Geheime Dokumente über Islamischen Staat:Waffen von korrupten irakischen Soldaten

Aus einem Dokument ergibt sich, dass die Kosten für das Sozialsystem des Islamischen Staates bisweilen sogar die Ausgaben für den Ankauf von Waffen übersteigen. In einem anderen Papier finden sich Hinweise darauf, dass der IS, schon bevor er im Irak modernste Waffen amerikanischer Herkunft erbeutete, solches Kriegsgerät auf dem Schwarzmarkt ankaufen konnte, darunter M-4-Sturmgewehre und Nachtsichtgeräte. Es besteht der Verdacht, dass diese bei korrupten irakischen Soldaten beschafft wurden.

Im Bezirk Bagdad gehören zu den wesentlichen Einnahmequellen ausweislich eines Dokuments hohe Geldzahlungen von Geschäftsleuten, teilweise 50 000 Dollar im Monat von einer Person. Laut den irakischen Behörden handelt es sich hierbei nicht um freiwillige Spenden, sondern um Schutzgeld-Erpressung. Das amerikanische Finanzministerium nennt IS "die am besten finanzierte Terroristen-Organisation, mit der wir es je zu tun hatten". Die Dokumente scheinen dies zu belegen: Allein der Bezirk Bagdad-Nord gab im November 2013 genau 493 200 Dollar aus.

Bonuszahlungen für "besondere Operationen"

Die Papiere erlauben zudem einen Einblick in den Aufbau der militärischen Strukturen des IS. So wird laut einer Liste aus Haditha im Nordwesten des Irak jeder neue Freiwillige registriert. Verzeichnet werden Dienstgrad - Soldat, Kämpfer oder Emir - und die Bewaffnung. In einer gesonderten Spalte werden spezielle Fähigkeiten notiert sowie Abwesenheiten wegen Krankheit oder "Urlaub". Zudem werden für "besondere Operationen" Bonuszahlungen gewährt. Einem Scharfschützen wurde beispielsweise ein Haus gebaut.

In einer Art Kartei werden "Märtyrer" registriert, die für Selbstmordattentate abkommandiert sind. Meist hinterlassen sie eine Telefonnummer, sodass später ihre Familien oder Freunde unterrichtet werden können. Aus den Unterlagen ergibt sich, dass viele der Freiwilligen schon eine Woche nach ihrer Ankunft im Irak ihr Selbstmordattentat begehen.

IS setzt auf umfassende Propaganda

Nach Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbehörden sollen sich inzwischen bis zu neun aus Deutschland stammende Dschihadisten im Auftrag des IS in die Luft gesprengt haben. Unterlagen zu deutschen Selbstmordattentätern liegen Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR nicht vor. Auch Dokumente über die oft behauptete finanzielle Unterstützung des IS aus dem Ausland wurden von der irakischen Regierung nicht zur Verfügung gestellt. Der stellvertretende Innenminister Al-Assadi sagte der SZ, vieles aus dem Archiv müsse "wegen fortlaufender Operationen" geheim bleiben.

So professionell wie keine Terror-Organisation zuvor setzt der IS auf umfassende Propaganda, um neue Unterstützer zu rekrutieren. Diese Aufgabe wird von einem eigenen "Informationsministerium" wahrgenommen, aus den Provinzen arbeiten ihm "Informations-Emire" zu.

Der getötete "Kriegsminister" Al-Bilawi galt als enger Vertrauter des heutigen Kalifen Baghdadi, beide saßen nach dem Sturz Saddam Husseins 2003 gemeinsam in US-Haft. Nach einer Reihe verheerender Niederlagen verweist die irakische Regierung derzeit auf erste militärische Erfolge im Kampf gegen den IS.

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