamischen Staats im Internet damit brüsteten, den jordanischen F-16-Jet mit einer wärmesuchenden Rakete abgeschossen zu haben, beharren vor allem die Vereinigten Staaten darauf, dass dies nicht der Fall gewesen sei. In Wahrheit sei der Jet aus lediglich technischen Gründen abgestürzt. Allerdings hat die Terrormiliz in der Vergangenheit schon mehrmals irakische und auch syrische Armeeflugzeuge abgeschossen.

Über die Gefangennahme des jordanischen Piloten war in den vergangenen Wochen in Zusammenhang mit der Geiselnahme zweier Japaner berichtet worden. Nachdem zunächst eine der japanischen Geiseln getötet worden war, hatte die IS-Miliz am Samstag auch ihre zweite japanische Geisel ermordet. Vorher hatten Jordanien und Japan erwogen, einem Gefangenenaustausch mit dem IS zuzustimmen, da die Dschihadisten Forderungen gestellt hatten. Zuerst wollten sie 200 Millionen US-Dollar für das Leben der Japaner, dann die Freilassung einer in Jordanien inhaftierten Topterroristin. Offenbar waren die Verhandlungen aber eine Farce: Dem jordanischen Staatsfernsehen zufolge soll der Pilot bereits vor einem Monat umgebracht worden sein.

Das jordanische Militär schwor den Dschihadisten Rache. "Das Blut des Märtyrers wird nicht umsonst geflossen sein", sagte ein Armeesprecher in einer Ansprache im jordanischen Fernsehen. "Unsere Rache wird das Ausmaß des Schmerzes haben, der allen Jordaniern zugefügt wurde." Nun sollen in Jordanien die bereits zum Tode verurteilte al-Rischawi und weitere radikale Islamisten hingerichtet werden, wie jordanische Medien berichteten. Offiziell bestätigt wurde dies zunächst nicht.

Mitarbeit: Ronen Steinke