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Terrorismus:Der Albtraum vom Kalifat

IS-Milizen flüchten nach intensiven Gefechten mit dem Militär aus dem Ort Mapandi im Süden der Philippinen.

Graffiti in einem zerstörten Haus im Süden der Philippinen nach Kämpfen zwischen Regierungstruppen und IS-nahen Milizen.

(Foto: REUTERS)
  • Die philippinische Stadt Marawi war 154 Tage unter den Kontrolle von islamistischen Extremisten.
  • Nach deren Vertreibung warnt das Militär, dass die Aufständischen noch immer ihren Plan verfolgten, im Süden der Philippinen ein Kalifat zu errichten.
  • Für die Philippinen und die gesamte Region Südostasien ist dies eines der größten Sicherheitsrisiken.

Die Erinnerungen an die lange Schmach von Marawi sind noch wach. Es dauerte 154 Tage, bis es dem philippinischen Militär gelang, die Stadt einigen Hundert islamistischen Extremisten zu entreißen. Und besonders in den ersten Wochen der Gefechte nutzen Terroristen offenbar viele Schlupflöcher im Belagerungsring, um sich unerkannt aus der Stadt zu schleichen.

Das rächt sich jetzt, wie man an den jüngsten Äußerungen aus dem philippinischen Militär erkennen kann. Die flüchtigen Kommandos, die sich zum sogenannten Islamischen Staat (IS) bekennen, konnten offenbar viel Geld aus Banken in Marawi plündern, dazu Schmuck und Waffen. Und nun nutzen sie diese Mittel, um sich für den nächsten Schlag zu rüsten.

Das Militär warnt, dass die Aufständischen noch immer ihren Plan verfolgten, im Süden der Philippinen ein Kalifat zu errichten oder sich zumindest einen Rückzugsraum zu sichern, nachdem der IS sein Territorium im Nahen Osten verloren hat. Für die Philippinen und die gesamte Region Südostasien ist dies eines der größten Sicherheitsrisiken. Die Lage ist schwer überschaubar, weil auf der Insel Mindanao schon seit Jahrzehnten muslimische Rebellen gegen einen Staat kämpfen, der ansonsten überwiegend katholisch geprägt ist.

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Die Muslime fordern Autonomie, manche Unabhängigkeit, doch haben sich die bewaffneten Gruppen im Lauf der Zeit so stark aufgesplittert, dass es immer schwieriger wird, auf einen dauerhaften Frieden hinzuarbeiten. Jene Rebellen, die nach langem Kampf ein Abkommen mit Manila geschlossen haben, warnen nun, dass die Ableger des IS erneut versuchen werden, eine Stadt auf Mindanao unter ihre Kontrolle zu bekommen.

IS-nahe Splittergruppen konkurrieren mit den etablierten Rebellen

1100 Menschen sind bei den Kämpfen um Marawi 2017 gestorben, der Wiederaufbau kommt nur schleppend voran. Murad Ebrahim, Chef der größten muslimischen Rebellengruppe "Moro Islamic Liberation Front" (MILF) berichtet, dass die verschiedenen bewaffneten Gruppen in religiösen Schulen immer stärker um Einfluss wetteiferten.

IS-nahe, oft von jüngeren Kämpfern getragene Splittergruppen konkurrieren mit den etablierten Rebellenorganisationen. Im Gegensatz zu den älteren Gruppen erscheinen die radikaleren Splitterfraktionen beweglicher und dynamischer und mischen sich stärker mit ausländischen Kräften. Sie kommunizieren viel über soziale Medien, haben Kämpfer aus dem arabischen Raum in ihren Reihen, aber auch Extremisten aus der unmittelbaren Nachbarschaft, aus Malaysia und Indonesien.

Die älteren Fraktionen der Rebellen, die nach Ausgleich mit Manila streben, erscheinen geschwächt. Das liegt vor allem daran, dass der von ihnen ausgehandelte Frieden blockiert ist, seitdem IS-nahe Extremisten die Eskalation in Marawi provozierten und eine neue Dynamik der Gewalt entfesselt haben. Die stärkere transnationale Vernetzung der Terroristen lässt zwar die drei Regierungen in Jakarta, Manila und Kuala Lumpur partiell näher zusammenrücken, es gibt eine engere Koordination zwischen Geheimdiensten und Militär, was auch den Kampf gegen die Piraterie erleichtert. Aber es bleibt schwer, die entlegene Inselwelt im Süden der Philippinen militärisch umfassend zu kontrollieren.