IS-Terrorist Denis Cuspert:Alle Brücken abgebrochen

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Denis Cuspert: Rapper aus Berlin, IS-Propagandist und nun auf der Terrorliste der USA.

(Foto: Di Matti/dpa)

Als Rapper schafft er es zu ein wenig Ruhm, der große Erfolg bleibt aus. Dann schlägt der Berliner Denis Cuspert alias Deso Dogg einen anderen Karriereweg ein: Über den Salafismus gelangt er zum IS und von dort direkt auf die Terrorliste der USA.

Von Hakan Tanriverdi

Denis Cuspert kniet neben einem Menschen und drapiert dessen Kopf auf seinem Torso. Die Terroristen des Islamischen Staates töteten den Mann kurz zuvor, Fotos davon werden später im Internet landen. Auch das Video, in dem Cuspert neben dem Toten zu sehen ist, gibt es Monate später noch im Netz. Es ist einer der vielen Gründe dafür, warum das US-Außenministerium den in Berlin geborenen Ex-Rapper jetzt auf die Liste der meistgesuchten Terroristen gesetzt hat.

Cuspert wurde 1975 in Berlin-Kreuzberg geboren. Der Vater verließ die Familie, die Beziehung zum Stiefvater war schwierig. Er selbst hat zwei Kinder von verschiedenen Müttern. In Deutschland kennt man Cuspert unter mehreren Namen. Man verbindet immer Gewalt damit. Da ist einmal sein Alias als Rapper: Deso Dogg. Er veröffentlichte mehrere Alben, so genannten Straßenrap. Harte Texte über das Leben als Kleinkrimineller. "Ich musste viel in meinem Leben machen. Ob Knast oder Klapsmühle, es gab nichts zu lachen", reimte er. Cuspert bezeichnet sich als "O.G. Ghettostar", wobei O.G. eine Abkürzung ist und für "Original Gangster" steht.

Als Rapper schafft er es zu ein wenig Ruhm in der Berliner Szene, wirklich erfolgreich wird er nie. In einem Interview beschwert er sich, dass er für einen Videodreh stundenlang mit nacktem Oberkörper bei Minusgraden in der Kälte stehen musste und Musiksender den Clip anschließend dennoch abgelehnt haben. 2010 lässt er es sein mit der Musik.

Im Schneidersitz beim Salafisten

Um diese Zeit herum taucht ein erstes Video auf. Cuspert im Schneidersitz, vor ihm der bekannte Salafisten-Prediger Pierre Vogel. Der sagt: "Du bist ja sowieso schon auf dem Weg." Cuspert selbst nennt sich "Abu Malik", vom Salafismus hat er noch keine Ahnung, doch kurz danach ist er in ganz Deutschland Gastredner auf deren Seminaren. Er radikalisiert sich. Statt zu rappen, singt er islamische Lieder: "Dschihadist lauf, Dschihadist kämpf'! Guck wie der Ungläubige stirbt und brennt!" Songs wie diese hörte Arid U. 2011 auf seinem iPod. Auf dem Frankfurter Flughafen erschoss er zwei Amerikaner. Cuspert rechtfertigte die Tat als Akt der Verteidigung.

Er wird Teil der radikalsalafistischen Gruppe Millatu Ibrahim, die 2012 verboten wird. Cuspert verlässt das Land, landet erst in Ägypten, daraufhin in Syrien. 2013 taucht er als "Abu Talha al-Almani" im Al-Qaida-Magazin Inspire auf. Er schließt sich der IS-Miliz an. Ende desselben Jahres zeigt ein Video Cuspert, reglos auf einer Bahre liegend. Das nährt Gerüchte, er sei gestorben. Doch Cuspert tritt schon bald darauf wieder in Erscheinung - nach einem Militärangriff habe er drei Tage im Koma gelegen, behauptet er nun.

In Deutschland ermittelt die Bundesanwaltschaft. Sollten IS-Terroristen wie Cuspert nach Deutschland zurückkehren, droht ihnen eine Anklage wegen Kriegsverbrechen. Doch Cuspert scheint die wenigen Brücken schon lange abgebrochen zu haben.

© SZ vom 11.02.2015/dayk
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