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Islamfeindliche Äußerungen:Ein Trump zu viel

US Republican Presidential candidate Donald Trump campaigns aboar

Rabiat soll es zugehen, wenn Donald Trump auftritt, in Wort und Bild - hier auf dem Schlachtschiff USS Iowa.

(Foto: Mike Nelson/dpa)
  • Seit den Anschlägen in Paris hetzt Donald Trump gegen Muslime. Zuletzt hatte er verlauten lassen, er wolle Muslimen die Einreise in die USA verbieten.
  • Bisher hatte er damit Erfolg.
  • Nun könnte Trump zu weit gegangen sein: Selbst rechte Republikaner kritisieren seinen Vorstoß als "unamerikanisch".

Der vergangene Montag dürfte ein Tag nach Donald Trumps Geschmack gewesen sein. Auf sämtlichen Nachrichtenseiten im Netz stand sein Name ganz oben, die Fernsehstationen unterbrachen ihre Programme und meldeten "Breaking News", und auch auf Twitter drehte sich alles nur um ihn. So muss das aus seiner Sicht sein, so geht das in Amerika schon seit mehr als hundert Tagen.

Trump hatte am Nachmittag in einer Presseerklärung verlauten lassen, er wolle den Muslimen die Einreise in die USA verbieten, dann flog er in seinem Privatjet zu einem Wahlkampfauftritt auf der USS Yorktown, einem Flugzeugträger, der Einsätze während des Zweiten Weltkriegs im Pazifik fuhr und jetzt im Hafen von Charleston liegt.

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"Ein Viertel der Muslime in Amerika befürworten Anschläge auf die USA"

"So lange wir nicht wissen, was vor sich geht, machen wir für alle Muslime die Grenzen dicht. Auch für Touristen", sagte Trump und sprach von der Gefahr, die von den Muslimen ausgehe, nicht nur von denen in Ländern wie Syrien und Irak, "sondern denen in unserem Land." Ein Viertel der Muslime in Amerika würden Anschläge auf die USA befürworten, "weil sie sich im globalen Dschihad befinden", sagte er. Die Menge tobte.

Dass diese Zahl auf eine angebliche Studie eines Mannes namens Frank Gaffney Junior zurückgeht, der als Anti-Muslim-Extremist eingestuft wird und sich gemeinsam mit anderen Rassisten und Holocaustleugnern auf der schwarzen Liste einer anerkannten Bürgerrechtsorganisation befindet, sagte Trump natürlich nicht. Doch hätte das vor diesem Publikum einen Unterschied gemacht? Wohl kaum.

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Seit den Anschlägen in Paris am 13. November hetzt Donald Trump gegen Muslime und legt alle paar Tage einen neuen Holzscheit in die Glut der Islamophobie. Bisher hatte er damit Erfolg.

Erst wehrte er sich gegen die Aufnahme syrischer Flüchtlinge, weil sich darunter Terroristen befinden könnten, "von Isis gesteuerte Trojanische Pferde", wie Trump sie nannte. Dann behauptete er, "Tausende Muslime" in New Jersey gesehen zu haben, die nach den Terrorattacken auf das World Trade Center im September 2001 auf den Straßen gejubelt hätten.

Nachdem bekannt wurde, dass es sich bei dem Ehepaar in San Bernardino, das vergangene Woche 14 Menschen erschoss, um IS-Sympathisanten handelte, rief er dazu auf, Moscheen überwachen zu lassen und jeden Terroristen "in jedem verdammten Winkel der Welt", sowie auch ihre Familienangehörigen, zu vernichten.

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