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Islamische Extremisten:Die Bombe an Gleis eins

Am 10. Dezember 2012 gegen 13 Uhr wurde eine blaue Sporttasche am Gleis eins des Bonner Hauptbahnhofs abgestellt. Sie fiel Jugendlichen auf, die die Polizei informierten. In der Sporttasche befand sich ein zündfähiger Sprengsatz.

Für diese Tat wird Marco G. verantwortlich gemacht. Der 26-Jährige wurde im März 2013 bei der Vorbereitung eines Mordanschlags festgenommen. Er soll mit drei Komplizen geplant haben, den Vorsitzenden der rechtsextremen Splitterpartei Pro-NRW zu erschießen. Marco G. wurde wegen versuchten Mordes und des Versuchs, eine Sprengstoffexplosion herbeizuführen, von der Bundesanwaltschaft angeklagt. Auch er ist ein Konvertit.

Reiseziele Syrien und Irak

Waziristan war lange das Reiseziel Nummer eins für Dschihadisten aus Deutschland und solche, die es werden wollten. Das änderte sich durch den Krieg in Syrien. Für deutsche Dschihadreisende hat Syrien gegenüber ihrem früheren Ziel Waziristan einen großen Vorteil - sie müssen nicht einmal in ein Flugzeug steigen. Mit dem Auto und einem deutschen Personalausweis schafft man es bis an die türkisch-syrische Grenze. Dort haben sich Lager für Kämpfer gebildet, die unaufhaltsam nach Syrien strömen. Die Dschihadisten aus Deutschland schließen sich in der Regel nicht den moderaten Rebellengruppen in Syrien an, sondern meist dem "Islamischen Staat im Irak und (Groß-)Syrien" (Isis). So paradox das auch klingen mag: Die radikalste unter den Terrorgruppen behandelt die ausländischen Kämpfer am besten.

Inzwischen kämpfen mehrere Hundert Europäer gegen das Assad-Regime und gegen andere Gruppen. Mindestens 320 von ihnen kommen aus Deutschland. Die Dunkelziffer soll um ein Vielfaches höher sein.

Von Syrien aus marschieren die Dschihadisten in den Irak ein. Mitte Juni 2014 eroberten Isis-Kämpfer Mossul, die zweitgrößte Stadt des Landes, und versuchten, weiter in Richtung der Hauptstadt Bagdad vorzurücken. Unter ihnen sind womöglich auch einige deutsche Kämpfer.

Etwa 20 Männer aus Deutschland starben bereits im syrischen Bürgerkrieg. Zum Beispiel der ehemalige Fußballprofi Burak Karan, der in Nähe der nordsyrischen Stadt Azaz getötet wurde. Oder der 19-Jährige David G. aus Kempten. Oder der Solinger Robert B., der sich in die Luft sprengte.

Deso Dogg Islamist Terror Dschihad

Ehemals "Deso Dogg", jetzt Dschihadist: Denis Cuspert

(Foto: oH)

Ein bekannter deutscher Dschihadist meldet sich regelmäßig aus Syrien. Der Ex-Rapper Denis Cuspert alias Deso Dogg alias Abu Talha al-Almani verkündete kürzlich in einer Videobotschaft, dass er sich ISIS angeschlossen habe: "Dieser Staat ist euer Staat und dieser Staat wartet auf euch." Erst wenige Tage zuvor hatte er die Muslime zum Dschihad in der Zentralafrikanischen Republik aufgerufen.

Das afrikanische Land könnte das nächste große Reiseziel für Deutschlands Dschihadisten werden.

Die Autorin schreibt unter Pseudonym, da sie sich seit Jahren für Recherchen in der Islamisten-Szene bewegt und diese Tätigkeit nicht gefährdet werden soll.

© SZ.de/mikö/fo/leja
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