Islamischer Staat Warum der IS Splatter-Propaganda betreibt

  • Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) inszeniert ihre Gräueltaten mit hohem technischen Aufwand.
  • Mit den grausamen Videos soll die Furcht der Bevölkerung in den von dem IS besetzten Gebieten aufgefrischt werden. So sollen sie diszipliniert werden.
  • Kriegsgegner werden daran erinnert, was geschieht, wenn sie dem IS in die Hände fallen. Die irakische Armee bewog diese Tatsache schon oft zum Rückzug.
Von Ronen Steinke

Unweit der ostsyrischen Stadt Deir al-Sor soll die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach Oppositionsangaben zum ersten Mal Frauen enthauptet haben. Zwei Zivilistinnen seien zusammen mit ihren Ehemännern der Hexerei beschuldigt und hingerichtet worden. Wegen angeblichen Ehebruchs soll die Miliz jüngst auch weibliche Gefangene gesteinigt haben, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet. Die Beobachtungsstelle steht der syrischen Opposition nahe; überprüfen lassen sich ihre Angaben nicht.

Von einer neuen Qualität der IS-Grausamkeit mag man kaum mehr sprechen - gibt es Gräuel, die der IS nicht begangen hat? Erst vor einer Woche veröffentlichte die IS-Medienabteilung ein Video, das auf grausame Weise an die Verbrennung eines jordanischen Piloten in einem Käfig im Januar erinnern sollte. Zu sehen sind mehrere Männer, die in einen Käfig gesperrt und langsam in ein Schwimmbecken versenkt werden, Unterwasserkameras filmen ihren Überlebenskampf in hoher Auflösung, dazu läuft Musik.

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Es sind stets nur vereinzelte Taten. Aber sie werden mit teils großem technischem Aufwand inszeniert. Aus der alltäglichen Gewaltherrschaft des IS über schätzungsweise acht Millionen Menschen im Irak und in Syrien sollen sie noch hinausragen, dafür muss möglichst Neues geboten werden. Die Splatter-Propaganda lohnt sich aus Sicht der Terrormiliz selbst dann, wenn sie militärisch in Bedrängnis ist und ihre Ressourcen knapp sind - weil damit einerseits nach innen die Furcht aufgefrischt, die Bevölkerung also mit vergleichsweise geringen Mitteln diszipliniert wird. Darüber hinaus erinnert jedes Video, dem es gelingt, sich viral durchs Netz fortzupflanzen, Kriegsgegner daran, was geschieht, wenn sie dem IS in die Hände fallen. Das bringt einen taktischen Vorteil.

Irakische Armee-Einheiten ziehen sich aus Furcht zurück

Oft hat man sich zuletzt gewundert über irakische Armee-Einheiten, die sich zurückzogen, weil eine Niederlage im Kampf gegen den IS möglich zu sein schien. Videos wie jene vom Ertränken im Käfig machen im Irak schnell die Runde. Das lässt sich der IS gerne etwas kosten, so wie in den vergangenen Tagen auch das Video, das zeigt, wie Gefangene in ein Auto gesperrt und mit einer Panzerfaust beschossen werden. Oder wie Männern kleine Sprengsätze um den Hals gelegt und ihnen die Köpfe abgesprengt werden.

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Solange die Sonne am Himmel steht, sollen gläubige Muslime nicht essen, trinken, rauchen, lieben. Der Fastenmonat Ramadan verlangt von ihnen Enthaltsamkeit und innere Einkehr. Einen angeblichen Verstoß gegen dieses Gebot haben die IS-Machthaber in Deir al-Sor nun erstmals mit dem Pranger bestraft: Fünf Männer seien an Armen und Beinen an einer Stadtmauer aufgehängt worden, berichtete am Dienstag die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Der IS habe Kinder dazu aufgefordert, die Männer dort zu verspotten.